15. Februar 2011
Deutschland im Aufwind
Unter dem Titel „Deutschland im Aufwind“, stellte Dr. Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, im Parkhotel in Bremen seine Studie zum Wirtschaftswachstum in Deutschland vor.
Foto: Wirtschaftsrat

Freude bereitete der einleitende Slogan seines Vortrages „ Deutschland hat es geschafft“. Durch die Sparmaßnahmen und Reformen, so Dr. Schmieding, habe Deutschland den Arbeitsmarkt wieder im Griff. Lohn dieser Mühen sei ein „Goldenes Jahrzehnt“ - begleitet von stärkerem Wachstum, weniger Arbeitslosen und einem soliden Staatshaushalt. Dies habe Deutschland für Unternehmen wieder zu einem attraktiven Investitionsstandort gemacht.

Dr. Schmieding beschrieb die Rolle Deutschlands als Wirtschaftsmotor Europas als wieder gefestigt. Als Beleg fügte er die deutsche Sparsamkeit an. Sie festige nach wie vor die Europäische Union als größten Binnenmarkt der Welt im Kielwasser der Schuldenkrise, entgegen der beeindruckenden Entwicklungen Chinas und der Konjunkturspritzen der US-Regierung. Die Sanierung des Staatshaushaltes in Deutschland durch strikte Ausgabendisziplin käme auch den Verbrauchern zu Gute, sagte der Chefvolkswirt. Weniger als in anderen westlichen Industrieländern müssten übermäßige Verschuldungen abgebaut werden.

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Der Blick auf das deutsche Wirtschaftswachstum werde von zwei Faktoren getrübt, sagte Dr. Schmieding. Da die Kurzzeitkonjunktur abhängig sei vom globalen Konjunktur- und Investitionszyklus, könne Deutschlands Wachstum kurzzeitig an Schwung einbüßen. Allerdings sei der langfristige Trend stabil. Zweitens wies der Chefvolkswirt auf die Notwendigkeit weiterer Reformen hin, um die neu gewonnene Dynamik auf Dauer zu sichern. Der derzeitige Trend zu Reformstillstand könne in einigen Jahren wieder zu einem Abstieg in der Wirtschaftskraft führen. Je länger es Deutschland gelinge seine Reformerfolge zu bewahren und weiter auszubauen, desto größer sei der Zeitraum, in dem die Wirtschaft wachsen könne, ist Dr. Schmieding überzeugt.

Deutschland hebe sich durch seine industrielle Stärke von anderen Ländern in Europa ab. Auf einem der stärksten reglementierten Arbeitsmärkten der Welt, seien die Unternehmen wettbewerbsfähig und die Industrie weltoffen und effizient.

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Auf die Frage „Lohnt es sich für Unternehmen, trotz des unflexiblen Arbeitsmarktes neue Mitarbeiter einzustellen?“, wies Dr. Schmieding auf die nach der Wiedervereinigung rasant angestiegenen Lohnkosten hin. Ende der 1990er avancierte Deutschland zu einem Nettoexporteur von Arbeitsplätzen und handelte sich den Beinamen „der kranke Mann Europas“ ein. Durch die Agenda 2010 habe es Deutschland geschafft, das Ruder herum zu reißen. Bis heute gehe die Arbeitslosigkeit spürbar zurück.

Desweiteren, erklärte der Chefvolkswirt, warum in einem reglementierten Arbeitsmarkt wie in Deutschland, Konjunkturprogramme nach hinten losgehen können: „Hierzulande heizen kurzfristige Konjunkturprogramme die Lohninflation an.“ Deren Folgen - Arbeitslosigkeit, sinkende Produktion und extreme Staatsdefizite - ließen sich nur schwer umkehren.

„Deutschlands Wachstum kommt auch den EU-Nachbarstaaten zu Gute, deren wichtigster Außenmarkt häufig unser Land darstellt“, sagte Dr. Schmieding. Dies sei der Beweis dafür, dass Länder auch innerhalb der Union schwerwiegende Ungleichgewichte ausgleichen könnten und jedes Land über sein eigenes Schicksal selbst bestimmen könne.