04. November 2015
Der Mittelstand: Das Rückgrat der Wirtschaft
Wie Handwerksbetriebe die deutsche Wirtschaft stabilisieren und vorantreiben
„Ja zum Meister“ hieß es auf der vergangenen Frühstücksveranstaltung der Sektion Frankfurt. Bernd Ehinger, Präsident der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, informierte über Chancen, Grenzen und Wandel der Handwerksberufe.

„Der Meisterbrief ist das Fundament der qualitativ hochwertigen Ausbildung des dualen Systems“, leitete Ehinger sein Plädoyer für das Handwerk ein. Die Ausbildungszahlen im Meister sind in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen. Dagegen gibt es eine ausgeprägte Zunahme an Sachverständigengutachten aufgrund der ebenso auffallenden Zunahme an Baupfusch. Eine der Ursachen für den Rückgang im Ausbildungswesen sieht Ehinger bei den Medien, aber auch im demografischen Wandel und im Bildungswesen. Die auffallendste Problematik stellt dabei der Drang zum Abitur dar. 30 Prozent der Schüler streben trotz fehlender Gymnasialempfehlung das Abitur an. Auf das Abitur folgt fast selbstverständlich das Einschreiben an der Universität, Studieren scheint konkurrenzlos der nächste Schritt für die Abiturienten. „Für 20 Prozent der Studierenden ist die duale Ausbildung im Handwerk die bessere Alternative, doch bekommen die Absolventen durch Medien und Sozialisation ein falsches Bild vermittelt.“, erklärte Ehinger.

 

Von besonderer Bedeutung hierbei sind für Ehinger Kooperationen mit der Universität Frankfurt, mit Schulen und mit dem europäischen und außereuropäischen Umland. Für die Politik ist hier die Zusammenarbeit mit den Handwerkskammern unabdingbar. Besonders die europäische Ebene mit den Grundzügen der Liberalisierung im Handwerk betrachtet Ehinger kritisch. Doch handelt es sich nicht um ein rein politisches, sondern viel eher gesellschaftliches Problem, dem das Handwerk entgegen sieht.

 

Mit dem Slogan „Ja zum Meister“ strebt die Handwerkskammer mehr als nur den Erhalt der regulierten Berufe an. Die duale Ausbildung stellt ein Instrument zum Auffangen der Überakademisierung dar, bietet aber auch eine Antwort zu aktuellen Problematiken wie Fachkräftemangel und Flüchtlingsintegration. „Im Handwerk bleiben jährlich Tausende von Ausbildungsplätzen frei, dabei bieten diese Berufe automatisch besondere Möglichkeiten wie die Förderung individueller Talente und Wertevermittlung“, machte Ehinger deutlich.

 

Das merkt man auch in der Flüchtlingsdebatte. Während sich die Politik noch mitten im Entscheidungsprozess befindet, hat das Handwerk bereits mit der Integration begonnen. Mit einer Mischung aus Sprachunterricht und Handwerkskursen lässt man Flüchtlinge am gesellschaftlichen Leben teilhaben. „Nicht nur Flüchtlingen oder Fachkräften aus dem Ausland bietet das Handwerk eine Chance. Das Handwerk leistet einen immensen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Beitrag!“, schließt Ehinger seinen Vortrag.