12. November 2015
Wie funktioniert der Arzneimittelmarkt?
Firmenbesichtigung der APOGEPHA Arzneimittel GmbH
Die erste Veranstaltung des neuen Vorsitzenden der Landesfachkommission Gesundheitspolitik, Matthias Jochmann, Geschäftsführender Gesellschafter der Praxisklinik für operative Gynäkologie (MVZ) GbR in Hoyerswerda, führte Mitglieder und Gäste des Wirtschaftsrates zum Traditionsunternehmen APOGEPHA.
v.l.n.r.: Markus Bauer, Geschäftsführer der APOGEPHA Arzneimittel GmbH; Henriette Starke, Geschäftsführerin der APOGEPHA Arzneimittel GmbH; Matthias Jochmann, Vorsitzender der Landesfachkommission Gesundheitspolitik des Landesverbandes Sachsen

Das Unternehmen weist in dritter Familiengeneration eine wechselvolle Geschichte auf, die den Teilnehmern durch den Geschäftsführer, Markus Bauer, präsentiert wurde. Als Spezialanbieter entwickelt und produziert die APOGEPHA GmbH urologische Arzneimittel und ist weltweit in relevanten Märkten vertreten.
Vor der Besichtigung der Arzneimittelproduktion erhielten die Teilnehmer durch den Geschäftsführer, Markus Bauer, noch einen Einblick in das komplexe System von der Arzneimittelforschung hin bis zur Zulassung in den unterschiedlichsten Regionen.

Bis zur Zulassung eines Arzneimittels können, so der Geschäftsführer, schon einmal 12 - 15 Jahre ins Land gehen, bevor aus ersten Ideen und Forschungen ein zugelassenes Arzneimittel wird.

Ein weiteres Themenfeld nahmen die Arzneimittelkosten im Gesundheitswesen ein. „Das Grundprinzip der Preisbildung kennt jeder: Angebot und Nachfrage“ - so steht es auf der Website des Bundesgesundheitsministeriums.

„Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten ist die Sache jedoch komplizierter: Der Arzt verordnet, der Patient geht mit dem Rezept in die Apotheke. Der Preis des Medikaments spielt für Patient, Arzt und Apotheker erst einmal keine Rolle. Die Krankenkasse bezahlt. Letztlich zahlt aber nicht die Krankenkasse, sondern der Versicherte. Damit die Beiträge zur Krankenversicherung bezahlbar bleiben, dürfen die Ausgaben nicht unbegrenzt steigen. Darum hat der Gesetzgeber verschiedene Regelungen gegen zu hohe Preise entwickelt. So wird zum Beispiel für hoch innovative, patentgeschützte und damit meist teure Präparate die keinen Festbetrag haben, den pharmazeutischen Unternehmen gesetzlich ein Rabatt an die Krankenkasse verordnet. Für den Zeitraum vom 1. August 2010 bis 31. Dezember 2013 wurde der Herstellerabschlag mit dem Gesetz zur Änderung krankenversicherungsrechtlicher und anderer Vorschriften (GKV ÄndG) von 6 Prozent auf 16 Prozent angehoben sowie ein Preisstopp für Arzneimittel festgelegt, die von den Krankenkassen bezahlt werden. Dies wurde notwendig, um die ausufernden Ausgaben im Arzneimittelbereich einzudämmen und die finanzielle Stabilität der gesetzlichen Krankenversicherung zu sichern.“
Nach diesen sehr detaillierten Einblicken in den Arzneimittelmarkt konnten die Teilnehmer in mehreren Gruppen die Produktion unter Reinraumbedingungen besichtigen, bevor es beim anschließenden get-together noch anregende Gespräche gab.
Für viele Teilnehmer der heutigen Veranstaltung, die nicht aus der Gesundheitsbranche kommen, so  Matthias Jochmann, Sprecher der Landesfachkommission Gesundheitspolitik, war dieser Abend insbesondere mit Blick auf die gesetzliche Regelungsdichte sowie die Preismechanismen erstaunlich. Die aus diesem Kreis auftauchende Feststellung, dass das Preismoratorium bis Ende 2017 verlängert und der gesetzliche Herstellerabschlag auf 7 Prozent festgelegt wurde ist vor dem Hintergrund der mit 20 Milliarden Euro gut gefüllten GKV-Kassen zumindest anmerkenswert.