12. März 2014
Die deutsche Wirtschaftsordnung 2030 - ist die Soziale Marktwirtschaft noch zukunftsfähig?
Diskussionsveranstaltung beim Jungen Wirtschaftsrat Hessen
„Konsequentes ordoliberales Denken“ versus „aktiven Staat“ - das waren die beiden unterschiedlichen Perspektiven aus denen die Zukunftsfähigkeit der Sozialen Marktwirtschaft im Rahmen einer Veranstaltung des Jungen Wirtschaftsrats Hessen jetzt in Frankfurt diskutiert wurde. Auf dem Podium standen sich Dr. Clemens Christmann, als Vertreter der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), und Frank Hermann, Geschäftsführer des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen, gegenüber und sorgten für eine abschnittsweise sehr konträre Diskussion.
v.l.n.r.: Dr. Alexander Bode; Frank Hermann; Dr. Clemens Christmann; Andreas Heinz (Foto: Wirtschaftsrat)

Während sich die Diskutanten darüber einig waren, dass die Soziale Marktwirtschaft die Grundlage für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft ist, skizzierten sie in ihren Eingangsstatements bereits völlig unterschiedliche Ansätze, vor allem für die Rolle des Staates. Christmann sieht den Staat als Schiedsrichter, der die Rahmenbedingungen vorgibt, die Regeln überwacht und lediglich in den rund fünf Prozent der Fällen eingreift, in denen ein Marktversagen vorliegt. Von dieser ursprünglichen Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft sei man im Jahr 2014 allerdings weit entfernt. Herrmann hingegen sieht die Wirtschaftsordnung in der richtigen Entwicklung hin zu einem aktiveren Staat, der seinen Bürgern Sicherheit gibt und damit einen stärkeren Wettbewerb um Qualität und nicht um Kosten ermöglicht. 

 

„Transparenz“ war das Schlagwort bei der Diskussion zur Eigenverantwortung des Bürgers. Herrmann fordert dazu einen Kulturwandel, in dem ein Scheitern akzeptiert ist und nicht verurteilt wird. Dazu zähle aber auch, dass der Bürger möglichst frei über die ihm zur Versorgung stehenden Ressourcen entscheiden kann, ergänzte Christmann. Im Kern ging es also wieder um die Frage: Schafft der Staat die Sicherheit, auf deren Basis die Bürger Eigenverantwortung entwickeln, oder gibt er seinen Bürgern größtmögliche Freiheit, eigenverantwortlich mit ihren Ressourcen umzugehen? 

 

Weniger kontrovers ging es zu den Themen Subventionen und Wohlstand zu. Die Erkenntnis, dass es notwendige Subventionen gibt, vor allem, wenn sie in Veränderungsprozesse investiert werden, wurde von den Diskutanten geteilt. Grundlage dafür sei ebenfalls wieder Transparenz vor allem über die Entscheidungsprozesse zur Vergabe staatlicher Förderleistungen. Das Handeln des Staats sollte in jedem Fall dazu dienen, den Wohlstand für seine Bürger zu mehren. Dies geht einher mit höherer Lebensqualität, aber auch mit Freiheit und Unabhängigkeit.

 

Der spannende Abend, unter der Moderation der beiden Vorstandsmitglieder Dr. Alexander Bode und Andreas Heinz, ermöglichte einen intensiven Austausch unterschiedlicher Positionen zur Zukunftsfähigkeit der Sozialen Marktwirtschaft. Für den Jungen Wirtschaftsrat war dies der Auftakt einer weitergehenden inhaltlichen Auseinandersetzung zu diesem Thema. Auf dieser Basis wollen die Mitglieder konkrete Handlungsempfehlungen für die Politik entwickeln, wie die Soziale Marktwirtschaft für künftige Generationen gestaltet werden sollte.