24. März 2017
Ein Land, das seine Eliten vertreibt, wird scheitern
Wolfgang Steiger: Man muss sagen dürfen, wer die Leistungsträger sind
Auch wenn es leider immer wieder einzelne Negativbeispiele gibt, die hohe Prämien oder Abfindungen kassieren, obwohl das Unternehmen in der Krise steckt: Pauschalkritik und Dauerverurteilung von Unternehmern und Managern darf es nicht geben. Deutschland braucht Eliten und Menschen, die den Mut haben, wirtschaftliche Risiken auf sich zu nehmen und Arbeitsplätze zu schaffen. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa warnt Generalsekretär Wolfgang Steiger eindringlich vor den Folgen einer solchen Stimmung.

So würde zum Beispiel eine Gehaltsgrenze von 500.000 Euro für den Betriebskostenabzug – wie sie derzeit gefordert wird – Unternehmen weit über den Dax 30 hinaus betreffen, betonte Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Wirtschaftsrates und fragt: "Und was ist eigentlich mit all den anderen Berufsgruppen und Leistungsträgern mit einem Jahreseinkommen über diesem Betrag? Das sind sicher mehr Personen als es Vorstände von Unternehmen gibt."

Deutschlands Marktmodell basiere auf Eigentum, Vertragsfreiheit und Wettbewerb, auf Angebot und Nachfrage, auf Unternehmen, die in diesem Ordnungsrahmen agieren. "Das können sie offensichtlich besonders gut, sonst hätte sich das Gros der deutschen Aktiengesellschaften nicht so positiv entwickelt", mahnte Wolfgang Steiger weiter. Da stelle sich die Frage, wie angesichts dieser Gesamtbilanz eine solche Kampagne gegen die Spitzenkräfte der deutschen Wirtschaft geführt werden könne, die derartige Unternehmenswertsteigerungen und Gewinne für ihre Eigentümer erwirtschaften. "Fakt ist, dass sich viele Leistungsträger, angesichts der aufgestachelten Neid-Stimmung die Frage stellen: Wollen wir noch da bleiben? Unternehmer werden in Deutschland immer negativer beäugt. Andere Länder ringen um sie und deutsche Eliten und bieten bessere Bedingungen an", kritisiert Wolfgang Steiger. Diese immer wieder aus Wahlkalkül angefachte Neiddebatte müsse wieder in objektive Bahnen gelenkt werden. Dazu gehöre vor allem eine Tatsache: Wer Außergewöhnliches leiste, müsse auch außergewöhnlich bezahlt werden. Das nütze auch dem Rest des Landes.

 

Mit Blick auf den beginnenden Wahlkampf mahnte der Wirtschaftsrat wiederholt davor, das Establishment und die Eliten im Land zu beschädigen. "Man muss sagen dürfen, wer die Leistungsträger sind, und wer den Karren zieht" sagte Wolfgang Steiger. "Ein Land, das seine Eliten vertreibt, wird scheitern. Bundeskanzlerin Angela Merkel muss nun im Wahlkampf konkreter werden, derzeit fehlt ein  Kompass. Man darf nicht vergessen: Um die von der SPD geforderten hohen Sozialleistungen für wirklich Bedürftige bezahlen zu können, brauchen wir den wirtschaftlichen Erfolg der Sozialen Marktwirtschaft. Zu deren Grundzügen gehört auch die unternehmerische Freiheit."