09. November 2015
Ethik und Wirtschaft - Symbiotisch oder unvereinbar?
Veranstaltung der Sektion Jena-Saalefeld mit Prof. Dr. Knoepfler
Foto WR: Eröffnung durch Wilfried Röpke, Sektionsvorstand

Es darf nur verteilt werden, das vorher erwirtschaftet wurde, lautet ein Credo des Wirtschaftsrates, als Stimme und Anwalt der Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft nach Ludwig Erhard. Steht dadurch möglicherweise ein heutiges Unternehmen und der Unternehmer selbst in Person den ethischen Ansprüchen der Gesellschaft insbesondere mit Blick auf die Menschenwürde nicht generell entgegen? Antworten auf die Frage, vor der ein verantwortlicher Unternehmer bei jeder Entscheidung steht, sollte Gastreferent Professor Dr. Nikolaus Knoepffler, Lehrstuhl für Angewandte Ethik und Ethikzentrum der Friedrich-Schiller-Universität Jena, kürzlich den knapp 20 Mitgliedern und Gästen der Sektion Jena-Saalfeld im Wirtschaftsrat Deutschland in den gastgebenden Stadtwerken Jena-Pößneck geben.

 

Aktuell stand natürlich auch die Frage im Raum: Durfte Volkswagen anscheinend wissentlich und damit bewusst so „dummdreist“ lügen? Moralisch verwerflich am Verhalten des Weltkonzerns sei nach Meinung des Ethik-Experten insbesondere, dass er am Alten, Überholten festgehalten habe und dies mit der Lüge kaschieren wollte, anstatt mit aller Konsequenz an der nötigen Neuentwicklung gearbeitet zu haben.

 

Natürlich sollte und wollte der Fachvortrag kein Patentrezept für eine allgemeine und einzig wahre Unternehmer-Ethik geben. Zumal, bedingt durch das jeweilige Umfeld und die Betrachter, unterschiedlichste Maßstäbe angesetzt würden. Knoepffler dazu: „Der akademische Ethiker kann nicht das Gewissen zum Beispiel für den Unternehmer sein. Er kann nur die Folgen aufzeigen, also welcher Preis zu zahlen ist.“ Theorie und praktische Orientierungspunkte gab er dennoch genügend: So erläuterte er den ethischen Ansatz von Aristoteles, nachdem es vor allem anderen der eigenen Person wohlergehen müsse, eben so wie die Ansicht des Philosophen Kant (Kantscher Imperativ), dass selbst die Lüge zur Abwendung von Schaden für Person und Unternehmen unmoralisch sei. Denn so würde das generelle Vertrauen zerstört. Weiter belegte er am Beispiel des TESLA-Elektroautos und seines Produzenten, dem US-Milliardär und TESLA-Gründers Elon Musk, dass es die moralische Verantwortung der Wirtschaft für eine nachhaltige Entwicklung und letztlich für das Allgemeinwohl gibt. Der Innovation verpflichtet, gab TESLA sogar im Juni dieses Jahres 2014 seine Patente frei, um die Einführung von Elektroautos zu beschleunigen. Zur Orientierung beschrieb er die Notwendigkeit wertebewusster unternehmerischer Persönlichkeiten, denen Souveränität, Ausgeglichenheit, Augenmaß, Offenheit, Gönnen können, Vertrauen, Authentizität und Sinnerfülltheit zu eigen sein müssten.

 

Beruhigend für die anwesenden Mittelständler auch sein Werben für eine differenzierte moralische Bewertung des Strebens nach Gewinnmaximierung anhand der unternehmerischen Zielstellung. Eindeutig schlecht sei das Gewinnstreben der „austauschbaren Manager bei den Global Players“. Wogegen regional verwurzelten Unternehmen, meist Familienunternehmen, das Gewinnstreben nicht negativ angelastet würde, wisse die Allgemeinheit doch um die Notwendigkeit auch für den meist nachhaltigen Einsatz dieser Gewinne.

Foto WR. Prof. Dr. Knoepfler beim Vortrag
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