26. Mai 2017
2. CXO-Event Sylt 2017
Empfehlungen des zweiten CXO-Events Sylt 2017
Digitale Wettbewerbsfähigkeit fordert digitale Kompetenz in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

Digitale Qualifizierungsoffensive für gesellschaftlichen Entscheidungsträger


  • Digitale Kompetenz ist nicht delegierbar. Entscheider müssen ihr Wissen um Mechanismen, Chancen und Risiken beschleunigt entwickeln, da ihre angestammten  Entscheidungsverfahren sich wandeln. Förderung von breitflächigen Initiativen zur digitalen Kompetenz in allen Altersgruppen und Berufen. Berücksichtigung digitaler Arbeitsmodelle bereits in weiterführenden Schulen. Digitale Kompetenz ist nicht nur Informatik!

 

  • Schnellere Anerkennungsverfahren für neue Berufsbilder und Ausbildungswege der digitalen Wirtschaft sowie be schleunigte Aufnahme oder Anpassung interdisziplinärer  Ausbildungsgänge in Berufs- und Hochschulen. Bundesweite Förderung von dualen ausbildungs- und anwendungsbezogenen Forschungszentren in Verbindung mit mittelständischen Unternehmen. Neue Berufsbilder wie „Robotics Engineer“ oder „Content Analyst“ müssen an Hoch- und Berufsschulen sowie im Aus- und Weiterbildungsbereich angeboten werden. Keine Vernachlässigung von Talentquellen! Unternehmen sollten in digitale Bildung investieren z.B. im Wege eigener Bildungsinstitute oder Kooperationen mit Hochschulen.

 

  • Enquete-Kommission zur künstlichen Intelligenz und zur Blockchain-Technologie Politik muß im digitalen Wandel mit technischem Verständnis und mit markwirtschaftlicher Logik notwendige politische Handlungsfelder erkennen, verstehen und zügig neu regeln. Im internationalen Standortwettbewerb ist die Anpassungszeit für Regulierungen zunehmend entscheidend. Um ein breites Verständnis für die laufende gesellschaftliche Transformation zu entwickeln, sollte der Deutsche Bundestag Enquete-Kommissionen zur künstlichen Intelligenz und zur Blockchain-Technologie ins Leben rufen.

 

 Wirtschaft braucht faire Wettbewerbsbedingungen!

  • Unterbindung marktbeherrschender Stellungen bevor sie entstehen. Die Monopolkommission ist aufgerufen, sich der digitalen Transformation betroffener Branchen zuzuwenden, diese aktiv zu beobachten und frühzeitig im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten einzugreifen. Im Internet-der-Dinge sollten monopolistische Strömungen präventiv und unter der Kenntnis der Gesetzmäßigkeiten von Netzwerk- & Plattform-Ökonomien überwacht und entkräftet werden.

  • Als Mittel dazu soll die Vernetzung der Industrie gefördert werden. Die Industrie braucht Vernetzung statt Abschottung. Testen als Innovationsstrategie. Schaffung zeitlich, räumlich und inhaltlich abgegrenzter Testfelder für die Erprobung neuer Technologien in allen Sektoren. Real-Labore mit veränderten rechtlichen und regulatorischen Bedingungen als Pilotumgebungen lassen schneller die Nutzen, Chancen und Risiken erkennen und den Regulierungsbedarf formulieren.

 

Digitalisierung braucht einen funktionalen Ordnungsrahmen!

  • Zentrale Koordination und durchgehende Implementierung von Internetkompetenzen z.B. durch Schaffung eines Spiegelreferats im Kanzleramt und Stabsabteilungen in allen Ministerien

  • Etablierung eines Chief Digital Officers in der Bundes- und den Landesregierungen für daten- und informationsstrategische Fragestellungen in enger Zusammenarbeit mit dem CIO des Bundes bzw. Landes, der den technischen Betrieb sichert. Steigerung der digitalen Fach- und Methodenkompetenz bei allen Regulierungsbeteiligten.

 

  • Eine digitale Identität für jeden Bundesbürger. Mit Blick auf die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit sollte Deutschland sich kein zweites Desaster wie bei der „Gesundheitskarte“ leisten, an der ewig herumgedoktert wurde und im Ergebnis ihre Zwecke nur rudimentär erfüllt, so daß der Markt jetzt die überfälligen Standards setzt.
  • Nein zur Robotersteuer! Der Roboter in einer vernetzten Industrie ist nicht das letzte Glied einer Produktionskette, das Arbeitsplätze rationalisiert, sondern ein integrales Element einer vernetzen Wirtschaft und Gesellschaft von Menschen und Maschinen. Die Besteuerung von Robotern (sowohl mechanischer Roboter als auch von Software-Robotern) steht in keinem ursächlichen Zusammenhang mit zu erwartenden Arbeitsmarktveränderungen und ist sowohl als Finanzierungs- und als Lenkungsinstrument ungeeignet.

 

Dateneigentum klären - Regulierung von selbstlernender Algorithmen

 

  • Beendigung der naiven Diskussionen zum Eigentumsrecht maschinengenerierter Daten. Unterstützung internationaler Initiativen sowie Koordination bisher separierter Regulierungsversuche in unterschiedlichen Ministerien mit unterschiedlichen Zielsetzungen.



  • Datenbasierte Geschäftsmodelle sind ein Hauptpfeiler vernetzter Wertschöpfung. Ohne Klarheit für das Eigentum keine Investitionen in ihre Förderung, Veredelung und ihren Handel.

 

  • Beendigung der Diskussion um staatlich regulierte Schnittstellen in der Software-Welt. Bei Software sind die Entwicklungsverfahren maßgebend, nicht die Datenschnittstelle. 80 Prozent der Standards im Internet, wie z.B. Open-Source-Produkte oder Initiativen wie Wikipedia, entwickelnsich ohne Autorität gemeinschaftlich.

 

  • Klärung der rechtlichen Behandlung von Maschinenalgorithmen in Abgrenzung zur Datenrechtsdiskussion. Das Trans parenzgesuch zu lernenden Algorithmen führt nicht zu der gewünschten Regulierbarkeit. Selbst identische lernende Algorithmen entwickeln sich unterschiedlichb je nach Umfeld, in dem sie agieren. Eine Offenlegung des Algorithmus als solchem steht im Widerspruch zum Schutz geistigen Eigentums. Vielmehr sollten Entwicklungsund Betriebsprinzipien definiert und überwacht werden.

  • Im Zuge der rechtlichen Diskussion müssen Fragen zur Haftung und Steuerbarkeit der Mensch-Maschine Schnittstelle für alle Marktteilnehmer neutral, eindeutig und fair geregelt werden.

  • Es gibt keine eindeutige rechtliche Regelung des Eigentums an nicht personenbezogenen Daten. Dies hat zur Folge, dass die stärkere Verhandlungsposition darüber bestimmt, wer Daten nutzen darf. Klein- und mittelständische Unternehmen sind dazu im globalen Wettbewerb dauerhaft benachteiligt, da der Wert von Daten in der Regel mit ihrer Menge ansteigt.

 

  • Der Datenschutz (DS-GVO) muß klare Regelungen zum Thema Big Data treffen. Der Schutz von sensiblen persönlichen Daten muß gewährleistet sein, die Regelungen dürfen jedoch nicht als „Bremse“ im internationalen Wettbewerb für deutsche Unternehmen wirken. Das Recht auf Löschung stellt die Blockchain-Technologie vor Schwierigkeiten, und die Löschvorschriften für gesundheitliche Versorgungsdaten verdrängen die Gesundheitsdatenforschung z.B. in die freiheitlicheren Niederlande.