18. Februar 2014
Grenzüberschreitendes Wachstum durch digitale Wertschöpfung in Schleswig-Holstein
Sektion Rendsburg-Eckernförde besucht Waldemar Behn GmbH am 18. Februar 2014
Wachstum durch digitale Wertschöpfung: Das klingt gut und ermuntert viele Unternehmen, auf die Karte E-Commerce, also Internethandel, zu setzen. Zu Recht? Dieser Frage ging die Sektion Rendsburg-Eckernförde des Wirtschaftsrates nach. Der bundesweit organisierte unternehmerische Berufsverband traf sich beim Spirituosenhersteller Behn in Eckernförde.
v.l. Landesgeschäftsführer Dr. Bertram Zitscher; die gastgebenen Gebrüder Rüdiger & Waldemar Behn sowie Sektionssprecher Dr. Christopher Leptien

Die Gastgeber, Waldemar und Rüdiger Behn, geschäftsführende Gesellschafter des 320 Mitarbeiter starken Eckernförder Unternehmens, das Getränke produziert und vertreibt, konnten für ihren Bereich sprechen: Die digitale Welt habe das Spirituosengeschäft umfassend verändert – und das in allen Bereichen wie Produktion, Vertrieb und Marketing.

 

Es gebe mehr Sortimentsvielfalt, mehr Preistransparenz und der Versandhandel nehme dramatisch zu. „Der Konsument besitzt Fachkenntnisse wie nie“, so Rüdiger Behn, allerdings sei er gleichzeitig auch verwirrt wie nie. Zu viele Informationen stürmten auf ihn ein, zu viele Foren würden die Informationen eher ausfransen als Klarheit bieten. Und doch:

 

Der Internethandel sei nicht mehr wegzudenken und biete Chancen, weltweit präsent zu sein – wenn der Anbieter auf eine qualitätsvolle Plattform zurückgreifen könne. Diesem Thema widmete sich auch Netz-Forscher Olaf Birkner in seinem Referat, in dem er eine Internetplattform hoher Qualität mit dem Gehirn des Menschen verglich. Das System Gehirn, das für Lernen, Intuition, Intelligenz, Empathie und Emotionen stehe, sei das Optimum, das ein Computer erreichen könne. Davon sei man noch weit entfernt, aber aus einer einseitigen Verteilung der Informationen sei längst eine enge Vernetzung unter Nutzern geworden.

 

Und das bedeute eine große Herausforderung, wie Alexander Goukassian, Verleger aus Kiel, anschließend darstellte. Mit 21 Jahren startete er 1994 mit seinem Verlag ausschließlich mit Printmedien, inzwischen liegt der Schwerpunkt im Online-Bereich. „Die Entwicklungsgeschwindigkeiten legen immer mehr zu.“, ist seine Erfahrung, doch der damit einhergehende Qualitätsdruck sei gut für die Guten. Mit dem unternehmensinternen Slogan „Sei kein Filmrollenhersteller!“, einem Seitenhieb auf die Firma Agfa, die den Anschluß an das digitale Zeitalter verpaßt hatte, appelliert er an sein Team, am Ball zu bleiben und auf Qualität zu setzen.

 

Und zur Qualität gehörten manchmal auch konservative Werte, wie Waldemar Behn feststellte: Fairness und Zuverlässigkeit zum Beispiel förderten den Umsatz oft besser als viele virtuelle Freunde im Social Network des Internetzes. Wie das Internet Wertschöpfung nach Schleswig-Holstein holen kann, machte anschließend Sören Schulze als Gründer und Geschäftsführer der Cliplister GmbH deutlich, einem Unternehmen aus Kiel, das inzwischen als Marktführer die Produktfilme aller großen Marken mit den großen E-Commerce-Plattformen verlinkt.

 

Der Blick in die Zukunft durfte zum Abschluß der Konferenz natürlich nicht fehlen: Carsten Stech und Alexander Schulz präsentierten die erste kommerzielle Politikplattform OPOX, die als soziales Netzwerk zukünftig eine neue Qualität für politische Informationen erzeugen und vermitteln möchte – was in der Tat ganz im Sinne des Netzforschers ein Schritt näher an das System Gehirn sein könnte und jedenfalls beim feuchtfröhlichen Ausprobieren der vorzüglichen Markenprodukte noch für reichlich Gesprächsstoff sorgte. KP