06. Oktober 2015
Aufholjagd beim Netzausbau - Vorrang für Kosteneffizienz und Versorgungssicherheit schaffen
Wolfgang Steiger: Deutschland wird durch Erdkabelausbau zum größten Versuchsfeld Europas - Erdverkabelung darf auf keinen Fall zum Regelfall werden

Der Wirtschaftsrat der CDU e.V. begrüßt mit Blick auf die stetig steigenden Zusatzkosten für Redispatch, Reservekraftwerke und Einspeisemanagement, dass die Bundesregierung bei dem überfälligen Netzausbau endlich aufs Gaspedal drücken will. Äußerst kritisch sieht der Wirtschaftsrat jedoch die waghalsige Entscheidung der Koalitionsspitzen, beim Ausbau der beiden großen Stromautobahnen - Suedlink und Gleichstrompassage Südost - primär auf Erdverkabelung zu setzen. „Die kaum erprobte Erdverkabelung ist der größte Feldversuch Europas. Sie birgt gewaltige technische Herausforderungen und damit hohe Zusatzkosten sowie neue Risiken für die Versorgungssicherheit. Die Mehrkosten für die Erdverkabelung von bis zu acht Milliarden Euro sind ein weiteres fatales Zeichen für den Industriestandort Deutschland. Laut IW Köln fallen künftig bereits 28 Milliarden Euro an jährlichen Kosten für die Energiewende an“, kritisiert Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Wirtschaftsrates.

Laut aktueller Berechnungen des Bundeswirtschaftsministeriums („Kosten der Erdkabel-Neuregelung“) wird die Industrie als Hauptzahler der Energiewende über die Netzentgelte erneut massiv zur Kasse gebeten werden. Dabei sind die durchschnittlichen Industriestrompreise in Deutschland mit über 15 Cent pro Kilowattstunde nach Steuern bereits mehr als doppelt so hoch wie die in den USA. Für Industriegroßkunden stehen jetzt darüber hinaus laut Ministerium jährliche Mehrkosten von bis zu 990.000 Euro im Raum. „Zusätzliche Kosten der Erdverkabelung bedeuten damit im Kern eine weitere Schwächung des Industriestandorts Deutschland im internationalen Vergleich“, mahnt Steiger.

Der Wirtschaftsrat fordert, im Einzelfall alle technischen Lösungen auf ihre Verträglichkeit und Kosteneffizienz zu überprüfen. „Erdverkabelung ist ein Teil der Lösung, aber darf auf keinen Fall zum Regelfall werden. Die Neuregelung wirft die bisherigen Planungen um drei Jahre zurück. Ob damit alle Akzeptanzprobleme in Bayern und anderen Bundesländern gelöst werden können, bleibt weiterhin fraglich, zumal wieder neue Betroffenheit bei der Bevölkerung geschaffen wird“, erklärt Steiger.

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