19. Mai 2014
Der demografische Wandel - Chance für das Personalmanagement in Unternehmen?
Reinhold W. Schlegel (Foto: Wirtschaftsrat)

Im Jahr 2050 werden etwa 15 Prozent der Bevölkerung unter 20 Jahre alt sein, 52 Prozent im Alter von 20 bis 64 Jahren und ein Drittel über 65 Jahre alt.

 

Nicht nur die Bevölkerung altert, sondern damit auch die Belegschaft in den Unternehmen. Für Betriebe bedeutet das, dass der Anteil der unter 44-Jährigen Arbeitnehmer in den kommenden Jahren weiter sinken wird, während die Beschäftigten im Alter zwischen 45 und 67 immer mehr zunimmt.

 

Dies stellt viele Firmen vor neue Herausforderungen. Es gilt, ältere Mitarbeiter zukünftig stärker zu fördern, damit deren Leistungsfähigkeit, Gesundheit und Wissen über die gesamte Dauer ihres Arbeitslebens erhalten bleibt.

 

Im Hause der Holcim (Süddeutschland) GmbH diskutierten die Mitglieder und Gäste des Wirtschaftsrats über das Für und Wider in der Frage, ab welchem Alter ein Arbeitnehmer in den „Ruhestand“ gehen darf oder soll. 

(Foto: Wirtschaftsrat)

Holcim kann mit seinen Schweizer Wurzeln auf über 100 Jahre Firmengeschichte zurückblicken und beschäftigt heute über 70.000 Mitarbeiter weltweit. Holcim ist sich durchaus bewusst, dass eine solche Erfolgsgeschichte nur mit den besten Mitarbeitern zu meistern ist und dass die Personalpolitik einen großen Anteil an einem erfolgreichen Unternehmen hat.

 

Edeltraud Guse, Leiterin Human Resources der Holcim (Deutschland) GmbH stellte die vielen verschiedenen Wege vor, die Holcim eingeschlagen hat, um das beste Personal zu rekrutieren, auszubilden und zu halten und stellt in den letzten Jahren fest, dass die Ruheständler nicht selten gerne noch einen Minijob im Unternehmen übernehmen.

 

Porf. Dr. Uwe Schirmer, Professor für Personalmanagement und Mitarbeiterführung an der DHBW Lörrach stellt fest, dass die „Alten“ von heute nicht mehr mit den „Alten“ vor einigen Jahrzehnten vergleichbar seien. Die Generation 50 + bringt ein hohes Maß an Sozial- und Selbstkompetenz, sowie Ausgeglichenheit mit, die man so erst im Alter erreichen kann. Erhebungen zufolge, sei die Gesamtleistungsfähigkeit der Arbeitnehmer heute zwischen dem 40. Und 50. Lebensjahr sogar am höchsten, stellt Schirmer fest. 

Prof. Dr.-Ing. habil. Monika Auweter-Kurtz, Direktorin der German Aerospace Academy wirft die Frage in den Raum, warum die Karriere eines Arbeitnehmers nur in jungen Jahren entwickelt werden muss? „Nochmal durchstarten mit 55, für die letzten 10 bis 15 Jahre des Berufslebens“ ist für Auweter-Kurtz ein gutes Modell. Arbeitnehmer sollten im Alter animiert werden, sich noch zu entwickeln, statt sie in den Vorruhestand zu drängen, appellierte sie.

 

Auch Reinhold W. Schlegel, Sprecher der Sektion Balingen/Sigmaringen und Mitglied des Landesvorstands im Landesverband Baden-Württemberg des Wirtschaftsrats stellt angesichts der Rente-mit-63-Diskussion fest, dass eine Senkung des Renteneintrittsalters den Bund 160 Mrd. Euro kosten wird und diese Entwicklung mit der demografischen Zukunft keineswegs in Einklang steht.