26. Oktober 2016
Gewinnen für das Unternehmen durch gesundes Führen mit erfolgreichem Betrieblichen Gesundheitsmanagement
Besichtigung des Ambulanten Rehabilitationszentrum St. Elisabeth Leipzig
Im Nachgang zur diesjährigen Mitgliederversammlung der Sektion Leipzig konnte der Sektionssprecher, Christoph Klemm, an diesem Abend Mitglieder und Gäste im Ambulanten Rehabilitationszentrum St. Elisabeth Leipzig begrüßen. Zunächst präsentierte der Ärztliche Leiter und Facharzt für Orthopädie, Sportmedizin, Chirotherapie, Physikalische Therapie und Sozialmedizin, Dr. med. René Toussaint, den Anwesenden das moderne Rehabilitationszentrum.
Christoph Klemm, Sprecher der Sektion Leipzig (Foto: Wirtschaftsrat)

Die Villa wurde 1899 unter der Leitung des Leipziger Architekten Theodor Kösser erbaut. Den Auftrag dazu bekam er von Heinrich Georg Schomburgk. Im Jahr 1937 wurde sie eine Klinik der Hamburger Bethanien Schwestern. Nachdem das Krankenhaus den zweiten Weltkrieg unbeschadet überstand, wurde es als Belegklinik für Frauenheilkunde, Geburtshilfe, Augenheilkunde, HNO und Anästhesie genutzt. Gleichzeitig war es in der Zeit von 1962 bis 1994 als evangelische Berufsfachschule für Krankenpflege und Altenpflege. Somit ermöglichte die ehemalige Villa Schomburgk während der DDR-Zeit eine Berufsausbildung in der Krankenpflege in christlicher Trägerschaft des evangelisch-methodischen Diakoniewerks Leipzig. Gegen Ende der Nutzungszeit als Belegklinik war das Haus vor allem als Geburtsklinik bekannt. Im Jahr 2002 wurde hier das letzte Kind geboren und die Klinik zog um in das heutige Diakonissenkrankenhaus in Leipzig-Lindenau.Sieben Jahre später wurde das ehemalige Bethanien Krankenhaus durch das St. Elisabeth Krankhaus Leipzig erworben und ab 2011 umfangreich saniert.


Der Umzug der kleinen Abteilung eines Krankenhauses in die neugeschaffenen Räumlichkeiten erfolgte am 07.03.2014. Seitdem wird die ehemalige "Villa Schomburgk" als ambulantes Rehazentrum für muskuloskelettale Erkrankungen genutzt. 

 

Nach diesem interessanten Einblick stand der weitere Abend unter dem Thema „Gewinnen für das Unternehmen durch gesundes Führen mit erfolgreichem Betrieblichen Gesundheitsmanagement“.

 

Ilka Voigt, Geschäftsführerin der GfU Leipzig GbR - Initiative Gesundheitsförderndes Unternehmen, stellte anhand der jährlich erscheinenden Gallup-Studie den Engagement-Index vor.

 

Seit 2001 erhebt das US-Beratungsunternehmen Gallup jährlich die Studie zum Engagement und zur Motivation deutscher Arbeitnehmer (Engagement-Index). Hierbei werden Arbeitnehmer zu Arbeitsplatz und Arbeitsumfeld befragt und jeweils einer von drei Bindungsgruppen zugeordnet. Arbeitnehmer mit „hohe emotionale Bindung", diese sind ihrem Arbeitsplatz emotional verpflichtet. Sie sind loyal, produktiv, haben weniger Fehltage. Die Arbeitgeber profitieren von geringer Fluktuation. In die zweite Gruppe werden die Mitarbeiter mit „geringe emotionale Bindung" eingeordnet. Diese Arbeitnehmer leisten „Dienst nach Vorschrift". Sie sind zwar produktiv, aber dem Unternehmen nur eingeschränkt emotional verpflichtet, sie haben mehr Fehltage und verursachen höhere Fluktuationskosten. In der dritten Gruppe schließlich werden die Mitarbeiter zusammengefasst, die „keine emotionale Bindung" zum Unternehmen verspüren. Diese Arbeitnehmer arbeiten aktiv gegen die Interessen des Unternehmens und haben vielleicht auch schon die innere Kündigung vollzogen. Sie sind psychisch nicht präsent. Sie sind mit ihrer Arbeitssituation unglücklich und lassen Kollegen dies auch wissen.


Als Ergebnis der Umfrage bleibt auch diesmal, wie bereits in den Vorjahren ähnlich gravierend festgestellt, festzuhalten, dass lediglich 13 % der Arbeitnehmer loyal zu Ihrem Unternehmen stehen, 67% eine geringe emotionale Bindung verspüren. Die Folgen sind sowohl für die Leistungsfähigkeit der Unternehmen als auch für die Volkswirtschaft messbar. Die schwache bzw. nicht vorhandene emotionale Bindung führt gem. Gallup bei den betroffenen Arbeitnehmern zu zusätzlichen zwei bis vier Fehltagen im Jahr und verursache gesamtwirtschaftliche Mehrkosten von jährlich weit über 100 Milliarden Euro.


Bei rd. 31 Mio. sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Bundesrepublik ergibt sich so ein jährlicher Betrag von über 3.000,00€ pro Beschäftigtem der wirtschaftlich verpufft. So kann jeder Unternehmer für sein Unternehmen, oder auch jede Führungskraft für ihren jeweiligen Verantwortungsbereich schnell grob ermitteln, welches ungenutzte Potential hier brach liegt.


Die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens hängt im Wesentlichen von der Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter ab. Unternehmer und Führungskräfte, die dies erkannt haben sind so in der Lage, auch in der momentan wirtschaftlich schwierigen Zeit, Mitarbeiter durch gezielte Personalarbeit in Form von offener Kommunikation und wertschätzendem Umgang zu binden und die Quote loyaler Mitarbeiter zu heben um sich so einen strategischen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Denn loyale Mitarbeiter sind nicht nur effizienter, sondern das Unternehmen profitiert ferner von der positiven Außenwahrnehmung durch Kunden und Lieferanten.

 

Der Vortrag lieferte den Anwesenden eine Vielzahl von Anregungen für das eigene Unternehmen und war Grundlage vieler sich anschließender bilateraler Gespräche.

Die Anwesenden waren sich einig, dass BGM ganzheitlich betrachtet werden muss. Prävention ist hierbei nicht nur eine Frage von Arbeitsplatzergonomie und Rückenschule sondern die psychischen Faktoren der Mitarbeitergesundheit sind von Unternehmensseite wesentlich durch verbesserungsfähige Kommunikation im Unternehmen zu optimieren. Dies sollte auch vom Gesetzgeber entsprechend berücksichtigt werden. 

Dr. med. René Toussaint bei der Führung durch das REHA-Zentrum (Foto: Wirtschaftsrat)
Ilka Voigt, Geschäftsführerin der GfU - Initiative Gesundheitsförderndes Unternehmen Leipzig (Foto: Wirtschaftsrat)