15. November 2011
Der Wirtschaftsrat zu Gast bei der Traditionsfirma Trautwein in Schiltach
Die Chefin: „Wir hatten die Leidenschaft. Wir wollten tun“
Bei der Betriebsbesichtigung und der Unternehmensvorstellung des Familienunternehmens Trautwein in Schiltach erlebten die Mitglieder und Freunde des Wirtschaftsrates einen Betrieb, bei dem Tradition und Moderne kein Gegensatz sind, sondern ein modernes, zukunftsweisendes Konzept.
Foto: Wirtschaftsrat

Schiltach. Worauf es in diesen Zeiten der Krisen rund um Euro, Verschuldung und Globalisierung ankommt, fragen sich viele. Die passgenaue Antwort auf diese Herausforderungen erhielten die Teilnehmer des Besuchs bei der Traditionsfirma Trautwein in Schiltach. Der Wirtschaftsrat, der sich dem Erbe Ludwig Erhards und den Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft verpflichtet weiß, erlebte im Gespräch und bei der Präsentation sowohl der Gerberei, als auch dem hochwertigen und breiten Angebot an Bekleidung von Leder über Mode bis zur Tracht, wie es gelingen kann, dass ein vor 350 Jahren gegründetes Unternehmen sich nicht nur behaupten, sondern mit seinem guten, weit bekannten Namen auf dem Markt bestehen kann.

Allein schon die Tatsache, dass drei Trautwein-Generationen bei der Veranstaltung Stolz dem Wirtschaftsrat der Sektion Rottweil/Tuttlingen ihr Haus präsentierten – und wie sie es taten – zeigte, dass wohl nur ein Familienunternehmen, „eines der bedeutendsten Geschlechter in der Stadt“, zu leisten imstande ist, was hier in dieser langen Zeit entstanden ist und stets weiterentwickelt wird.

 

Auch bei der „nur angeheirateten Trautwein“, so Geschäftsführerin Adelheid Trautwein über sich selbst, war das Herzblut zu spüren, als sie einen historischen Abriss gab über den Anfang der Gerberei bis zur Gründung und zum stetigen Ausbau der Warenkollektion gab. Wie sie sich im Jahre 1967 nicht nur in ihren Mann, sondern auch in das Produkt Leder verliebte, „keine Ahnung vom Marketing hatte“, und wenn auch manchmal das Rüstzeug fehlte, so sagte sie ganz entscheidende Sätze: „Wir hatten die Leidenschaft. Wir wollten tun. Wir waren neugierig auf Neues. Und machten alles mit großer Intensität.“ Auch wenn heute die Kinder sich oft mit mehr Planung an Neues heranwagen, wie sie sagte, so war bei allen Trautweins diese Leidenschaft zu spüren, von der die Senior-Chefin sprach.

Foto: Wirtschaftsrat

Und nur so ist es wohl möglich, beim Gerben Neues zu wagen, so die Spezialität des Schiltacher Unternehmens, die Sämischgerbung: Dabei wird hauptsächlich der hochwertige Tran von französischen Atlantikdorschen eingesetzt. Dieser Tran jedoch verwandelt mit seinem hohen Jodanteil und ungesättigten Fettsäuren die Eiweißfasern in der Tierhaut in feinste Lederfasern.

 

Und nur durch den Zusammenhalt in der Familie, „die uns Kraft und Halt gibt, auch Toleranz und Liebe und das Miteinander von Jung und Alt ermöglicht“ ist es möglich, auf die neuen Herausforderungen durch die rasant anwachsende chinesische Konkurrenz zu reagieren, auf Schwankungen und Tiefs zu reagieren. Und jenseits der 14 Prozent Kaufkraft aus dem eigenen „Städtle“ Kunden von nah und fern für ihre Angebotspalette zu begeistern und auch bei der Werbung neue Wege einzuschlagen: all dies kann wohl nur dann gelingen, wenn die von Adelheid Trautwein beschriebenen und ihrer gesamten Familie bestätigten Voraussetzungen vorhanden sind.

 

Sektionssprecher Oliver Bloedorn bedankte sich für die Präsentation des Unternehmens und für den im Anschluss gereichten Imbiss, bei dem noch recht lange und intensiv über das Gehörte und Erlebte diskutiert wurde. Und dies alles mit der recht großen Gewissheit und Zuversicht, dass ein solches Unternehmen auch neue Stürme und Herausforderungen annehmen und bewältigen wird. Weil es, ganz im marktwirtschaftlichen Sinn, Freude macht sich zu behaupten und im Wettbewerb zu bestehen. Gerade auch in unsicheren Zeiten.