04. Oktober 2017
Gesundheitswirtschaft für einen starken Standort Deutschland - den demografischen Wandel als Chance nutzen
Trotz der zahlreichen gesundheitspolitischen Reformen in den vergangenen vier Jahren besteht auch in der kommenden Legislaturperiode des Deutschen Bundestages weiterhin Handlungsbedarf im Gesundheitssektor. Die demografische Herausforderung durch den Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge steht bevor, und noch ist Deutschland nicht gerüstet, die Chancen, die sich aus technologischem Wandel und innovativen Behandlungsformen ergeben, vollständig zu nutzen. Es gilt jetzt, die Weichen für ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen zu stellen – für eine hochwertige, flächendeckende, wohnortnahe und gleichzeitig bezahlbare medizinische Versorgung für alle Bürger in unserem Land.

Vor diesem Hintergrund Grund wurden in der vergangenen Sitzung ausführlich die Kernforderungen der Bundesfachkommission Gesundheitswirtschaft für die kommenden vier Jahre beraten. Hierzu gehören u.a. folgende Punkte:

 

  • Duales Krankenversicherungssystem stärken: Der Wirtschaftsrat bekennt sich zum dualen Versicherungssystem und plädiert für die Stärkung des Systemwettbewerbs zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Diese Struktur hat sich in Deutschland bewährt.
  • Wettbewerb zwischen den Krankenkassen fördern, Bürgerversicherung verhindern: Eine Bürgerzwangsversicherung als staatliche Einheitskasse würde das Ende des Wettbewerbs bedeuten und darf deshalb nicht als Alternative in Betracht gezogen werden. Um den chancengleichen Wettbewerb unter den Krankenkassen zu stärken und eine effiziente und hochwertige Versorgung der Versicherten sicherzustellen, wird ein gut funktionierender morbiditätsorientierter Risikostrukturausgleich benötigt.
  • Eigenverantwortung ausbauen, Privatsphäre erhalten: An mehr Eigenverantwortung und Vorsorge für die mit der Alterung der Gesellschaft steigenden Gesundheitskosten führt kein Weg vorbei.
  • Sektorübergreifende Behandlungsabläufe ausbauen: Prozessorientierte Versorgungsketten auf Basis von Krankheiten und Diagnosen müssen an die Stelle der aktuell an Sektoren ausgerichteten Einzelleistungen treten.
  • Elektronische Patientenakte nutzen und E-Health vorantreiben: Ganzheitliche Therapien erfordern eine sektorenübergreifende regionale Bedarfsplanung und Verfügbarkeit aller relevanten Gesundheitsdaten, sowie durchgängig elektronische Kommunikationsprozesse. Zur Digitalisierung der Behandlungsschritte der Patienten ist die durchgängige Einführung elektronischer Versorgungsakten ein entscheidender Schritt. Mit der Verabschiedung des E-Health-Gesetzes ist ein erster wichtiger Schritt vollzogen worden, dem in der neuen Legislaturperiode weitere folgen müssen.
  • Krankenhausfinanzierung und -landschaft zukunftsfähig aufstellen: Krankenhäuser brauchen eine leistungsgerechte und planbare Finanzierung. Daher ist es erforderlich, die unwirtschaftliche Mischfinanzierung der Krankenhäuser durch Kassen und Bundesländer auf den Prüfstand zu stellen und ein zukunftsfähiges Finanzierungssystem zu etablieren.
  • Pharma- und Medizintechnikindustrie in Deutschland stärken:  Die deutsche Pharma- und Medizintechnikindustrie ist ein relevanter Wirtschaftsfaktor und trägt entscheidend dazu bei, die Gesundheit der Bevölkerung zu sichern und zu verbessern. Damit die Industrie diese wichtige gesamtgesellschaftliche Funktion weiter wahrnehmen kann, muss ein angemessener Interessenausgleich bei der Preisfindung und beim Inverkehrbringen medizintechnischer Produkte gefunden werden.
  • Betriebliche Krankenversicherung stärken: Die betriebliche Krankenversicherung wird in Zukunft angesichts der Finanzierungsherausforderungen im Gesundheitssystem eine wesentlich größere Rolle spielen. Die Regelung, dass die Beiträge zur betrieblichen Krankenversicherung voll steuer- und sozialabgabenpflichtig sind, weil sie nicht länger als Sachlohn, sondern als Barlohn bewertet werden, sollte dringend korrigiert werden.

 

Das ausführliche Positionspapier bildet die Grundlage für die Gespräche des Wirtschaftsrates im Rahmen der Koalitionsverhandlungen.