10. Februar 2015
Die soziale Dimension der Energiewende - Bleibt sie für Bürger in Kiel bezahlbar?
Veranstaltung der Sektion Kiel mit Dr. Jörg Teupen
Der Vorstand Technik und Personal der Stadtwerke Kiel Dr. Jörg Teupen machte vor der Sektion Kiel des Wirtschaftsrates schnell deutlich, daß die Energiewende in Kiel ebenso wie in anderen Landesteilen vor allem zu Lasten mittlerer und unterer Einkommensschichten gehen wird.
Dr. Jörg Teupen, Vorstand Technik u. Personal Stadtwerke Kiel AG / Foto: Wirtschaftsrat

„Wer Geld hat, kann die neuen Möglichkeiten der Energiewende zu seinen Gunsten nutzen und durch Investitionen langfristig sparen“, so Teupen. Wer hingegen nicht in die Zukunft investieren könne, der zahle die Zeche für alle. Als Grund dafür nannte Teupen die stetig steigenden Umlagekosten für das EEG.

Energiekosten steigen für den Verbraucher stetig, und an der Börse fallen die Kurse für Strom. Der Grund für diesen Widerspruch: Die Energiewende wird in Deutschland über die EEG-Umlage finanziert. Und diese steigt, je mehr erneuerbare Energien in die Gesamtrechnung mit einfließen. Bei dieser laufen die Grundkosten mit ein, und die sind bei den herkömmlichen Energien wie Kohle oder Atomkraft sehr hoch, bei Strom und Sonne gering. Das Problem: Die Energiegewinnung ist großen Schwankungen unterworfen. Kein Wind, keine Energie. Keine Sonne, keine Energie.

Aus diesem Grund müsse ein aufwändiges Reservesystem vorgehalten werden. Zurzeit geschehe dies durch den vermehrten Einsatz von Kohlekraftwerken mit dem Nachteil, daß die CO2-Emission wieder steige, nachdem Atomkraft für Energieerzeugung nicht mehr zur Verfügung stehe, so Teupen. Sollte das Reservenetz zukünftig über erneuerbare Energieträger wie beispielsweise große Wasserspeicher funktionieren, würden Investitionen in bisher nicht gekanntem Ausmaß notwendig sein. Doch nur Wasser, Wind und Deponiegase seien überhaupt sinnvolle Energieschöpfungen, während Geothermie und Photovoltaik jenseits des finanziell Sinnvollen liegen würden.

Was tun also? Dr. Teupen gibt einige Ideen:

1.Die Kosten der CO2-Zertifikate müssen zulegen, damit sie nicht im bisherigen Maße gehandelt werden können und eine intensive Entwicklung der erneuerbaren Energien verhindern.

2.Der Ausbau der erneuerbaren Energien muß marktwirtschaftlich gestaltet werden: Auktionsmodelle sind gefragt statt einer garantierten Einspeisevergütung wie bisher (die für stete Verteuerung sorgt).

3.Den Fokus auf Windenergie legen. Das Umlagesystem sollte verbreitert werden, damit sich nicht der „wohlhabende Eigenheimbesitzer“ aus dem System ausklinken kann. Und: Die Umsatzsteuervorteile des Staates sollten an den Endkunden zurückgegeben werden.

Die meisten dieser Punkte seien allerdings noch ungelöst, so Teupen. Deutschland als Ingenieursland sei gefragt und müsse eine Blaupause schaffen, die so geschaffen sei, daß andere und vor allem größere Länder in der Welt den wirtschaftlichen Sinn des Einsatzes erneuerbaren Energien erkennen könnten. Solange das nicht geschehe, mache die Alleinstellung Deutschlands im Bereich erneuerbaren Energien für das Weltklima wenig Sinn.

Immerhin: Im Gegensatz zur Atomkraft ist der Einsatz erneuerbarer Energien gesellschaftlich akzeptiert. Darauf lasse sich aufbauen. Nun müsse noch die Ökologie mit der Ökonomie in Einklang gebracht werden. Dafür gibt es noch viel zu tun. kp

Kontakt
Dr. Bertram Zitscher
Landesgeschäftsführer
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