19. Juni 2020
Deutscher Energiealleingang als Gefahr für den Wohlstand
Wirtschaftsrat diskutiert über die Folgen der Energiewende – Vahrenholt: Ein sich anbahnendes Desaster

Der provokante These folgten klare Worte: In der Videokonferenz des Wirtschaftsrates Schleswig-Holstein mit über 30 Teilnehmern (Freitag, 19.06.2020) ließ Prof. Dr. Fritz Vahrenholt, Chemiker und Wissenschaftler, keine Zweifel aufkommen, warum für in die beschlossene und anstehende Energiewende für Deutschland in unlösbare Situation führt. „Den gesamten Energiebedarf unseres Landes von der Industrie über die Wärme bis hin zur Mobilität mit Wind und Solar zu bedienen, wird nicht funktionieren. Das ist ein sich anbahnendes Desaster“, so der Buchautor. Gefragt seien neben Lösungen für Speichertechniken für die volatile erneuerbaren Energien vor allem die kosteneffiziente Herstellung und Weiterentwicklung der Nutzungsmöglichkeiten von Wasserstoff.

 

 

China: Jedes Jahr kommt ein Deutschland dazu 

Deutschland habe bereits heute die höchsten Energiepreise. Vahrenholt ist überzeugt: „Es ist weder dem Klima noch unserer Gesellschaft gedient, wenn wir durch einen Alleingang Deutschlands Industrie, deren Wertschöpfung und deren Arbeitsplätze verlieren und die Produkte im Ausland mit höheren CO2 Emissionen erzeugt werden.“ Ausschließlich auf Wind- und Solarenergie zu setzen, funktioniere nicht und gefährde den Wohlstand, ist der frühere Umweltsenator Hamburgs und Vorstand Shell AG überzeugt. Mit seinen Erfahrungen aus Wissenschaft und Wirtschaft im Bereich Energie fordert er die Politik zum Umdenken auf und den derzeitigen deutschen Alleingang zu beenden. „Wir machen nur zwei Prozent der weltweiten Emissionen aus. Während wir hier mit viel Anstrengungen auf die Hälfte reduzieren, wächst in China die Emission jedes Jahr um ein neues Deutschland heran.“

 

 

Mehr Möglichkeiten als Wind und Sonne 

Der Sozialdemokrat ist überzeugt: „Natürlich müssen wir CO2-Ausstoss weltweit reduzieren, möglichst ab 2050 um die Hälfte weltweit, aber nicht nur mit dem jetzt beschlossenen Weg.“ Aus seiner Sicht müssten die Möglichkeiten der CO2-freien Kohlekraftwerke mit der sogenannten CCS–Technik („Die hatten wir, wurde aber verboten und nach Kanada verkauft“) vorangetrieben, der Betrieb von Gaskraftwerken und später mit CO2-frei erzeugtem Methan ermöglicht, sichere Kernkraftwerke ohne langlebige Rückstände (Dual Fluid Reaktoren) und Fusionsreaktoren weiter erforscht, synthetische Kraftstoffe entwickelt und zum Einsatz kommen und ein großes Aufforstungsprogramm mit Bäumen erfolgen. „Weltweit eine Billion neue Bäume würden die Co2-Last um ein Viertel reduzieren. Das führt nicht ansatzweise zu den erhöhten Kosten, für die die regenerativen Energien verantwortlich sind“, so Vahrenholt. Insgesamt werde die Welt aktuell grüner denn je. „Die Photosynthese habe weltweit um 30 Prozent zugenommen.“

 

Im Zyklus eine moderne Warmzeit

Seiner Ansicht nach gebe die klimatische Entwicklung „uns auch die Zeit, diese globale Aufgabe in diesem Jahrhundert zu bewältigen.“ Er widersprach sehr klar der Ansicht, dass es die Treibhausgase seien, die für einen Temperaturanstieg auf der Erde ausschließlich verantwortlich sind. „Es gibt in der Weltgeschichte Zyklen mit Warm- und Kaltperioden. Immer dann, wenn die solare Strahlungsintensität hoch war, hatten wir eine warme Periode, so wie zuletzt in der mittelalterlichen Warmzeit.“ Aktuell „sind wird in einer modernen Warmzeit, die Sonne hat die stärkste Aktivität der letzten 10.000 Jahre“.

 

Mehr Speichertechnik statt teurer Abfallstrom 

Vahrenholt spricht sich dafür aus, mit einem Mix der Möglichkeiten breit aufgestellte Lösungen für den Energiebedarf Deutschland in den nächsten Jahrzehnten zu finden. Erforderlich sei es dabei, Lösungen für die Speicherung der erneuerbaren Energien zu finden. Es müsse gelingen, dass „wir dadurch vermeiden, dass einerseits bei Wind- und Dunkelflauten ohne Sonne überbrückt werden können und andererseits es bei Spitzen nicht erforderlich ist, Windenergie als Abfallstrom in andere Länder gegen Zahlung von hohen Gebühren loszuwerden.“ Vahrenholt „Es muss weiterhin unser Ziel sein, energetisch autark zu werden, aber dabei müssen, anders als heute politisch beschlossen, alle Pfade zur Erzeugung CO2-freier Energie geprüft werden.“