13. September 2011
"Die demografische Entwicklung ist die zentrale Herausforderung"
Finanzminister Dr. Schäfer beim Frankfurter Unternehmerfrühstück
Der hessische Finanzminister sieht sorgenvoll in die Zukunft: Wenn die Politik nicht schleunigst längst fällige Entscheidungen auf den Weg brächte, würden die Belastungen durch die demografische Entwicklung die Öffentlichen Haushalte sprengen. Aber auch die Unternehmer haben laut Dr. Thomas Schäfer endlich ihre Hausaufgaben zu erledigen, etwa die Strukturen innerhalb ihrer Unternehmen so zu verändern, dass Ältere länger beschäftigt bleiben können. Hier sei in der Vergangenheit durch den „Jugendwahn“ viel versäumt worden.
Finanzminister Schäfer (Foto: Wirtschaftsrat)

Schäfer nannte anlässlich einer Vortragsveranstaltung des Wirtschaftsrates, Sektion Frankfurt, zum Thema „Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf die Finanzpolitik“ vier Problemfelder, die es umgehend zu bearbeiten gelte.

Angeregte Diskussion (Foto: Wirtschaftsrat)
  1. Die jungen Menschen müssten früher in Beschäftigung gebracht werden.
  1. Die Älteren müssten länger arbeiten; Stichwort „Rente mit 67“. Bis zum Jahr 2050 sieht Schäfer auch ein Renteneintrittsalter mit 70 Jahren auf der Tagesordnung, was nicht zuletzt eine entsprechende Flexibilität innerhalb der Unternehmen erfordere.
  1. Mehr Frauen müssten ins Berufsleben.
  1. Deutschland brauche qualifizierte Zuwanderer.

Sollte sich in diesen Bereichen nichts bewegen oder nur zaghaft entschieden werden, stehe unser gesellschaftliches System langfristig gesehen auf der Kippe.

Volles Haus im Nizza (Foto: Wirtschaftsrat)

Hessen wird nach jüngsten statistischen Erhebungen bis zum Jahr 2050 von derzeit rund sechs Millionen Einwohner auf etwas über fünf Millionen schrumpfen; die Steuereinnahmen je Einwohner steigen weniger oder können sogar abnehmen; die Zahl der Erwerbsfähigen geht absolut und als Anteil an der Gesamtbevölkerung deutlich zurück. Unterm Strich, so erläuterte Schäfer, würden die Entlastungen durch die demografische Entwicklung wie zum Beispiel beim Landespersonal oder im Polizei- und Schulbereich,  die Belastungen - dickster Brocken, der auch durch eine vollständige Stellenanpassung nicht verhindert werden kann:  stark steigende Versorgungs- und Beihilfeausgaben - nicht ausgleichen.

 

 

Fazit des Finanzministers: „Die demografische Entwicklung stellt eine zentrale Herausforderung für die zukünftige Struktur öffentlicher Haushalte dar.“ Um diese Herausforderungen zu meistern, müssten wir uns am eigenen Schopf aus dem Schlammassel ziehen und auch Tabuthemen ansprechen.  Schäfer: „Je länger man eine heilige Kuh füttert, um so schwerer fällt das Schlachten.“