29. Oktober 2012
Der Umbau der Energieversorgung ist kein Sprint, sondern ein Marathonlauf!
Die industrielle Wertschöpfung darf nicht auf der Strecke bleiben
Ulrich Schatz, Sprecher der Sektion Rems-Murr, begrüßte die Teilnehmer der Politischen Mittagsrunde und ehrte den Bundestagsabgeordneten Dr. Joachim Pfeiffer MdB für 20 Jahre Mitgliedschaft im Wirtschaftsrat.
Ulrich Schatz, Sprecher der Sektion Rems-Murr (Foto: Wirtschaftsrat)

„Der Umbau der Energieversorgung ist etwas, mit dem man sich intensiv beschäftigen muss“, so Dr. Joachim Pfeiffer MdB. Unsere Energiewende basiert auf dem Energiekonzept 2010 und dem Kyoto-Protokoll. Ziele wie die Dekarbonisierung der Energie, die Reduktion von Treibhausgasen bis zu 40 Prozent und der Ausbau der Anteile erneuerbarer Energien an der Stromproduktion sind in diesem Energiekonzept enthalten. Um sie zu erreichen, gibt es drei zentrale energiepolitische Herausforderungen, die bewältigt werden müssen:

 

  • Der fossile Anteil der Energie ist immer noch zu hoch.
  • Die Energieeffizienz aller Sektoren - Strom, Wärme, Mobilität - muss gesteigert werden. Hier liegt das Problem in der mangelnden Transparenz:  „Die meisten Unternehmen wissen nicht einmal, wie viel Energie sie im Gebäudebereich verbrauchen“, so Dr. Joachim Pfeiffer MdB.
  • Ein großer Netz- und Speicherausbau muss folgen. Derzeit ist Deutschland das Haupttransitland für Energie. Um das zu erhalten, muss die Infrastruktur ausgebaut werden. Bis 2020 müssen dafür 70 Milliarden  Euro ausgegeben werden um 200.000 km neue Netze im Verteilbereich zu erschaffen. „Wir haben bezüglich der Speicher immer noch zu wenige technische Möglichkeiten.“
  • Die Netzstabilität muss gesichert sein. „Deutschland ist laut Statistik einer der Besten was die Netzstabilität betrifft. Das liegt aber auch daran, dass Störungen unter drei Minuten nicht für die Statistik registriert werden.“

Das wichtigste Thema der Mittagsrunde war die Rolle der Energie für die Industrie. „Die Energie ist der zentrale Pfeiler der Industriewirtschaft.“ Dr. Joachim Pfeiffer sprach die Gefahr der schleichenden Dezentralisierung an.  20 Prozent des Energieverbrauchs geht derzeit  in die energieintensive Industrie - Chemie, Papierherstellung, Aluminiumproduktion. Oftmals werden sie dafür als negativ angesehen, doch Dr. Joachim Pfeiffer MdB warnt davor: Die energieintensive Industrie ist ein großer Impulsgeber in der Wertschöpfungskette und es gelte  unbedingt zu verhindern, dass sie Deutschland verlässt und Standorte im Ausland aufbaut.

 

Eine schleichende Dezentralisierung könnte auch in Folge zu hohen Strompreisen eintreffen. Die Industriestrompreise sind zwar in Deutschland kaum gestiegen, doch im Ausland sind sie deutlich niedriger: In den USA liegen die Strompreise bei der Hälfte. Das senkt die Attraktivität Deutschlands als Industriestandort. „Ohne die EEG-Umlagen müssten die Unternehmen zum Teil höhere Strompreise zahlen, als sie Gewinn machen. Das macht Deutschland wettbewerbsunfähig.“

 

„Das große Problem der Energiewende ist die mangelnde Koordination der Maßnahmen. Die Bundesländer arbeiten hier nicht zusammen: Jeder hat sein eigenes Konzept und seine eigenen Ziele, die von den Dimensionen her, nicht zusammen passen. Das führt zu Ineffizienz und Mehrkosten. Hier benötigen wir mehr Zusammenarbeit und Koordination!“, fordert Dr. Joachim Pfeiffer MdB. „Meine Forderungen sind daher: Mehr Markt und mehr Europa! Die Energiewende darf nicht zu Lasten des Industriestandorts Deutschland gehen. Wir müssen die Kräfte in Europa bündeln, um eine erfolgreiche Energiewende zu erreichen.“

 

Im Anschluss des Vortrags appellierte Ulrich Schatz an die Teilnehmer: „Die Industrie muss erhalten bleiben! Wir dürfen uns nicht gegeneinander ausspielen lassen!“

Dr. Joachim Pfeiffer MdB (Foto: Wirtschaftsrat)