26. Juni 2018
Die ganze Wahrheit über Feinstaub & Co.
Perspektiven für die Mobilität
Wie gefährlich sind Feinstaub & Co. für die Gesundheit? Welche Perspektiven gibt es für den Diesel-Motor? Was ist technisch möglich? Und welche Öko- und Energiebilanzen weisen Elektrofahrzeuge aus? Diese und weitere Fragen wurden in der Sektion Esslingen/Göppingen mit Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutiert.
Clemens Klinke von der DEKRA SE im Interview mit unserem Mitgliedsunternehmen Regio TV (Foto: WR)

Nach der Begrüßung durch den Sektionssprecher der Sektion Esslingen-Göppingen, Wolfgang Hauser, wurde das Autohaus Entenmann durch Werner E. Entenmann vorgestellt. Otto Hauser, Ehrenvorsitzender der Sektion Esslingen/Göppingen und Moderator an diesem Abend, kritisierte die fehlende sachliche Betrachtung in der hitzigen Diskussion über Fahrverbote, Feinstaub etc. Dem wolle man im Rahmen dieser Veranstaltung entgegenwirken.


Den Anfang machte Clemens Klinke von der DEKRA SE, der zunächst einen Einblick in die Testverfahren, welcher sich die Automobile unterziehen müssen, gab. Hier seien besonders in den letzten Jahren immer bessere und realistischere Verfahren entstanden. 

Das RDE- Real Drive Emission Testverfahren liefere heutzutage das mit Abstand realistischste Bild des normalen Verkehrs.

Grundsätzlich stünden moderne Dieselfahrzeuge Benzinern in Nichts nach. Klinke hob besonders hervor, dass durch die Weiterentwicklung der Motortechnik in den vergangenen Jahren „eine enorme Reduzierung der Stickoxidwerte“ zu beobachten sei. Es sei sogar so, dass moderne Dieselfahrzeuge, bzw. Dieselmotoren der Euro 5 und Euro 6 Normen, die gleichen Abgaswerte einhalten wie Benziner. Ein Fahrverbot für dieselbetriebene Fahrzeuge sei folglich nicht rational zu erklären.

Prof. Dr. Matrin Hetzel, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses vom Roten Kreuz in Bad Cannstatt, kritisiert die zu emotionalen Debatten (Foto: WR)

Auch der Mediziner Prof. Martin Hetzel, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses vom Roten Kreuz in Bad Cannstatt, war der Meinung, dass die Debatte zu sehr emotional aufgeladen und ideologisiert sei. Dies hätte sogar zu „unseriösen Studien und methodologischen Unsinn“ geführt. Es gäbe keine seriöse Studie, welche die z.B. häufig genannten 47 000 Feinstaubtoten bestätigen könne. „Das ist reiner Populismus“, so Hetzel und er hoffe auf eine Rückkehr zur Sachlichkeit und vor allem zu einer wissenschaftliche Betrachtung.


 

Der Feinstaub am Neckartor entstamme gerade einmal zu sechs Prozent aus Motoren. Reifen-und Bremsenabrieb sei für ein Vielfaches mehr verantwortlich. Die Einsparung an Belastung durch Elektro-Fahrzeuge würde also nur sechs Prozent betragen. „Ketzerisch formuliert ist das Abgas eines Diesels-auf Feinstaub bezogen- sauberer als die Luft, die er ansaugt“, so Sören Bernhardt vom Institut für Kolbenmaschinen vom KIT.

Jürgen Pfeil (links) und Sören Bernhardt (rechts) vom Institut für Kolbenmaschinen vom KIT teilen ihre Expertise mit den anwesenden Mitgliedern (Foto: WR)

Anders sehe es allerdings beim Stickoxid aus. An der Verunreinigung hätte der Straßenverkehr mehr als 50 Prozent Anteil. Dies sei auch immer noch viel zu hoch, allerdings hätte sich auch hier in den letzten Jahren viel getan. Es sei also durchaus angebracht, das Problem viel gelassener anzugehen. Bernhardt und sein Kollege Jürgen Pfeil argumentierten außerdem, dass durch die Nutzung des vorhandenen Technologiepotentials die Stickoxidbelastung stark zurückgehen würde.  

 

 

Auch im Anschluss an die Vorträge bot das Thema bei Snacks und Getränken zahlreichen Gesprächs- und Diskussionsstoff.