03. März 2016
Der 218. Jahresausblick: Geht dem Aufschwung die Puste aus?
Junger Wirtschaftsrat informiert sich bei der Traditionsbank M.M.Warburg & CO
Am 03. März 2016 traf sich der Junge Wirtschaftsrat in den Räumlichkeiten der Hamburger Traditionsbank M.M.Warburg & CO, um einen Blick in die Kristallkugel zu werfen: Als Vertreterin der volkswirtschaftlichen Abteilung des Kreditinstituts gab Dr. Rebekka Haller einen Ausblick auf die zu erwartende Wirtschaftsentwicklung im Jahr 2016.
v.l.: Dr. Philip Marx, Prokurist bei M.M.Warburg & CO und Vorstandsmitglied des Wirtschaftsrates Hamburg; Tim Albrecht, Landesvorsitzender des Jungen Wirtschaftsrates Hamburg; Dr. Rebekka Haller, Analystin im Investmentoffice von M.M.Warburg & CO (Foto: Wirtschaftsrat)

Zur Einführung stellte Dr. Philip Marx, Prokurist bei Warburg und Vorstandsmitglied des Wirtschaftsrates Hamburg, die größte deutsche Privatbank kurz vor. Seit der Gründung 1798 in Altona hat die Unternehmensgruppe 217 Jahre lang das auf und ab der Finanzmärkte miterlebt. Nach wie vor hält die Familie Warburg 80 Prozent der Unternehmensanteile und hat die Expertise der Gruppe kontinuierlich ausgebaut: von Private Banking über Asset Management bis zum Investment Banking deckt Warburg heute alle Facetten moderner Bankdienstleistungen ab.

 

Dr. Rebekka Haller widmete sich dann dem inhaltlichen Kern des Abends und gab einen Überblick über die globale wirtschaftliche Entwicklung:

 

Was ist der Status Quo? Wir befinden uns derzeit in einem schwierigen Umfeld am Ende des Konjunkturzyklus, in dem keine großen Wachstumssprünge mehr zu erwarten sind. Die Schwächephase wird zusätzlich durch die Flutung der Märkte mit neuem Geld der Europäischen Zentralbank verstärkt.  Einen anderen Weg geht die amerikanische Federal Reserve Bank, die entgegen dem weltweiten Trend eine Zinserhöhung durchführte – vielleicht zu früh? Und schließlich befindet sich China in einer radikalen Transformation von Industrie zu Dienstleistung, die international misstrauisch beäugt wird.

 

Wie sind wir zu diesem Punkt gelangt? Im letzten Jahr war die Wirtschaft noch „friedlich“, politische und geopolitische Risiken gering und die EZB legte den Grundstein für ihre expansive Geldpolitik, die zu einem „Feuerwerk an den Märkten“ führte. Die Euphorie wich jedoch zusehends der Ernüchterung mit dem Crash am Rentenmarkt, der die Renditen der Staatsanleihen in den Keller fallen ließ und sich letztendlich auf den Aktienmarkt übertrug. Gefördert wurde der Abwärtstrend zusätzlich durch die Turbulenzen in Griechenland und China, sodass er bis heute anhält. Den dominanten Einflussfaktor auf die Kursentwicklung stellt derzeit das Vorgehen der Notenbanken dar. Durch ihr Schwanken zwischen Extremen werden die Märkte immer volatiler.

 

Wie wird es 2016 weitergehen? Entwarnung vorweg: Eine Krise ist nicht zu erwarten. Allerdings ist der Abschwung auch nicht sehr weit entfernt. Das Geschehen wird vor allem von folgenden Entwicklungen bestimmt:

 

Zunächst geht es um das Voranschreiten der chinesischen Transformation. Diese ist auf einem guten Weg, führte aber in den letzten Jahren zu einer Reduktion des BIPs. Dies ist natürlich gewollt, wird international jedoch trotz des ausgewiesenen Wachstums von 6,9 Prozent als möglicher Vorbote einer Rezession betrachtet. Laut Haller muss China einen besseren Umgang mit seinen wirtschaftlichen „Stellschrauben“ erlernen, beispielsweise sein Verhalten transparenter kommunizieren, um Missverständnissen vorzubeugen. Zusätzlich bringt China derzeit massiv Devisenreserven an den Markt, um seine Währung zu stützen. Sollte dieser Weg nicht mehr weiter fortgesetzt werden, würden Abwertungen nötig, die künftig wieder starke Reaktionen am Kapitalmarkt hervorrufen könnten.

