30. September 2015
Griechenland-Rettungspakete und kein Ende in Sicht?
Klaus-Peter Willsch, Mitglied des deutschen Bundestages, stellt sich den Fragen von Oliver Bock, Redakteur der FAZ, und gewährt einen kurzen Einblick in sein Buch „Von Rettern und Rebellen: Ein Blick hinter die Kulissen unserer Demokratie“ und seine Arbeit rund um die Griechenland-Krise.
v.l.n.r. Klaus-Peter Willsch MdB und Oliver Bock (Foto: Wirtschaftsrat)

Mit seinem vierten Einzug in den Bundestag und seiner Berufung in den Haushaltsausschuss, erlebte Willsch im Jahr 2009 ein Karrierehoch. Mit der Krise in Griechenland und seiner kritischen Position gegenüber den Rettungspaketen, kam es schließlich zu einem Knick in seiner Karriere. Auf die Frage von Bock, ob er sich damals als „politischer Geisterfahrer“ gefühlt habe, da er selbst aus der eigenen Fraktion kaum Rückenwind erhielt, antwortet Willsch klar: „Wenn ich alles Richtige, was ich gelernt habe, vergessen soll für einen Karrierekick, dann lass ich es lieber“. Zudem wurde ihm bewusst, dass viele Menschen, in- und außerhalb des Bundestages, zu wenig Wissen über die Situation und Währungspolitik besitzen. Aus diesem Grund entschied sich Willsch für die Verfassung und Publikation seines Buches. Seit dem 11. Februar 2010, dem, laut Willsch, „verhängnisvollsten Tag für die jüngste deutsche Geschichte“ wurde Währungsgeschichte geschrieben. Mit der Verabschiedung des ersten Rettungspaketes für Griechenland und dem Anzeichen, dass die Hilfe für Griechenland, für alle restlichen Euro-Länder, eine Selbstverständlichkeit darstelle, wurden Türen geöffnet, die nun nicht mehr geschlossen werden können, so Willsch.

 

Während des Interviews stellt Willsch klar, dass für alle EU-Länder die Möglichkeit eines Austritts entwickelt werden könne. Falls jedoch alle Defizite abgedeckt werden, könnte Griechenland in der EU bleiben, so Willsch. So müsste in Griechenland nach Einnahmen gesucht werden, die für die Behebung der Defizite genutzt werden können. Als Beispiel weist Willsch auf die Krise in New York der 70er Jahren hin, wo die damaligen Defizite aus eigener Kraft durch die gesamten Erträge der Häfen ausgeglichen werden konnten. Das Halten des Wohlstandsniveaus in den nächsten Jahren, sowie die unbefriedigende Kommunikation zwischen Deutschland und Griechenland in den Medien, betrachtet Willsch äußerst kritisch. Missverstandene Botschaften auf beiden Seiten verschärften die Lage, so Willsch. Trotz der Menge an Herausforderungen und Problemen, blickt Willsch stolz auf kleinere Erfolge seiner Arbeit in der Griechenland-Krise, wie beispielweise das Eingriffsverbot in die Haushaltskasse der Regierung ohne Kontrollen. Das Problem der Flüchtlingspolitik würde zwar die Griechenland-Krise überlagern, aber die Wahlen in Griechenland am Sonntag lassen für Willsch auf eine wiederkehrende Präsenz in der Öffentlichkeit hoffen.