19. Oktober 2016
Digitaltag der badischen Sektionen
Impulse aus der Praxis für die Praxis
Der Digitaltag der badischen Sektionen stand als Forum für Austausch und Impulse rund um die Digitalisierung: Wie werden die Unternehmen und Organisationen der Zukunft aussehen? Wie verändern sich Zielgruppen und Märkte? Wie sehen neue Geschäftsmodelle aus – wohin geht der Weg und wie sicher sind sie?
Jürgen Riedel: "Wir brauchen eine eigene digitale Identität" (Foto: Wirtschaftsrat)

Das Valley will Visionen

Markus Mey, Fotograf und Start-Up Unternehmer aus Berlin war mit 56 Jahren ältester Bewohner einer Tech-WG im Valley. In Deutschland sah er für seine Idee wenig Chancen auf Erfolg: „In Deutschland Visionen umzusetzen ist schwierig. Hier will man Business Pläne. Das Valley will Visionen.“ Gleichzeitig machte er klar, dass das Valley nicht für jeden der richtige Abenteuer-Spielplatz sei: „Wer nicht die Welt erobern will, muss nicht ins Valley.“

 

Digitalisierung: Unwort des Jahres

Diese digitale Identitätskrise thematisierte auch Jürgen Riedel, Vorstand bei Inventum in seinem Beitrag: „Wenn es die Flüchtlingskrise nicht gäbe, wäre Digitalisierung das Unwort des Jahres.“ Riedel forderte dazu auf, nicht immer ins Valley zu schielen. Deutschland brauche eine eigene digitale Identität um die Potenziale zu heben.

Torsten Sandgathe: "Digitalisierung 4.0 ist da. Ich frage mich aber: wo bleibt Führung 4.0?" (Foto: Wirtschaftsrat)

Arbeit und Führung digital

Bis zur Entwicklung dieser Identität liegt noch einiges an Arbeit vor den baden-württembergischen Unternehmen. Digital-Pionier Markus Besch und Torsten Sandgathe gaben Einblick in die Bereiche digitale Arbeit und Führung im digitalen Zeitalter.

 

Besch bescheinigte: „Kollaboration ist Zukunft, in Deutschland wird aber genau das verhindert.“ Zu groß seien die Barrieren nach wie vor. Oft seien Mitarbeiter im privaten Umfeld innovativer unterwegs als im geschäftlichen. „Für Azubis von heute, ist Outlook ein Fremdwort.“ Vielmehr, so Besch, gehe es um Barrierefreiheit. „Wir geben den Komfort derzeit an der Unternehmenspforte ab", das könne nicht die Zukunft sein, schließlich wolle sich ja keiner zurück entwickeln.

Pause: Zeit für Gespräche blieb auch (Foto: Wirtschaftsrat)

Bürokratie verhindert

Achim Gauss, Geschäftsführer der mittelständischen Zimmer Group aus der Ortenau bestätigte: „Die deutsche Bürokratie verhindert Vollgas-Fahrten.“ Innovation, so Gauss, sei im Bereich Digitalisierung momentan nur durch Einzellösungen und überdurchschnittliches Engagement möglich. Gleichzeitig warnte er vor zu großen Visionen und forderte auf, im Kleinen zu beginnen: „Auch wenn nur eines von zehn Bauteilen intelligent ist, ist das gelebte Digitalisierung und ihre Folgen.“

 

Fazit

Digitalisierung ist Chance – jedoch nur wenn Unternehmen individuelle Wege gehen, sich eine eigene, digitale Identität geben. Dazu Achim Gauss pragmatisch: „Digitalisierung ist spannend, dass die Welt sich dreht auch. Wichtig ist, dass Unternehmen die Chancen sehen und etwas draus machen.“