05. April 2016
Gender-Gaga
Gespräch über das Gender-Mainstreaming und dessen Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft
In ihrem außergewöhnlich erhellenden Vortrag klärte die Journalistin und Publizistin Birgit Kelle in einer Veranstaltung, der Sektion Rottweil/Tuttlingen, in der Brauereigaststätte Hirsch in Wurmlingen über das Gender-Mainstreaming in Wirtschaft und Gesellschaft auf und nannte Hintergründe und Abgründe einer Strategie, die nicht unbedingt Gutes verheißt.
Der Vorstand der Sektion Rottweil/Tuttlingen mit Landesgeschäftsführer Daniel Imhäuser (Foto:WR)

Warum solch eine Veranstaltung gerade in einer Bierbrauerei, in der so wunderschönen „Bierwelt“ der Hirsch-Brauerei Honer, die sich seit ihrer Gründung im Jahre 1782 in dem nicht leichten Wettbewerb erfolgreich behauptet, stattgefunden hat, ist relativ schnell erklärt: Vielleicht lässt sich der Inhalt der in Rumänien im Jahre 1975 gebürtigen und 1984 nach Deutschland übergesiedelten Kolumnistin mit einem Glas Hirsch-Bier besser und leichter ertragen, meinte sie nach der Begrüßung durch Dr. Martin Leonhard, der Sprecher der Sektion Rottweil/Tuttlingen, schmunzelnd.

Denn während das Einsickern der Genderideologie in nahezu sämtliche Bereiche des Lebens „top down“ still und leise, aber spürbar geschieht, ging die von dem Weltfrauenkongress in Peking im Jahre 1995 ausgehende Bewegung an allzu vielen Zeitgenossen relativ unbemerkt vorbei. Doch wer zu spät aufwacht, den überholt eine Entwicklung, die dann kaum mehr aufzuhalten ist, so die Erkenntnis nicht zuletzt von Dr. Leonhard, der die Teilnehmer der Informations- und Diskussionsveranstaltung dazu aufrief, „wachsam zu sein.“ Dass hinter den durchaus erfolgreichen Bemühungen der Genderideologen, das biologische Geschlecht durch das soziale zu ersetzen, von 60 und mehr Geschlechtern zu reden, von denen man sich einer – oder noch ein anderer – zuordnen mag, dass „man“ bei der Schreibweise alle „diskriminierenden“ männlichen Bezeichnungen zu entfernen habe und zu ersetzen habe durch das große I, den gap, Unterstrich, Stern, veränderte Endungen („Bäcka“, anstatt „Bäcker“) und dass in Deutschland sich 163 Lehrstühle mit einer Thematik beschäftigen, dies alles ist längst nicht allen bekannt. Auch nicht, welche Strategie dahinter steckt. 

Rainer Honer, Geschäftsführer der Hirschbrauerei Wurmlingen, führt durch seine Brauerei (Foto:Robert King)

Welche Verunsicherungen damit jedoch geschehen, wenn den Mädchen heutzutage schon in frühesten Jahren gesagt wird, sie seien nicht als solche geboren, sondern es sei ihnen anerzogen worden, weiblichen Geschlechts zu sein, dann klingt dies für die allermeisten und gerade für die Teilnehmer wie diejenigen, die auf Einladung des Wirtschaftsrats in die „Bierwelt“ gekommen waren, absurd, doch die gewollte und erwünschte Verwirrung in vielen Köpfen findet statt. So Birgit Kelle in ihrem Vortrag, in dem ihr geschildertes Beispiel, dass bei Einstellungsgesprächen für den Polizeiberuf auch nach „gendergerechtem Verhalten“ gefragt werden müsse, „doch niemand weiß, was darunter zu verstehen ist“, hellhörig machte.

Bei der in der Diskussion aufgeworfenen Frage nach dem Eingang des Gender-Mainstreamings in die Bildungspläne und dem Hinweis von Birgit Kelle auf den kurz vor Toresschluss vom baden-württembergischen Kultusminister in Kraft gesetzten Lehrplan brachte ein Teilnehmer seine Besorgnis auf den Punkt: „Ich will aber nicht, dass meine Kinder damit konfrontiert werden!“ Genau darum geht es vielen, genau darum, dass die sexuelle Vielfalt nicht nur toleriert, sondern akzeptiert werden muss („und wer es nicht tut, wird in der Meinungsdiktatur beschimpft und angegriffen“), und deswegen ist die am Niederrhein beheimatete Birgit Kelle viel unterwegs, auch in Baden-Württemberg. Was ihr den Respekt von Dr. Martin Leonhard und all denen abnötigt, die ihr für ihren Einsatz danken.

Rainer Honer, Birgit Kelle und Dr. Martin Leonhard (Foto:Robert King)

„Als hätten wir keine anderen Probleme“, wunderte sie sich einmal während ihres Vortrags. Und stellte die Anzahl der Lehrstühle den gerade mal dreien gegenüber, die sich mit den demografischen Herausforderungen im Land beschäftigen, gegenüber. Viel Verwunderung in der Brauereigaststätte.

Auch bei Rainer Honer, dem Seniorchef des renommierten Familienunternehmens. Eher mit Kopfschütteln kann er zur Kenntnis nehmen, was sich im „Gender-Gaga-Bereich ereignet. Seine Sorge gilt Tag für Tag seiner Brauerei, dass sie sich im Wettbewerb behauptet, gegenüber Billigbieren wie auch gegenüber den großen Marken. Was nur mit Qualität funktioniert und damit, dass das Unternehmen stets seiner Zeit und den Konkurrenz ein Stück voraus ist. So die faszinierende Erkenntnis während des Rundgangs, der im Sudhaus begann und in der vor drei Jahren in Betrieb genommenen, sehr innovativen Flaschenabfüllanlage endete. „Wir waren Pioniere“, stellte Rainer Honer fest, „dabei als wir vor 25 Jahren zum  integrativ-kontrollierten Anbau übergingen.“ Immer vorneweg, immer auf den neuesten Stand, doch auch ohne modischen Schnickschnack: So war die Frage nach dem veganen Bier schnell erledigt …

Und so prallten an diesem Abend in Wurmlingen zwei Welten aufeinander: die leistungsfähige Bierbrauerei, die sich  mitten im Leben und in der Auseinandersetzung um einen schwierigen Markt befindet – dort der „Gender-Irrsinn einer Spielwiese mit noch gar nicht abzusehenden Folgen für alle Bereiche unseres Gesellschaft.“

All dieses wurde mit eingebracht in den dritten Teil dieses Abends: denn dass zum Bier kaum etwas besser passt als ein gut schmeckender Wurstsalat, ist einmal eine nicht zu leugnende Tatsache. Und wurde genauso auch wahrgenommen und umgesetzt zum Abschluss der Veranstaltung.