24. April 2012
Königstein
Die unterschätzte Gefahr der Piraterie für den deutschen Seehandel
Diskussionsrunde der Sektion Taunus
„Schutz deutscher Handelswege – Der Kampf gegen Piraterie“ – zu diesem Thema hatte die Sektion Taunus in die Villa Rothschild Kempinski in Königstein eingeladen.

Das International Maritime Bureau (IMB) verzeichnete im Jahr 2011 weltweit über 400 Piratenangriffe auf Handelsschiffe. Bereits im ersten Quartal 2012 wurden knapp 90 Angriffe von Piraten registriert. Die Region um Somalia und den Golf von Aden bildet dabei den Schwerpunkt der Angriffe, ist zugleich aber auch eine der wichtigsten Handelsrouten.

 

Mit diesen erschreckenden Zahlen eröffnete das Vorstandsmitglied der Sektion Taunus, Dr. Werner Templin, seinen Vortrag zum Thema „Schutz deutscher Handelswege – Der Kampf gegen Piraterie“ und hatte sofort die Aufmerksamkeit der 25 Teilnehmer gefesselt. Der Referent, der sich als Experte auch beruflich mit diesem Thema beschäftigt, berät Unternehmen bei der personellen sowie organisatorischen Absicherung ihrer Firmen, wenn diese Filialniederlassungen in gefährdeten Regionen eröffnen wollen.

Veranstaltungsabend zum Thema "Schutz deutscher Handelswege – Der Kampf gegen Piraterie" mit Dr. Werner Templin in der Villa Rothschild Kempinski in Königstein. (Foto: Wirtschaftsrat)

Die Teilnehmer waren sich einig: Das Thema „Piraterie“ wird von der deutschen Politik noch sehr stark unterschätzt und zum Teil leider auch missachtet, obwohl Deutschland die weltweit drittgrößte Handelsflotte besitzt und 95 Prozent des deutschen Handels per Seeweg geschieht. Die Bundesregierung sieht keine große Bedrohung für deutsche Wirtschaftsinteressen. Aus diesem Grund besteht bis jetzt auch noch das Verbot, dass  Schiffe unter deutscher Flagge nicht mit Waffengewalt durch private Sicherheitsfirmen beschützt werden dürfen. Den deutschen Unternehmern bleibt nur, sich auf internationale Bemühungen, an der sich auch die deutsche Bundesregierung beteiligt, zu verlassen. Im Moment sind etwa 35 Schiffe aus 20 Ländern in solchen Missionen unterwegs. Jedoch sind diese Bemühungen aufgrund des sehr großen Seegebietes vergleichbar mit nur zwei Taxis zur gesamten Versorgung von Paris.

 

Mit einer regen Diskussion und der Schlussfolgerung, dass die deutsche sowie internationale Politik zu sanft in ihren Sanktionen gegenüber den Piraten ist, endete der Abend. „Die Unternehmer sind sich selbst überlassen und ihnen stehen nur wenige Maßnahmen zur Verfügung, um ihr Eigentum zu schützen“, sagte Dr. Templin. Private Sicherheitsdienste könnten nur mit Einschränkungen wirken und auf deutschen Schiffen frühestens Ende 2012 nach ggf. abgeschlossener deutscher Gesetzgebung eingesetzt werden.