02. April 2012
„Die Treppe wird von oben gekehrt“
Dr. Christine Hohmann-Dennhardt, erste Frau im Vorstand der Daimler AG, spricht vor dem Wirtschaftsrat zu ihrem Kernthema Integrität und Recht.
„Integrität ist ein Generationenthema basierend auf sehr alten Werten, die auch begründet sind in unserer christlichen Tradition. Heute zählen nicht nur physical assets, auch moralische Werte sind eine Unternehmensressource.“, stimmte Dr. Michael W. Müller, Sprecher der Sektion Nürtingen/Kirchheim/Filder, die Mitglieder und Gäste des Wirtschaftsrates auf den Abend ein.
v.l.n.r: Dr. Christine Hohmann-Dennhardt, Frank-Michael Wohlhaupter

Gastgeber war die Wohlhaupter GmbH Präzisionswerkzeuge, „einer der Hidden Champions, die es so zahlreich in Baden-Württemberg gibt.“ Das Unternehmen ist in dritter Generation familiengeführt und hat 2003 den Innovationspreis des Landkreises Esslingen erhalten.

 

Studien zu Folge geben 70 Prozent der Verbraucher an, auf einen Artikel zu verzichten, wenn sie ein Unternehmen nicht für sympathisch halten. Dieser Vertrauensverlust fügt einem Unternehmen beträchtlichen Schaden zu, das Vertrauen zurückzugewinnen bedarf großer Anstrengung. „Die Unternehmensreputation ist dem Verbraucher ebenso wichtig wie die Markenreputation“, führte Dr. Christine Hohmann-Dennhardt, Mitglied des Vorstands der Daimler AG aus. Integrität als Basis für nachhaltigen Unternehmenserfolg sei daher für Daimler von zentraler Bedeutung. Um das Bewusstsein für diesen Unternehmenswert bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schärfen, finde konzernweit ein hierarchie- und standortübergreifender Dialog statt, der im Unternehmen sehr gut ankomme.

Neben diesem notwendigen Bewusstseinswandel unterstrich Dr. Hohmann-Dennhardt auch die Bedeutung eines gut funktionierenden Regel- und Compliance-Systems. So hätte der Konzern parallel auch die entsprechenden Prozesse weiter verbessert. Daimler hat unter anderem sein Hinweisgebersystem BPO überarbeitet und um einen unternehmensexternen neutralen Mittler ergänzt, der Hinweise entgegennimmt und auf Wunsch anonym weiterleitet. Im Hinblick auf die  sanktionierenden Maßnahmen sei es wichtig, stets den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu berücksichtigen.

 

Die Daimler AG ist Gründungsmitglied des „Global Compact“ und will in Sachen Integrität und Compliance Vorreiter sein. „Es geht darum, nicht nur zu predigen, sondern auch zu handeln. Das gilt für alle Ebenen im Unternehmen. Die Treppe wird von oben gekehrt, wie

man im Schwäbischen sagt“, so die frühere Bundesverfassungsrichterin. „Wertegemeinschaften sind auf Dauer auch die besseren Wertschöpfungsgemeinschaften.“

Dr. Michael W. Müller, Sprecher der Sektion Nürtingen/Kirchheim/Filder

Dr. Michael W. Müller freute sich über die gut besuchte Veranstaltung zu einem Thema, das in Zukunft neben den Themen Finanzkraft und Innovation zu einem der Megathemen werden wird, und appellierte an die Teilnehmer: „Ich kann Sie nur dazu auffordern, sich mit dem Thema

intensiv auseinander zu setzen, es im Unternehmen zu institutionalisieren und zu

operationalisieren."