21. Februar 2013
"Energiewende ist ein Ameisenhaufen, der trainiert werden muss"
Vortragsveranstaltung Arbeitskreis „Neue Technologien“
(Foto: Wirtschaftsrat)

"Das Land der Dichter und Denker muss im Wettbewerb, um erneuerbare Energien wieder an erster Stelle stehen". Das sagte Alexander Wilhelm, Sprecher des Arbeitskreises "Neue Technologien" im Wirtschaftsrat Hessen, zu Beginn einer Vortragsveranstaltung bei der Mainova AG in Frankfurt. Referenten waren Dr. Constantin Alsheimer, Vorsitzender des Vorstandes der Mainova AG, Karl-Heinz Tetzlaff, Leiter Forschung und Entwicklung H2-Patent GmbH, Dr. Peter Birkner, Technikvorstand, Mainova AG und Dr. Joachim Wolf, Vorsitzender, H2BZ-Hessen, HA Hessen Agentur GmbH.

 

"Die Energiewirtschaft vereint verschiedene Elemente der Wirtschaft", so Dr. Alsheimer. Sie sei vor allem ein Wettbewerb, der durch die Energiewende und eine Vielzahl an neuen Wettbewerbern gestärkt würde. Zu fragen – und zu klären sei: Wie aber könnten Wirtschaft und Energie vereint werden, und wie bleibe Energie bezahlbar?

Klar sei, dass die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke keine langfristige Lösung bedeute und die hohen Strompreise kaum als Anreiz zur Selbstversorgung und Dezentralisierung dienten. "Fakt ist, dass uns der Strom bald aus den Ohren heraushängen wird", sagte Alsheimer, was zu der zentrale Frage führe: Wohin mit dem Strom? Ein Speicher mache erst Sinn, wenn 80 Prozent der Energie regenerativ sei, was die Energiewende zwar verteuere, jedoch eine sinnvolle Investition und eine große Chance für die Mainova böte.
 
Dr. Peter Birkner erläutert die drei Etappen der Energiewende: "Regenerative Energiequellen müssen gebaut werden, diese Energie in die Netze intergriert und dann in der Absorptionsphase die Speicher aufgefüllt werden." Das Problem dabei seien die Speicher. An dieser Stelle trete das Element Wasserstoff in den Vordergrund, das laut Birkner als Speicherform genügen würde und so andere Elemente wie Methan überflüssig mache. Er betont außerdem, dass es niemals eine einzige regenerative Energiequelle geben werde, sondern immer eine „Mischung“.

„Wir müssen uns um regenerative Energien kümmern“, so Joachim Wolf. Das Ölzeitalter wie wir es kennen, werde es bald nicht mehr geben. „Erneuerbare Energien werden ausreichen“, sagte er, dafür sorge ein Portfolio an Möglichkeiten. „Die Energiewende ist ein Ameisenhaufen, der trainiert werden muss“, so Wolf weiter. Auch er betonte, dass die Frage der Speicherung zentral sei und Wasserstoff einen wichtigen Lösungsansatz biete.

Abschließend erläuterte Karl-Heinz Tetzlaff, wie sich Wasserstoff ganz anders verwenden ließe. Er diene vor allem zur Reduzierung von Kosten; er ließe sich aus beliebigen Energien erzeugen, und man könne ihn vielfach verwenden. „Wir erzeugen in unserer Energiewirtschaft hauptsächlich Verluste“, so Tetzlaff. Wasserstoff sei eine Nutzenergie und in der Wasserstoffwirtschaft ein Abfallprodukt der Wärmeerzeugung. In seinen Augen ist die Stabilisierung der Stromnetze das Problem, welches zu langen Übergangsphasen führen wird. Außerdem sei die Investition sehr hoch, werde aber nur so zu einer dauerhaften, nachhaltigen und bezahlbaren Energieversorgung führen.