09. Oktober 2017
Der Fehmarnbelt-Tunnel: Ein Projekt, das verbindet
Femern A/S-CEO Claus F. Baunkjaer informiert beim Wirtschaftrat über den Planungsstand
Die feste Fehmarnbeltquerung ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Jahrhundertvorhaben: Nicht nur, weil es ein gigantisches Bauprojekt ist. Schon 1863 gab es erste Überlegungen für eine direkte Verkehrsverbindung über den Fehmarnbelt. Mit dem Fehmarnbelt-Tunnel soll diese Vision endlich Wirklichkeit werden.
Claus F. Baunkjær, Vorstandsvorsitzender | Femern A/S (Foto: Wirtschaftsrat)

Gibt es keine weiteren Verzögerungen, soll der Tunnel zwischen Puttgarden auf Fehmarn und Rødby auf Lolland ab 2020 gebaut und 2028 in Betrieb gehen. Für den CEO der federführenden dänischen Planungsgesellschaft Femern A/S, Claus F. Baunkjær, ist das ein realistischer Zeitplan: „Wir sind auf einem guten Weg, 2028 ist machbar“, erklärte er beim Wirtschaftsrat und betonte gleichzeitig, dass alle Risiken vom dänischen Staat getragen würden.

 

Baunkjær präsentierte zunächst einige Zahlen und Fakten des Projekts. Der Unterwassertunnel, ein sogenannter Absenktunnel („immersed tunnel“), werde mit über 18 Kilometern der längste Schienen- und Straßentunnel der Welt sein. Er biete Platz für eine vierspurige Autobahn und eine zweigleisige Bahnstrecke. Die Kosten der Querung, die als Teil des europäischen Haupttransportnetzes von der EU mitfinanziert werde, beliefen sich auf rund sieben Milliarden Euro und würden mit einem Staatsgarantiemodell durch Anleihen finanziert.

 

Im Weiteren wandte sich Baunkjær der Frage zu, warum die feste Fehmarnbeltquerung ein notwendiges Projekt sei. Kritikern hielt er entgegen, dass der Tunnel einen schnelleren, reibungsloseren Verkehr und Transport ermögliche. Die Reisezeit per Zug zwischen Hamburg und Kopenhagen verkürze sich von viereinhalb auf zweieinhalb Stunden und der Frachtverkehr vermeide zwischen Hamburg und Kopenhagen 160 Kilometer Umweg. Außerdem habe der Tunnel direkten Einfluss auf den Arbeitsmarkt in der Region, da Arbeitsplätze beim Bau und bei den Zulieferern, sowie später beim Regelbetrieb, entstünden.

Impressionen
Kein Platz war mehr frei als Claus F. Baunkjær über das Großprojekt Fehmarnbelt-Querung sprach
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Darüber hinaus erwartet der Däne nach der Eröffnung positive Effekte auf die deutsch-dänische Wirtschaftsregion, wie sie seinerzeit auch nach dem Bau der Öresundbrücke zwischen Dänemark und Schweden eingetreten seien: „Seit der Eröffnung der Brücke gibt es sehr viel Pendelverkehr zwischen Kopenhagen und Malmö. Viele Firmen haben Niederlassungen im jeweils anderen Land eröffnet oder sind neu in die Region gezogen, da die Brücke für sie einen wichtigen Standortfaktor darstellt“, betonte der CEO von Femern A/S. Ganz in diesem Sinne hatte der Landesvorsitzende Dr. Henneke Lütgerath zuvor in seinem Grußwort erklärt: „Der Fehmarnbelt-Tunnel wird dazu beitragen, die wirtschaftlichen, aber auch die politischen und kulturellen Beziehungen zwischen den Metropolregionen Hamburg und Kopenhagen/Malmö weiter zu stärken.“

 

Selbstkritisch gestand Baunkjær aber auch ein, dass es Femern A/S noch nicht gelungen sei, die zahlreichen Vorteile ausreichend bekannt zu machen: „Wir haben ein sehr gutes Projekt, haben viel Zeit und Geld investiert, müssen aber in der Kommunikation noch besser werden, um auf die Probleme, die die Menschen mit dem Projekt haben, einzugehen und Lösungen anzubieten“, so der Däne mit Blick auf Bedenken, die vor allem von Anwohnern aus Deutschland kommen.

 

Allerdings hätten auch die Dänen – die heute große Befürworter der Öresund- und der Großen-Belt-Brücke seien – diesen Projekten anfangs sehr skeptisch gegenübergestanden. Verglichen mit den Zustimmungswerten von damals, sei die Zustimmung für die feste Fehmarnbeltquerung in Hamburg und Schleswig-Holstein heute größer.

 

Die anschließende Fragerunde wurde von den Zuhörern gerne genutzt. Dabei ging es hauptsächlich um ökonomische Folgen des Projekts, etwa die Auswirkungen auf den Fährbetrieb und den Umgang mit eventuellen weiteren Verzögerungen des Baubeginns. Aber auch grundsätzliche Fragen zur Querung wurden diskutiert. Etwa, warum die Planer sich für einen Tunnel und gegen eine Brücke entschieden hätten und wo die Unterschiede zum Eurotunnel lägen. Weitere Fragen konnten die Teilnehmer beim abschließenden Get-together im persönlichen Gespräch mit Claus F. Baunkjær klären.

Kontakt
Christian Ströder
Referent für Wirtschaftspolitik
Wirtschaftsrat der CDU e.V. Landesverband Hamburg
Telefon: 040/ 30381049
Telefax: 040/ 30381059