17. Februar 2017
Energiewende und Digitalisierung
Auswirkung auf die Technischen Werke Ludwigshafen
Beim Wirtschaftsrats-Lunch in Ludwigshafen referierte Dr. Hans Kleuker, kaufmännischer Vorstand der Technischen Werke Ludwigshafen AG (TWL), über die Herausforderungen, die die kommunalen Energieversorgungsunternehmen (EVU) im Hinblick auf Energiewende und Digitalisierung zu meistern haben. Während die EVUs aus einem regulierten Markt heraus bis zur Liberalisierung des Energiemarktes sehr geschützt agieren konnten, hat mit dem Eintreten neuer Marktteilnehmer im bundesweiten Stromwettbewerb eine komplette Änderung stattgefunden.
Dr. Hans Kleuker beim Wirtschaftsrats-Lunch in Ludwigshafen (Foto: Wirtschaftsrat)

Heute müssen die TWL, die in Ludwigshafen fast 100.000 Strom-, 40.000 Erdgas-, 47.000 Trinkwasser- und 6.000 Fernwärmekunden betreuen, sich im Wettbewerb mit anderen Versorgungsunternehmen messen lassen. Deswegen sei es für das Unternehmen von existenzieller Bedeutung, Prozesse und Strukturen zu optimieren. Die TWL verfolge daher ein Wachstumsziel in Richtung Digitalisierung. So habe man die Digitalisierung der Energiewirtschaft bei TWL vorangetrieben, habe analoge Prozesse digital nachgebildet, beispielsweise den elektronischen Versand von Rechnungen statt Papierversand. Darüber hinaus habe man neue Produkte, die nur digital möglich sind, wie Spotmarkt basierte Strom- und Gasprodukte oder automatisierte Energiebeschaffung über den Börsenhandel an den Markt gebracht. Neue digitale Geschäftsmodelle und –märkte ergänzen oder ersetzen dabei die bestehenden Modelle, wie beispielsweise Elektrotankstellen oder Haushaltsgeräte-Leasing mit Stromverbrauch und Online-Abrechnung. Mit der Tochter LUDVIKK biete man Strom und Gas deutschlandweit auf entsprechenden Internetplattformen an, wobei sich der Preis nicht an den aktuellen Gestehungskosten, sondern an den Preisen der Wettbewerber orientierten. 

 

Die Steuerung dezentraler Erzeugungsanlagen für Strom sei über das Internet, so Dr. Kleuker, wesentlich günstiger und einfacher als konventionelle Fernwirktechnik. Die TWL  habe ein virtuelles Kraftwerk, das sich aus kleineren Einheiten zusammensetzt, entwickelt. Hierbei arbeite man auch mit namhaften Instituten, wie dem Fraunhofer Institut, zusammen. Die TWL werde so mit 560 Mitarbeitern und 71 Auszubildenden dem Anspruch, individuelle Versorgungskonzepte für Privat- wie auch Geschäftskunden zu erarbeiten, gerecht.