01. Juni 2015
Mehr Werbung für Zuwanderer
Handelsblatt

In der heutigen Ausgabe des Handelsblatts auf Seite 17 fordert Generalsekretär Wolfgang Steiger, dass sich Deutschland um eine qualifizierte Einwanderung bemühen muss. Nur so kann das Land in Zeiten der massiven demografischen Veränderung seinen Wohlstand halten. 

 

 

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Einwanderung: Mehr Restriktion und weitere Öffnung gleichzeitig möglich

 

Wie empfängt Deutschland einen jungen schiitischen oder christlich-aramäischen IT-Spezialisten, der aus Syrien vor dem IS-Vormarsch geflohen ist, im Vergleich zu einem gleichaltrigen unausgebildeten Kosovaren? Beide versuchen als Bürgerkriegsflüchtling anerkannt zu werden oder das Asylrecht zu nutzen. Aber ihre Motivationen sind völlig unterschiedlich.

Den besten Start bekäme der junge Syrier mit einer Stelle in seinem Berufsfeld, auf dem der Arbeitsmarkt fast überall leergefegt ist. Ein direkter Weg dahin ist allerdings mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden, wenn sich dieser junge Flüchtling erst einmal in den Mühlen der deutschen Bürokratie befindet.

Und hier befinden wir uns mitten im Widerstreit zweier scheinbar unvereinbarer Ziele: Einerseits versucht der deutsche Staat – zu Recht – nicht anziehend für Zuwanderung in unsere Sozialsysteme zu sein, andererseits brauchen wir dringend qualifizierte Einwanderer. Aber hohe Hürden gegen den Missbrauch und größere Offenheit gegenüber notwendiger Einwanderung ausgebildeter Menschen schließen sich nicht aus. Das beweisen die klassischen Einwanderungsländer Kanada, Australien und Neuseeland.

Größerer Mut zu Restriktionen bei gleichzeitiger Festlegung positiver Kriterien für die Aufnahme sind dringend erforderlich. Generell muss das gesamte Einwanderungs- und Aufenthaltsrecht auf den Prüfstand gestellt werden. Die politisch-korrekte Tabuisierung einer gezielten Werbestrategie für Einwanderer muss aufgegeben werden, um die Attraktivität Deutschlands zu erhöhen.

Um aber diese moderne Einwanderungspolitik zu implementieren und auch der Bevölkerung zu vermitteln, muss die Große Koalition ihre breite Mehrheit einsetzen: Albanien und das Kosovo mit annähernd hundert Prozent Ablehnungsquote müssen als „sichere Herkunftsländer“ definiert werden. Nur so lassen sich Asylverfahren und Abschiebungen beschleunigen.

Asylbewerbern und Flüchtlingen sollten von Beginn an Integrationskurse angeboten werden, um sie auf einen Aufenthalt vorzubereiten und von der Straße zu holen. Das Unsicherheitsgefühl im Umfeld von Unterkünfte rührt auch daher, dass junge Menschen dort untätig herumlungern. Die überaus bürokratische Vorrangprüfung gehört vereinfacht, nach der nachgewiesen werden muss, dass bei Stellenbesetzungen keine geeigneten Einheimischen bereit stehen.

Darüber hinaus müssen die unzähligen Bestimmungen des Aufenthaltszwecks entschlackt werden. Wir brauchen Erleichterungen der Einwanderung nicht nur für Akademiker, sondern auch für gut ausgebildete Fachkräfte in Industrie, Handwerk und Gesundheitsbereich.

Die heute günstige Lage durch die Zuwanderung qualifizierter, junger Leute aus dem Süden der EU, die so der hohen Jugendarbeitslosigkeit entgehen wollen, darf nicht über zukünftige Defizite auf dem Arbeitsmarkt hinwegtäuschen. Nicht zuletzt in Regionen abseits der Großstädte mit vielen Hidden Champions spitzt sich der Fachkräftemangel extrem zu.

Deutschland kann seinen Wohlstand nur halten, wenn in Zeiten der massiven demografischen Veränderungen mehr qualifizierte Zuwanderer gewonnen werden. Entgegen unseres oft überkritischen Selbstbildes ist Deutschland eines der beliebtesten Länder der Welt. Mit diesem Pfund müssen wir aktiv wuchern – und unsere Bevölkerung dabei mitnehmen.

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