29. März 2016
Landesfachkommission Internet & Digitale Wirtschaft
Digitale Aggression für ein besseres Business
Zu diesem zukunftsweisenden Thema sprach Prof. Peter Wippermann, Trendforscher und Professor für Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität, bei der Landesfachkommission Internet & Digitale Wirtschaft. De
Peter Wippermann, Trendforscher und Professor für Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität der Künste in Essen (Foto: Wirtschaftsrat)

Zu Beginn des Vortrags skizzierte Wippermann das Idealbild einer vereinten kulturellen, technologischen und ökonomischen Umwelt, das zugleich das Leitmotiv der Globalisierung widerspiegelt. Demgegenüber machte er deutlich, dass es mittlerweile, bedingt durch die digitale Transformation, eine „zweite“ Wirklichkeit gibt.  Hier sind Technologie und Ökonomie eng miteinander verzahnte Bereiche und schließen die kulturelle Konnektivität aus. Diese Separation bietet Gelegenheit, neue Geschäftsfelder zu erschließen und komparative Konkurrenzvorteile auszubauen. Dass einer polarisierenden und ausdifferenzierten kulturellen Umwelt dennoch eine Schlüsselrolle zukommen muss, ist zurückzuführen auf eine Netzgesellschaft, die von Individualität definiert wird. Die technologische Konnektivität beeinflusst die Akzeptanz am Markt und wird somit zu einem Indikator an dem sich auch die kulturelle Konnektivität, sprich die Netzgesellschaft, messen lassen kann.

 

Firmen wie Tesla und Amazon sind zwei prominente Beispiele, die über ihr gesamtheitliches Konzept den Begriff „Branche“ aufgebrochen haben und über die Schaffung eigener Netzwerke eine neue Stabilität, auch im Hinblick auf die Marktposition, erlangt haben.

 

Wippermann betonte, dass in der politischen Diskussion der Grundsatz „Akzeptanz zur Veränderung“ nicht außer Acht gelassen werden dürfe. Die Beschleunigung der Datenverarbeitung wirft die Frage auf, wem die stark umkämpfte Datenhoheit zusteht und dadurch das Privileg zu Teil wird, Daten schnell zu verwerten und Nutzen daraus zu ziehen. Durch eine Veränderung des Rechtssystems kann dieser Umstand langfristig zu einem Standort- und Wettbewerbsvorteil für Deutschland werden, dessen Kern die Privatsphäre als handelsfähige Ressource bildet.

 

Im Weiteren ging es um das enorme Potential, das neue Medientechnologien bieten. Als Beispiel lässt sich die Verbindung zwischen dem Online-Vermittlungsdienst für Fahrdienstleistungen Uber und dem Musikstreaming-Dienst Spotify anführen. Eine recht unbedeutende Taxifahrt wird durch die  unmittelbare Spotify-Integration in der Uber App zu einem individuellen Erlebnis, da mit Fahrtantritt die Lieblingsmusik des Gastes eingestellt werden kann.

 

Zukünftig wird im Zuge der Digitalisierung von Prozessen der Faktor Zeit den Wettbewerbsvorteil des optimalen Preis-Leistungsverhältnisses ablösen, erläuterte Wippermann. Es gilt nun, die Perspektiven der Echtzeit-Digitalisierung zu erkennen und zu nutzen. Projekte wie „Smart-City“ und der Fortschritt im autonomen Fahren basieren auf der frühzeitigen Verknüpfung von Konsument, Gerät und Infrastruktur und dem Nutzen entstehender Standardisierungspotentiale, die die Individualität zu einem massenhaft globalen Produkt werden lässt.

 

An den Vortrag schloss sich eine rege Diskussionsrunde an, die zu dem Fazit kam, dass es eine Verschiebung des Zugangs hin zu Konsumbedürfnissen gibt. Dadurch entstehen sowohl neue logistische Herausforderungen als auch neue Wertschöpfungspotentiale für die Wirtschaft.

 

Nicht zuletzt wurde die Frage nach der ethischen Verantwortung einer intelligenten Technologie aufgeworfen. Denn kognitive Systeme wie „IBM Watson“, die durch Interaktion lernen und so evidenzbasierte Entscheidungen treffen, werden das Denken und Handeln von Unternehmen in der Zukunft verändern. Die Antwort auf die Frage „Wie handele ich in Gefahrensituationen?“ wird damit auf eine vollkommen neue Ebene gestellt.

Kontakt
Christian Ströder
Referent für Wirtschaftspolitik
Wirtschaftsrat der CDU e.V. Landesverband Hamburg
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