02. Juni 2015
Mittagsveranstaltung der Sektion Segeberg im Feuerwehrmuseum in Norderstedt
Die Rote Liste - Entscheidungshilfe für Eingriffe in die Natur und Landschaft
„Diese Schleimschnecke bedroht 1.000 Arbeitsplätze!“ Die Schlagzeile der Bild-Zeitung zeigt, wie leicht mit Artenschutz Stimmung zu machen ist. Die Reaktion „Das kann doch nicht sein!“ ist die logische Folge, sachliche Argumente sind dann kaum noch tauglich im emotional aufgewühltem Klima.
v.l. Thomas Wälter vom Landesamt für Natur und Umwelt und Sektionssprecher Christian Sowada /Foto: Wirtschaftsrat

Für Thomas Wälter ist die Auseinandersetzung damit tägliches Geschäft. Wälter ist Leiter der Abteilung Naturschutz und Forst des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche
Räume des Landes Schleswig-Holstein, kurz LLUR genannt. Im Feuerwehrmuseum in Norderstedt gab er, auch stellvertretender Direktor der Einrichtung, auf Einladung des Wirtschaftsrates Schleswig-Holstein jetzt Tipps für Unternehmer zum Umgang mit dem Themengebiet Artenschutz.

 

Sein Thema: Die Rote Liste als Entscheidungs hilfe für Eingriffe in Natur und Landschaft - Grundlagen, Umsetzungen und Wirkungen. „Ich sehe es als meine Pflicht als  Landesbeschäftigter und Familienvater an, alles dafür zu tun, den künftigen Generationen
die natürlichen Ressourcen in Schleswig-Holstein als ihre Lebensgrundlage und zur Sicherung ihrer Lebensqualität zu erhalten, zu schützen und zu entwickeln“, so Wälter.

 

Das müsse nicht im Widerspruch zu den Zielen von Unternehmen stehen. Denn bei einer Planung mit Augenmaß könne mehr verwirklicht werden, als zunächst vermutet werde. Als Beispiel nannte der Diplom-Forstwirt die Erweiterung des Umspannwerkes Norderstedt.
„Hier ist planerisch alles perfekt gelaufen“, stellte er fest. Eine Erweiterung drohte nämlich an den dort ansässigen seltenen Kreuzkröten zu scheitern.


Die Planer waren allerdings umsichtig und schafften während des Planfeststellungsverfahrens entsprechende Ersatzflächen im Glasmoor und siedelten die Kröten um. Einer Erweiterung
des Werkes stand nun nichts mehr im Wege. Eine Klage des BUND scheiterte daraufhin, weil alle Kriterien erfüllt waren. „So hätte es auch bei der A20 in Höhe Bad Segeberg laufen können“, so
Wälter. Das sei ein Beispiel, wie man nicht mit dem Thema umgehen sollte.

 

„Einfach zu sagen, die Tiere fliegen irgendwo hin, das reicht nicht.“ Die Roten Listen basieren auf wissenschaftlichen Aussagen. Die Ergebnisse müssen überprüfbar sein und vor allem gerichtsfest. Bis 1993 war der Aufbau des Naturschutzrechts noch ohne Berücksichtigung des Artenschutzes, danach bis 2002 wurde dieser nur dann berücksichtigt, wenn Tiere und Pflanzen
absichtlich beeinträchtigt wurden. Erst 2002 verklagte die EU die Bundesrepublik auf korrekte Umsetzung.


Je schneller die Planer auf das Landesamt zugehen würden, desto besser sei das spätere Ergebnis, so Wälter. Ein großer Vorteil der Roten Listen sei, daß sie als fachlich anerkannte neutrale Gutachten und frei von politischem Einfluß erarbeitet würden. Ein Vorteil, den
auch Christian Sowada, Sektionssprecher Bad Segeberg des Wirtschaftsrates, sieht. Die Ziele der schleswig-holsteinischen Unternehmer stünden nicht im Widerspruch dazu. Im Gegenteil: „Die mittelständischen Unternehmen, meist eigentümergeführt, sind es gewohnt, in Generationen zu denken“, so Sowada. So decke sich deren Einstellung mit Wälters Statement zum Schutz der natürlichen Ressourcen im Lande. /KP

Kontakt
Dr. Bertram Zitscher
Landesgeschäftsführer
Wirtschaftsrat der CDU e.V. Landesverband Schleswig-Holstein
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