13. September 2012
"Deutschland ist der Stabilitätsanker in der Europäischen Union!"
Dr. Holger Schmieding zu Gast beim Wirtschaftsrat
Anlässlich einer Veranstaltung des Wirtschaftsrates in der Börse Hannover diskutierten rund 100 Unternehmer mit Dr. Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, über die Wege aus der Euro-Krise.
v.l.n.r.: Dr. Matthias Frederichs, Dr. Sandra Lüth, Staatssekretärin Cora-Jeanette Hermenau, Dr. Holger Schmieding, Helmuth Schäfer (Foto: Wirtschaftsrat)

Nach der Begrüßung durch Dr. Sandra Lüth, Mitglied des Vorstandes der Börse Hamburg & Börse Hannover, sowie einem Impuls Cora-Jeanette Hermenau, Staatssektretärin im Niedersächsischen Finanzministerium, über die Auswirkungen der Euro-Krise aus Sicht des Landes Niedersachsen, folgte der Vortrag von Chefvolkswirt Dr. Holger Schmieding. Der Finanzexperte wurde mehrfach unter die drei führenden Volkswirte in Europa gewählt und von der Financial Times Deutschland zuletzt zum „Prognostiker des Jahres“ ernannt.

„Die Finanzmärkte haben uns in diesem Jahr bereits die Chancen und die Risiken deutlich vor Augen geführt, in der Lage in der wir stecken. Nachdem es der Europäischen Zentralbank im Dezember 2011 gelungen war, die Eurokrise vorläufig einzugrenzen, konnten viele Märkte kräftig zulegen. Als Europa aber ab März das erneuerte Aufflackern der Eurokrise zugelassen hat, sind die europäischen Märkte wieder heftig eingebrochen, während die Flucht aus der Euro-Peripherie und aus anderen Risiko-Anlagen die Kurse für deutsche Bundesanleihen auf neue Rekorde geschraubt hat", so Dr. Schmieding.

"Die Euro-Krise kommt in Wellen. Auch wenn sich die Lage im weiteren Jahresverlauf wieder etwas entspannt, ist die Krise damit keineswegs vorüber", ist der Chefvolkswirt der Berenberg-Bank überzeugt. "Vermutlich wird es auch künftig weitere Wellen geben, deren Anlass und zeitlicher Verlauf sich vorab kaum erahnen lassen. Allerdings ist Europa dabei, seine Schutzdeiche gegen diese Wellen zu stärken. Deshalb erwarten wir, dass künftige Wellen jeweils weniger Schäden an Konjunktur und Finanzmärkten anrichten werden als die große Welle im vergangenen Herbst."

Da sich solche Wellen, so Dr. Schmieding, und die mit ihnen einhergehenden Schwankungen an Vermögensmärkten kaum vorhersagen lassen, seien auch Zeitpunktprognosen für Wertpapierpreise und andere Finanzmarktkurse mit besonderer Unsicherheit behaftet. Sofern die Welle der Eurokrise in den nächsten Monaten wieder abebbe, wie er erwarte, würden viele Finanzmärkte wieder an die Kurse herankommen können, die sie im Februar und März bereits erreicht hatten.

 

"Für den Fall, dass unser Risiko-Szenario eintritt, dürfte sich dagegen der seit März zu beobachtende Niedergang der Renditen für deutsche Bundesanleihen, der europäischen Aktienkurse und - in abgeschwächter Form – auch der Rückgang des Euro-Wechselkurses noch für einige Zeit fortsetzen", so Dr. Schmieding. "Dies halten wir für unwahrscheinlich, aber nicht für ausgeschlossen. In der Vergangenheit der Eurokrise steht der Ausblick ähnlich wie im vergangenen Dezember auf Messers Schneide.“