10. Oktober 2012
Deutschland ist Mittelstand
Sparkassenpräsident Grandke spricht vor dem Wirtschaftsrat Offenbach/Dieburg
Schon Aristoteles wusste: „Der Staat wird am besten verwaltet und regiert, in dem der Mittelstand am zahlreichsten ist.“ Gerhard Grandke, Geschäftsführender Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen weiß: „Deutschland ist Mittelstand. Er gibt Wirtschaft und Gesellschaft Struktur und Prägung“. Und Alexander Wilhelm, Sprecher der Sektion Offenbach/Dieburg im Wirtschaftsrat sagt: „Der Mittelstand ist der Fels in der Brandung der Wirtschaft.“

„Die deutsche Wirtschaft brummt, und auch uns Bürgern scheint es zurzeit richtig gut zu gehen“, sagte Grandke. Am Horizont zögen jedoch dunkle Wolken am Konjunkturhimmel auf. Damit meinte der Geschäftsführende Präsident der Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen die EU-Staatsschuldenkrise, „die weiter ungelöst ist und zu eskalieren droht.“ Zwar habe die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), künftig in unbegrenzter Höhe Anleihen von Schuldenstaaten aufzukaufen, die Finanzmärkte etwas beruhigt. „Ob diese Entspannung von Dauer sein wird, bleibt abzuwarten“, so der frühere Oberbürgermeister von Offenbach anlässlich einer von der Sektion Offenbach/Dieburg, der Landesfachkommission Mittelstand und der Landesfachkommission Finanzen organisierten Veranstaltung. Fest stehe dagegen heute schon, dass die Krise in Europa auch für die deutsche Konjunktur nicht folgenlos bleiben werde.

„Stark umwölkt“ präsentiere sich auch die Finanzindustrie, sagte Grandke weiter. So sei das Vertrauen in die Banken nur noch wenig bis gar nicht vorhanden. Der Banker stünde oftmals inzwischen als „Luftikus“ da. Selbst in der Wirtschaft sei das Unbehagen über die Banken mit Händen zu greifen. Grandke: „Diese Vorwürfe sind leider nicht ungerechtfertigt. Denn immer noch scheinen viele Finanzakteure nichts aus der Krise gelernt zu haben.“ So genannte Hochfrequenz-Händler, die dank ultraschneller Computer kleinste Preisunterschiede beim Kauf oder Verkauf von Wertpapieren ausnutzten, spielten eine unselige Rolle. „Sie verdienen Geld, egal, ob die Börsenkurse nach oben durch die Decke gehen, oder ins Bodenlose fallen.“ Viele Vertreter der Finanzbranche hätten offensichtlich vergessen, dass die Finanzmärkte keinen Selbstzweck darstellten, sondern ihnen in erster Linie eine dienende Rolle zukomme. „Die vornehmste Aufgabe der Finanzmärkte ist es, Kapital bereit zu stellen, um die Wirtschaft, vor allem den Mittelstand, am Laufen zu halten“, so Grandke.

Wie wichtig diese Aufgabe ist, habe die Krise gezeigt. „Es ist sicherlich nicht übertrieben, das noch immer gute konjunkturelle Klima hierzulande als Mittelstands-Aufschwung zu bezeichnen“, sagte Grandke. Der Mittelstand habe seine Hausaufgaben gemacht und etwa durch eine verbesserte Eigenkapitalausstattung seine Abwehrkräfte substanziell gestärkt.

Dabei hätten sich die Sparkassen als zuverlässige Partner erwiesen. Sie hätten entscheidend dazu beigetragen, „dass es bei uns keine Kreditklemme gegeben hat und auch heute nicht gibt.“ Auch für die Zukunft erwarte er diese nicht.

Eine weitere wesentliche Aufgabe sähen die Sparkassen in der Begleitung von Existenzgründungen. Jede zweite Gründung finde inzwischen Rat bei den Sparkassen. Auch bei der Unternehmensnachfolge – der demografische Wandel werde den Mittelstand in den nächsten Jahren fest im Griff haben - stünden die Sparkassen mit Rat und Tat zur Seite. Das gelte auch für die Rekrutierung von Nachwuchskräften.

Sorge bereitete Grandke das Thema Regulierung. Es zeichne sich immer mehr die Tendenz ab, in dieser Frage alle Banken unabhängig von ihrer Größe über einen Kamm zu scheren und damit unabhängig vom Verursacherprinzip für die Folgen haftbar zu machen. „Wenn das so kommt, werden darunter nicht nur die Sparkassen, sondern auch die Realwirtschaft und der Mittelstand leiden.“ Auch die Pläne der EU-Kommission, bei der EZB eine Europäische Bankenunion mit einer zentralen Aufsicht, einem zentralen Abwicklungsregime und einer gemeinsamen Einlagensicherung zu schaffen, „bereiten uns große Bauchschmerzen“.

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Wirtschaftsrat der CDU e.V. – Landesverband Hessen