26. Oktober 2010
„Europa macht seine Hausaufgaben“
Folker Hellmeyer zu Gast beim Wirtschaftsrat BremenFolker Hellmeyer zu Gast beim Wirtschaftsrat Bremen
Unter dem Motto „Konjunkturparty oder Konjunkturkater?“ referierte Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, beim Wirtschaftspolitischen Frühstück des Landesverbandes Bremen.

Hellmeyer sagte in seinem Vortrag, dass die Staatsdefizitkrise in Europa angepackt worden sei. „Stringente Reformen sind immer erfolgreich“, ist der Chefanalyst überzeugt. Das eigentliche Problem stelle auch nicht Europa dar, sondern die USA, die sich wie „ein Elefant im Porzellanladen“ verhalten, und Japan. Die in diesen beiden Ländern ergriffenen Maßnahmen seien weiterhin nur quantitativ und daher „Kosmetik“, während wirkliche Strukturreformen „verweigert“ würden. Die USA erkenne die eigenen Fehler nicht an und sucht sich andere Sündenböcke, beispielsweise die Schwellenländer. Diese bezeichnete Folker Hellmeyer jedoch als einen wichtigen Katalysator und Stabilisator der Weltwirtschaft: Ihr Anteil an der Weltwirtschaft liege bei bereits rund 50 Prozent und sie seien zunehmend unabhängig von der westlichen Welt.

Als weitere Katalysatoren für die Staatsdefizite nannte Hellmeyer die Konjunkturprogramme. Solche Notfallmaßnahmen hält er nicht nötig. Die Zinssenkungen der Zentralbanken, der flach verlaufende Lagerzyklus und der wieder anspringende Investitionsgüterzyklus, der auch den Konsumzyklus antreibt, lassen Hellmeyer eine positive Prognosen für die nächsten Jahre aufzeigen. 

Es zeichne sich ab, sagte der Chefanalyst der Bremer Landesbank, dass es mittelfristig Veränderungen im Weltfinanzsystem geben wird, da die Signifikanz der USA und Japans stetig geringer werde und die Schwellenländer an Einfluss gewinnen würden. Diese Verschiebung in der finanzökonomischen Machtachse werd sich auch auf die politische Machtachse auswirken, sagte Folker Hellmeyer.

In der Bewältigung der Bankenkrise in den letzten Jahren sieht Hellmeyer aber auch eine verpasste Chance. Laut Hellmeyer wäre das der geeignete Zeitpunkt für eine Beschneidung der „globalen Bankenaristokratie“ gewesen, doch diese Möglichkeit sei nicht wirklich genutzt worden.

 

Materialien
Präsentation (48 Seiten)