21. November 2012
Landesfachkommsission Energie und Umwelt
Die Energiewende acht Jahre vor 2020
Wo stehen wir heute? - Chancen und Risiken für Berlin-Brandenburg
Podiumsdiskussion mit Ralf Christoffers, Minister für Wirtschaft und Europaangelegenheiten des Landes Brandenburg, zum Stand der Umsetzung der Energiewende in der Region Brandenburg.
v.l.n.r.: Dr. Frank Golletz; Technischer Geschäftsführer, 50Hertz Transmission GmbH; Ralf Christoffers, Minister für Wirtschaft und Europaangelegenheiten des Landes Brandenburg; Werner Diwald, Vorstand Enertrag AG; Dr. Markus Wessel, Vorsitzender der Landesfachkommission Energie und Umwelt, Wirtschaftsrat Berlin-Brandenburg (Foto: Wirtschaftsrat)

Am 21.11.2012 wurde das Thema Energiewende mit Ralf Christoffers, MdL in den Räumen der Enertrag AG diskutiert. Dr. Markus Wessel, Vorsitzender der Landesfachkommission Energie und Umwelt des Wirtschaftsrates Berlin-Brandenburg begrüßte die Anwesenden und führte kurz in die Zielsetzung der Veranstaltung ein. Zuvor hatten die Mitglieder die Gelegenheit das Hybridkraftwerk zu besichtigen. Es wandelt volatile Windenergie in Wasserstoff um, der zur Strom- und Wärmeproduktion genutzt werden kann.

 

Als Zwischenergebnis für die Umsetzung der Energiewende in der Region können wir festhalten, dass diese Umsetzung noch besser durch eine umfassendere Beteiligung der mittelbar und unmittelbar betroffenen Bürger gelingen dürfte. Eine Bewältigung der durch die Energiewende gestellten Herausforderungen wird durch eine bundesweite und ganzheitliche Konzeption wesentlich erleichtert werden. Widerstände der Bevölkerung sind vor allem dort zu verzeichnen, wo einer unmittelbaren Betroffenheit eine fehlende Kompensation gegenüberstehe. Natur und Landschaft scheinen mehr Berücksichtigung zu finden als betroffene Menschen, so die einhellige Meinung der Anwesenden.

 

Werner Diwald, Vorstand der Enertrag AG, betonte, daß ENERTAG kein Versorger im klassischen Sinne sei, sondern sich eher als Kraftwerksbetreiber verstehe. Gleichwohl trage sein Unternehmen einen wesentlichen Teil zum Gelingen der Umsetzung der Energiewende in Brandenburg bei. Allen Skeptikern zum Trotz sei es realistisch, bis zum Jahr 2050 rund 80% des Strom aus Eneuerbaren Energien zu gewinnen. Gleichzeitig hob er auch die Chancen hervor, die sich aus diesem gesamtdeutschem Vorhaben für das Land Brandenburg ergeben. Mehr regionale Leistungsfähigkeit durch Stromexport, die Bereitsstellung zusätzlicher Arbeitsplätze sowie zusätzliche Steuereinnahmen für die Region, prognostizierte Diwald. Bisher exportiere Brandenburg nur ca. 50 Prozent des dort erzeugten Stroms. Mehr sei möglich und wünschenswert. Die Speichertechnologie des Hybridkrafztwerks ermögliche ein just-in-time Management für Strom aber auch für die Mobilität, wenn die netzseitigen Voraussetzungen geschaffen sein werden.

 

Minister Ralf Christoffers, MdL, identifizierte unter den Herausforderungen der Umsetzung der Energiewende ein zeitliches und ein geografisches Problem. Die Zeit sei knapp und der Strombedarf sei im Süden höher als im Norden, während die Stromproduktion sich dazu reziprok verhalte. Vor diesem Hintergrund hält der Minister die derzeit 16 verschiedenen  Energiekonzepte weder für belastbar noch für zielführend. Dies gilt nach seiner Auffassung auch für das gegenwärtige System zur Finanzierung der Energiewende, das nach Ansicht des Ministers aufgrund der mangelnden Transparenz nicht akzeptanzfähig ist. Überhaupt sind die Kosten für den Netzausbau weiterhin offen.

Trotz zahlreicher Kampagnen und der Einbindung einer großen Zahl von Akteuren blieb der Bürger bislang außen vor. Es bestehe daher die Notwendigkeit, auch die Bevölkerung über das Für und Wider der Energiewende weiter aufzuklären. Derzeit gäbe es unzählige Bürgerinitiativen in Brandenburg, die sich gegen Windparks richten. Die Aufklärung und Sensibilisierung für das Thema Energiewende muss daher zur Herzensangelegenheit der Politik werden, um bis 2020 die gesteckten Ziele zu erreichen. Das Landeswirtschaftsministerium in Brandenburg, betonte der Minister, leistet hierzu einen Beitrag. Auf zwei Internetplattformen versucht man die aufkommenden Fragen der Bevölkerung zu thematisieren. Mehr Akzeptanz in der Region schaffen, lautet das Credo des Ministers.

 

Das Land Brandenburg ist bereit, sich aktiv an der erfolgreichen Umsetzung der Energiewende zu beteiligen. Jedoch bleiben einige Fragen unbeantwortet:

  • Stichwort Kosten: Nach aktuellen Berechnungen des Ministeriums fehlen rund 2 Mrd. Euro für den Netzausbau.
  • Stichwort Energieverbrauch: Auf dem derzeitigen Energiemarkt ist Brandenburg schon jetzt zu 60 Prozent ein Energieexportland, weil das Land demnach mehr Strom herstellt, als es selbst verbraucht. Allein deshalb ist eine Einigung über den zielführenden Einsatz der Primär-Energie für alle Beteiligten zu befürworten.
  • Stichwort Europa: Es bestehe die Notwendigkeit, die Energiewende stärker als bisher in den europäischen Kontext einzubetten.

 

Dr. Frank Golletz; technischer Geschäftsführer 50Hertz Transmission GmbH, stellte den notwendigen Ausbau des Übertragungsnetzes insbesondere in Brandenburg vor und machte darauf aufmerksam, dass konsequenterweise die Energiewende mit Landschaftsverbrauch  und einer Steigerung der Netzkosten verbunden sein wird.

 

Den differenzierten Vorträgen folgte eine interessante und vielversprechende Diskussion, bei der neben der Frage, inwiefern die Energiewende eine europäische Herausforderung ist, auch die Konfliktbereiche Bürgerbeteiligung und rechtliche Rahmenbedingungen thematisiert wurden.