12. Juli 2017
Veranstaltung des Jungen Wirtschaftsrates im Hause der gestigon GmbH
Ein Agrar-Akzelerator für Schleswig-Holstein
Nachdem der Junge Wirtschaftsrat in seinen vorangegangenen Veranstaltungen bei erfolgreichen Gründern und den Förderinstitute Ideen zu den Erfolgsfaktoren für einen Gründerstandort eingeholt hatte, ging es abschließend um die Sicht der Investoren. Inzwischen hat der Kreis ein konkretes Konzept entwickelt, das zur Diskussion gestellt wurde.
Moritz von Grotthus (stehend) empfing den Jungen Wirtschaftsrat / Foto: Wirtschaftsrat

Als Diskussionspartner standen Moritz von Grotthus, Geschäftsführer der gastgebenden gestigon gmbH, sowie Norbert Basler, Aufsichtsratsvorsitzender BASLER AG, zur Verfügung. Beide haben selbst Unternehmen gegründet, für die im Wachstumsprozeß Investoren gefunden werden mußten, und sich auch selbst an weiteren Startups beteiligt. Das Konzept des Jungen Wirtschaftsrates, ein Agrar-Akzelerator für Schleswig-Holstein, präsentierte Olaf Birkner, der selbst bereits verschiedener Internetfirmen gegründet und verkauft hat und den Ansatz eines Agrar-Akzelerators, den Lars Osterhoff als Sprecher des Jungen Wirtschaftsrates vorgeschlagen hatte, begeistert aufgegriffen und in ein Konzept gegossen hat.

 

Die Argumente seien bestechend. Inkubatoren oder Akzeleratoren seien erfolgreiche Geburtsstätten oder Beschleuniger für Startups, die neben Beteiligungskapital ein Coaching bis zum Markteintritt von einem Team von Experten erhalten, das wiederum in eine Investoren und Mentoren-Netzwerk eingebettet sei. Das Instrument stamme aus Silicon Valley und habe sich in den letzten beiden Jahrzehnten rasant über die westliche Welt ausgebreitet. 150 Akzeleratoren gäbe es inzwischen in Deutschland, mehr als die Hälfte davon in Berlin, aber noch keines in Schleswig-Holstein und bisher auch noch keines für die Landwirtschaft.

Und gerade hier habe man eine schwer zu übertreffende Infrastruktur von Hochschul- und Forschungsinstituten anzubieten. Zudem hat Birkner den Fokus auf die Seewirtschaft, d.h. die Algen- und Fischzucht, erweitert, was Küstenländern vorbehalten sei. Daß die nächste große Innovationswelle in diesem Bereich erwartet werden kann, zeigten die Indikatoren aus den U.S.A., wo das Wagniskapital für diesen Bereich sich in den letzten fünf Jahren verdreißigfacht habe.

In der anschließenden Diskussion wurde die Szene der Marktführer bei den Akzeleratoren kritisch ausgeleuchtet, die inzwischen von marktmächtigen u.s.-amerikanischen Spielern beherrscht werde. Ein Akzelerator müsse so attraktiv sein, daß es im Wettbewerb die interessantesten Geschäftsideen anziehe. In Wien sei das scheinbar gelungen, jedenfalls konnte der dort im letzten Jahr gegründete Akzelerator Geschäftsideen aus 48 Ländern ernten. Entscheidend sei die Struktur der Investoren.

Der in Hamburg kürzlich gegründete Akzelerator für den Medienbereich habe mit DPA und Axel Springer marktführende Partner gewonnen. Birkner setzt auf einen Multi-Corporate-Ansatz, d.h. nicht nur auf zwei, sondern zehn Investoren, die aus unterschiedlichen Bereichen mit dem landwirtschaftlichen Sektor geschäftlich verbunden sind. Diese gelte es nun allerdings zu finden, denn der Markt schlafe nicht, sondern sei im Gegenteil hochdynamisch, so daß man nur eine Chance habe, wenn man rechtzeitig attraktive Investoren für das Modell begeistern könne./bz