10. März 2017
Flüchtlinge: Arbeitskräfte von übermorgen
Die Flüchtlingskrise erreichte ihren Höhepunkt Ende 2015. Doch noch immer herrscht in Gesellschaft und Wirtschaft ein verzerrtes Bild der Ereignisse und Prozesse sowie deren Auswirkungen. Für die Sektion Gießen Anlass für ein Gespräch mit dem Regierungspräsidenten Gießen, Dr. Christoph Ullrich, dessen Bezirk in Hessen für Flüchtlinge zuständig ist. Dieser gab eine Einsicht in die Arbeit der Behörde und zum Sachstand Flüchtlingspolitik.
Die Mitglieder der Sektion Gießen-Alsfeld waren exklusiv bei ... (Foto: Wirtschaftsrat)

An einem Tag im November 2015 kamen 1341 Flüchtlinge nach Hessen, nach Gießen um genau zu sein. Denn dort befindet sich die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung. An diesem Tag mussten die Mitarbeiter des Regierungspräsidiums Gießen mehr Flüchtlinge registrieren als im ganzen Jahr 2007. Eine Mammutaufgabe. „Das Engagement der Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer in Hessen ist faszinierend. Man kann stolz darauf sein. In Hessen haben wir immer ein Bett gefunden und keiner musste frieren oder hungern. Das hat kein Bundesland geschweige denn anderes Land geschafft“, berichtete Dr. Ullrich, der selbst erst im Oktober sein Amt angetreten hatte. Damals verfügte Hessen über zwei Unterkünfte und 3800 Betten. 

.... Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich (Foto: Wirtschaftsrat)

Heute sind es elf aktive und sechs passive Unterkünfte und über 40.000 Betten. Seit Mai 2016 ist das hessische Ankunftszentrum geöffnet. Eine Bearbeitung der Asylanträge dauert im Regelfall nur noch zwei Tage. Diesen Prozess habe man sich erarbeitet, viele Maßnahmen sind ergriffen worden. „Der Flüchtlingsstrom nimmt seit Dezember 2015 stetig ab, seit März 2016 ist die Situation vergleichbar mit dem Zustrom 2013. Doch in der Gesellschaft herrscht immer noch die Stimmung von 2015 vor.“ Dr. Ullrich revidiert vorherrschende Thesen. Beispielsweise habe man Angst, ein Zusammenbrechen des Abkommens mit Erdogan würde die Flüchtlingswelle erneut nach Deutschland bringen. „Organisierte Transporte sind nicht mehr zu erwarten. Auch ist der Flüchtlingsstrom mit Inkrafttreten des Abkommens bereits auf Normalniveau gesunken.“ 

Dr. Christoph Ullrich und Sektionssprecher Oliver Hahn im Regierungspräsidium Gießen (Foto: Wirtschaftsrat)

Ein weiterer Aspekt neben Registrierung und Erstuntersuchung ist die Rückkehrberatung. „Eine freiwillige Rückreise ist immer die beste Wahl“, erklärte der Regierungspräsident. Bis es soweit ist, verbringen Flüchtlinge Aufenthalte in der Erstunterkunft und dann in ihrer zugewiesenen Unterkunft. Auch wenn sie in der Aufnahmestelle wenig Zeit verbringen, werden ihnen dort Verhaltensregeln und deutsche Grundwerte wie Religions- und Meinungsfreiheit, Geschlechtergleichberechtigung, Höflichkeit und Pünktlichkeit aber auch die Toiletten- und Abfallnutzung beigebracht. Im Vordergrund steht der Austausch in deutscher Sprache. Nur so kann Integration gelingen. Auch in den Arbeitsmarkt, denn viele von Ihnen sind zwar in Ihrer Heimat qualifiziert – für Deutschland besteht jedoch Aufholbedarf. „Flüchtlinge können die Fachkräfte von übermorgen werden“, betonte Dr. Ullrich abschließend.

Kontakt
Michael Dillmann
Landesgeschäftsführer
Wirtschaftsrat der CDU e.V. - Landesverband Hessen
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