03. November 2015
Eine Frage des Geldes: Verkehr, Infrastruktur und Stadtentwicklung im digitalen Zeitalter
Stuttgart. Endlos lange Staus, Dauerbaustellen, marode Brücken, Tunnel und Straßen. Was vielerorts beklagt wird, trifft auf die Städte Stuttgart und Karlsruhe in besonderem Maße zu, beide sind unter den Top drei Staustädten Deutschlands. Wie diese Probleme gelöst werden können und welche Chance die fortschreitende Digitalisierung dafür bietet wurde mit den Referenten Dr. Eva Lohse, Oberbürgermeisterin der Stadt Ludwigshafen am Rhein/Präsidentin des Deutschen Städtetags, Stefanie Haaks, Vorstand Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) und Dr. Martin Schairer, Bürgermeister der Stadt Stuttgart, diskutiert.
Grußwort von Martin Schairer, Bürgermeister der Stadt Stuttgart (Foto:WR)

Schairer ging in seinem Grußwort auf die Situation in Stuttgart ein. Hier habe man derzeit 827.00 Fahrzeuge die täglich die Stadtgrenze überquerten, Tendenz steigend. Die Lösung dieses Problems könne laut Schairer nicht durch Straßenbau gelöst werden, da hierfür der Platz fehle. Weiterer Straßenbau sei somit immer mit aufwendigem Tunnelbau verbunden. Die Lösung sieht Schairer in einer fortschreitenden Vernetzung von Verkehrswegen und Alternativem zum Auto, wie beispielsweise Carsharing.

Von links: Daniel Imhäuser Geschäfstführer Landesverband Baden-Württembergdes Wirtschaftsrates, Ralph Schäfer Sprecher der AG Verkehr/Infrastruktur, Dr.-Ing. Jürgen Laukemper Leiter der Fachkomission Infrastruktur und Breitband, Stefanie Haaks Vorstand Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), Wolfgang Schuster,Eva Lohse Oberbürgermeisterin der Stadt Ludwigshafen am Rhein/Präsidentin des Deutschen Städtetags, Dr. Martin Schairer Bürgermeister der Stadt Stuttgart (Foto:WR)

Lohse verwies auf die derzeitigen Megatrends in allen Gesellschaften, Energiewende, demographischer Wandel, Städtewachstum sowie Verschuldung seien globale Herausforderungen. Auch sie betonte die anstehenden Möglichkeiten, die sich aus Vernetzung und weiterer Digitalisierung ergeben werden. Lohse äußerte jedoch auch die Befürchtung, dass sich eine Zweiklassengesellschaft herausbilden könnte, denn vielen Städten fehlen die Mittel zur Finanzierung von Pilotprojekten sowie zum Ausbau der dafür nötigen Infrastruktur, ganz zu schweigen von der Instandhaltung der derzeitigen Infrastruktur.

Dr.-Ing. Jürgen LAukemper und Eva Lohse (Foto:WR)

Haaks stellte im Anschluss die Stuttgarter Straßenbahn AG vor, die derzeit mit einem Kostendeckungsgrad von 95% vorzüglich aufgestellt ist. Dies werde sich jedoch in der Zukunft ändern, der Kostendeckungsgrad wird auf unter 85 % fallen. Hierfür verantwortlich sind die anstehenden Fahrzeugneubeschaffungen. Auch Frau Haaks betonte die Chancen einer weiterschreitenden Digitalisierung und Vernetzung. Als Beispiel stellte sie das Projekt „Stuttgart Services“ vor. Durch den Zusammenschluss von 23 Partner gibt es hier die Möglichkeit mit nur einer Karte eine Vielzahl von Leistungen wahrzunehmen, unter anderem Carsharing, Call-a-Bike, sowie den öffentlichen Personennahverkehr.

 

Im Anschluss an die Vorträge entwickelten sich eine rege Diskussion, hierbei wurde deutlich, dass die fortschreitende Digitalisierung auch mit Ängsten und Sorgen verbunden ist. Vor allem Fragen des Datenschutzes sowie der Ökonomisierung der erhobenen Daten wurden von den Teilnehmern aufgeworfen.