25. April 2013
Die Belegschaft von morgen
Vortrag und Talkrunde: „Demografie Exzellenz in Stadt- und Unternehmensentwicklung“ in der K&U Bäckerei in Neuenburg
Die Belegschaft von morgen wird älter, weiblicher und bunter. Heißt: Die Firmen in Deutschland müssen sich stärker mit den Veränderungen befassen, die ihnen der demografische Wandel aufzwingt. In der Neuenburger Großbäckerei K&U trafen sich deshalb Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik auf Einladung der Wirtschaftsrats-Sektionen Freiburg-Emmendingen und Lörrach-Müllheim, um aufzuzeigen, welche Handlungsfelder besetzt werden müssen.
vlnr: Winfried Fletschinger, Dieter Branghofer, Patrick Rapp MdL, Prof. Dr. Frank O. Bayer, Günter Monjau, Prof. Dr. Uwe Schirmer und Rudolf Kast (Foto: Wirtschaftsrat)

Der Wirtschaftsrat fordert in diesem Zusammenhang gezielte Weiterbildungsmöglichkeiten und flexible Einsatzmöglichkeiten für ältere Beschäftigte in den Unternehmen. Nicht jeder Bürger kann noch mit Mitte 60 körperliche Schwerarbeit leisten, aber sicherlich in der Verwaltung oder im Vertrieb eines Handwerksbetriebs seine Erfahrung einbringen. Die Rente mit 69 kann in Zukunft kein Tabu mehr sein. Der Anstieg der Beschäftigungsquote der 55- bis 64-jährigen von 37 Prozent auf 57 Prozent in den vergangenen zehn Jahren zeigt: Die stärkere Einbindung älterer Bürger in das Erwerbsleben ist möglich.

 

Die Studie "Demografie Exzellenz - Herausforderungen im Personalmanagement" des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater BDU e.V. und der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Lörrach, zeigt, dass das Problembewusstsein insbesondere in mittelständischen Unternehmen nicht in ausreichendem Maße vorhanden ist, sagte Prof. Dr. Uwe Schirmer, Professor für Personalmanagement und Mitarbeiterführung an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Lörrach.

Vertriebsleiter Winfried Fletschinger führt die Mitglieder durch die Produktion in Neuenburg

Der „Demografie Exzellenz Award“ wurde im Jahr 2009 vom Forum Baden-Württemberg des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater BDU e.V. ins Leben gerufen. Mit dem Preis werden Unternehmen ausgezeichnet, die hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der demografieorientierten Unternehmenspolitik erbracht haben. Gesucht werden Leuchtturm-Projekte zur demografieorientierten Personal-, Produkt- und Dienstleistungspolitik.

 

Der Gastgeber der Veranstaltung, die K&U Bäckerei mit Sitz in Neuenburg, war im Jahr 2011 Preisträger in der Kategorie große Unternehmen (mehr als 250 Mitarbeiter) für ihr Projekt Senior-Ausbildung, Berufsschullehrgang für Senior-Azubis. K&U ist mit über 800 Filialen die größte Bäckerei im Südwesten Deutschlands. Winfried Fletschinger, Vertriebsleiter K&U Bäckerei, berichtete ferner von einer neuen Initiative, bei der ausländische Lehrlinge angeworben werden, denen die Firma inzwischen ein eigenes Wohnheim angemietet hat.

Dieter Branghofer, Teamleiter in der Stadtverwaltung Neuenburg, erzählte von der jüngsten „Zukunftswerkstatt“, bei der eine große Zahl von Bürgerinnen und Bürgern aus allen Altersschichten Ideen und Vorschläge eingebracht haben. Als wichtige Punkte seien dabei Mobilität, Pflegeplätze, ambulante Versorgung, Möglichkeiten für ehrenamtliche Betätigung und ein Seniorenrat genannt worden, was die Verwaltung künftig bei ihren Planungen und Projekten berücksichtigen werde. Desweiteren gebe es in der Stadt einen sich ständig vergrößernden Arbeitskreis Schule-Wirtschaft, in dem die Neuenburger Firmen mit den Schulen regelmäßig zusammenarbeiten.

Prof. Dr. Frank O. Bayer, Moderator der Talkrunde und Sprecher der Sektion Freiburg-Emmendingen, zeigte sich beeindruckt von den Initiativen der Stadt Neuenburg. CDU-Landtagsabgeordneter Patrick Rapp äußerte in der Talkrunde Skepsis gegenüber der grün-roten Bildungspolitik und sprach sich für ein differenzierteres Bildungssystem aus.Rudolf Kast vom Deutschen Demografie-Netzwerk brachte eine Förderung von Auszeiten für Mitarbeiter ins Gespräch, die auf diese Weise länger im Betrieb gehalten werden könnten. „Und wie ist das für kleinere Firmen zu machen?“, wollte ein Mitglied wissen. Hier verwies Kast auf die Möglichkeit, sich als kleine Firma mit anderen zusammenzutun, sie müssen sich stärker vernetzen.