 

Das zweite „Sorgenkind der Weltwirtschaft“ sind die sinkenden Rohstoffpreise, insbesondere der Ölpreis. Obwohl der Angebotsüberhang langsam zurückgeht, bleibt die Lage aufgrund der politischen Instabilität in den Förderländern unsicher. Ausgelöst wurde der Anstieg durch den Einsatz der Frackingtechnologie in den USA, sodass insbesondere Länder wie Russland, Saudi-Arabien oder Iran nur schwer einer Mengenreduktion zustimmen werden.

 

Die USA stehen zudem aufgrund ihrer Zinserhöhung im Zentrum des Interesses. Die geläufigen Einkaufsmanagerindizes hinterfragen den Zeitpunkt der Aufwertung als zu früh, zeigen schon fast eine Abwärtsentwicklung. Dabei müssen jedoch ebenso die rapide sinkende Arbeitslosigkeit und der Anstieg in Konsum und Dienstleistungen in Betracht gezogen werden, welche einen klaren Aufwärtstrend erkennen lassen. Letztendlich repräsentieren die geläufigen Indizes noch nicht ausreichend den vorangegangenen Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft. Die Lage in den USA ist allgemein als stabil zu bewerten und der Zinserhöhungspfad wird (wenn auch langsamer) weiter verfolgt werden.

 

In Europa ist die Entwicklung deutlich positiver. Die Arbeitsmärkte erholen sich fast überall, Arbeitslosenzahlen sinken, wenn auch teilweise auf hohem Niveau. Nur in Frankreich stagniert die Arbeitslosenquote bei 10 Prozent. Deutschland nimmt dabei den Platz als „Motor Europas“ ein, mit wachsender Nachfrage, Konsum und Löhnen sowie äußerst positiver Arbeitsmarktentwicklung.

 

Wie schlagen sich diese Entwicklungen auf den Aktien- und Rentenmärkten Europas nieder? Die Inflation ist derzeit auf sehr niedrigem Niveau. Selbst die Kerninflationsrate, auf die der Ölpreis keinen Einfluss hat, lag im Februar nur bei 0,7 Prozent. Die Entwicklung der Kreditvergaben variiert stark zwischen den Ländern. Das Ziel der EZB bleibt somit, das Niveau der Kreditvergaben zu erhöhen. Eine noch expansivere Geldpolitik ist zu befürchten. Im Ergebnis bleiben die Bedingungen auf dem Rentenmarkt global schlecht. Renditen aus Anleihen fallen und sind starken Schwankungen ausgesetzt. Insgesamt existieren zunehmend weniger Anlageformen, die als sicher gelten. Die Entwicklung auf dem Aktienmarkt hingegen wird deutlich positiver bewertet: Hohe steigende Gewinne der DAX-Konzerne lassen zumindest längerfristig mit verhältnismäßig hoher Sicherheit auf gute Renditen schließen. Aktienmärkte werden somit zum Anlageziel Nummer 1 im Jahr 2016.

 

In der anschließenden Diskussion wurde die Entwicklung des Ölpreises noch einmal im Detail betrachtet und analysiert. Den inoffiziellen Höhepunkt fand die Veranstaltung bei dem anschließenden „Schlossrundgang“ durch die historischen Räumlichkeiten des Bankhauses, die den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden haben. Beim anschließenden Get-together berichtete Philip Marx von den Anekdoten und Tragödien im Auf und Ab der Familiengeschichte der Warburgs, deren Schicksal untrennbar mit dem Erfolg des Bankhauses verknüpft sind. 

Kontakt
Christian Ströder
Referent für Wirtschaftspolitik
Wirtschaftsrat der CDU e.V. Landesverband Hamburg
Telefon: 040/ 30381049
Telefax: 040/ 30381059