04. April 2019
Gesundheitssymposion

Das deutsche Gesundheitssystem steht am Scheideweg. Die Alterung der Bevölkerung erhöht den Druck auf das System, die Chancen der Digitalisierung werden bislang nur unzureichend genutzt. Auf dem Gesundheitssymposion des Wirtschaftsrates Anfang April in Berlin diskutierten hochrangige Vertreter aus Politik und Gesundheitswirtschaft über die Chancen und Herausforderungen für das deutsche Gesundheitswesen. Die Tagung stand unter dem Motto „Für ein leistungsfähiges Gesundheitssystem – wirtschaftliche Vernunft und soziale Verantwortung“. 

 

Zur Eröffnung machte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn darauf aufmerksam, dass in der Gesundheitspolitik zuletzt einiges in Bewegung geraten sei und die Union alles daran setze, Wettbewerb und marktwirtschaftliche Prinzipien auch in dem hochregulierten Gesundheitsmarkt so gut wie möglich zur Geltung zu bringen. Zugleich betonte der Fachminister, dass Gesundheitsausgaben aus Sicht der Wirtschaft nicht nur als Lohnnebenkosten begriffen werden dürften. „Der Gesundheitsmarkt steht für rund zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung - mit den richtigen Ausgaben kann man hier auch vernünftige Akzente setzen“, sagte Spahn. 

 

Christian Molt, Vorstandsmitglied der ERGO Deutschland, drang in seinem Impulsvortrag für die Debatte auf dem ersten Podium darauf, den Wettbewerb zwischen privaten und gesetzlichen Krankenkassen unbedingt zu erhalten. Der Wettbewerb der Systeme sei essentiell, um einen Einstieg in die Staatsmedizin zu verhindern. Michael Dieckmann, Vorstand bei AMEOS, hob die Verlässlichkeit der Gesetzgebung des deutschen Gesundheitsmarkts im internationalen Vergleich hervor. „Mehr Markt, mehr Wettbewerb“ sei gleichwohl das Credo, für das es sich zu streiten lohne. Karin Maag, gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag, hielt ihrer Partei zugute, in den Koalitionsverhandlungen mit den Sozialdemokraten den Einstieg in eine Bürgerversicherung verhindert zu haben. Zustimmend hierzu äußerte sich Generalsekretär Wolfgang Steiger, der von einem „entscheidenden Sieg gegen die SPD“ sprach. „Der Wettbewerb zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung bleibt erhalten.“ 

 

Auf dem zweiten Podium des Tages stand das Thema Digital Health im Mittelpunkt. Istok Kespret, Geschäftsführer der HMM Deutschland GmbH, sieht erste deutliche Anzeichen für Fortschritte bei der Digitalisierung. „Alles was jetzt von der Politik angestoßen wird, muss umgesetzt werden. Das sind Türöffner.“ Digital Health werde aber nur an Fahrt aufnehmen, wenn es einen greifbaren Nutzen für Ärzte und Patienten gebe - sowie Geschäftsmodelle für die Industrie, sagte Uwe Eibich, Vorstand der CompuGroup Medical SE. 

 

Auf  Podium III diskutierten die Experten die Situation der Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Kai Hankeln von den Asklepios Kliniken machte in seinem Vortrag deutlich, dass die Krankenhäuser deutlich unterfinanziert seien. Ihnen fehlten Mittel für Investitionen, weil die Länder diese versuchten bei  den Krankenkassen abzuladen. „Das politische Kalkül ist ganz einfach“, sagte Hankeln. „So soll Druck aufgebaut werden, um Kliniken vom Netz zu nehmen.“ Dr. Markus Hamm, CEO der Schön Klinik, warnte davor, dass Krankenhäuser so unkontrolliert „vor die Wand“ führen. 

 

Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung erklärte zum Abschluss des Symposions, dass aus ihrer Sicht in der Gesundheitswirtschaft immer die Patienten im Mittelpunkt aller Bemühungen zu stehen hätten. „In unserem Gesundheitssystem ist auch dank der Digitalisierung ein Kulturwandel zu beobachten. Patienten setzen sich zunehmend mit medizinischen Informationen und Therapieoptionen auseinander“, hat Prof. Claudia Schmidtke beobachtet.

 

 

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