28. November 2016
"Die Welt hat sich dramatisch verändert"
Jahresende – Zeit für Rück- und Ausblicke auf Wirtschaft, Konjunktur und Märkte. Hierzu lud die Sektion Darmstadt einen fachkundigen Experten des weltgrößten Vermögensverwalters ein. Dr. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie Deutschland, Österreich und Osteuropa bei BlackRock Investment Management (UK) Limited German Branch, teilte seine Einschätzungen zu künftigen Entwicklungen in der Welt.
Dr. Martin Lück über den europäischen Finanzmarkt (Foto: Wirtschaftsrat)

„Es war ein sehr bemerkenswertes Jahr. Gleich zu Beginn gab es Rückschläge: Der Einbruch Chinas, der Ölpreisverfall und nun die US-Wahl. Die Frage ist, ob der Brexit und Trump zu Game Changern werden.“, so Dr. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie Deutschland, Österreich und Osteuropa bei BlackRock Investment Management (UK) Limited German Branch. Die momentane Unsicherheit sorge für zögerliches Verhalten vieler Unternehmen. Falls Trump seine Vorhaben wie geplant umsetze, erwarte man in den USA für das kommende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 2,5 %. Das prognostizierte Wachstum für die EU wird mit 1,5 % etwas schwächer eingeschätzt, als im aktuellen Jahr. Dies hänge mit der Inflation und einem Konsumrückgang zusammen.

 

Hieran ist laut Meinung des Experten die Europäische Zentralbank nicht unschuldig. „Die EZB verschärft die Situation. Ihre Politik ist fragwürdig. Konsumenten werden gezwungen zu sparen, Pensionsrückstellungen senken die Eigenkapitalquote und für die Banken sind die negativen Einlagezinsen gefährlich und schaden der Kreditschöpfung.“

Die Mitglieder der Sektion Darmstadt im Dialog mit Dr. Martin Lück (Foto: Wirtschaftsrat)

Der Anteil der Schwellen- und Entwicklungsländer am globalen Wirtschaftswachstum sei deutlich gestiegen. So tragen die Nichtmitgliedstaaten der OECD-Zone mittlerweile 44 % zum Wachstum bei. „Die Welt hat sich dramatisch verändert. Es kann uns nicht völlig egal sein, wo das Wachstum herkommt“, mahnte Dr. Lück. Er gab zu bedenken, dass der Erfolg trotzdem Unsicherheiten mit sich bringt und politische Risiken unberechenbar bleiben.

 

Abschließend kam Dr. Lück auf den Frust der Bürger und den auflebenden Rechtspopulismus in Deutschland und der Welt zu sprechen. Zwar seien die Löhne in den letzten Jahrzehnten in den meisten Branchen anhaltend gestiegen, doch mangele es an einer gerechten Verteilung. Dies sei mittlerweile sehr wohl auch den Eliten bewusst. „Eine offene, pluralistische Gesellschaft kann ein solches Maß an Umverteilung nicht auf Dauer ertragen. Die Mitte muss gestärkt werden“, appellierte Dr. Lück abschließend.

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Landesgeschäftsführer
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