29. August 2016
Landesfachkommission Junges Hamburg
Gründung leicht(er) gemacht: Der "Einheitliche Ansprechpartner"
Wer in Deutschland eine Firma gründen möchte, muss Geduld, Ausdauer und Zeit mitbringen. Von der notariellen Beglaubigung des Gesellschaftsvertrages, über die steuerliche Erfassung bis hin zur Sozialversicherungsanmeldung der Angestellten sind es mindestens acht Schritte, die der Gründungsprozess umfasst. Gerade Erstgründer können sich schnell in der Bürokratie verlieren und sind für Unterstützung dankbar. Hier kommt der sogenannte „Einheitliche Ansprechpartner“ (EA) ins Spiel.
Sitzung der Landesfachkommission "Junges Hamburg" in der Landesgeschäftsstelle des Wirtschaftsrates (Foto: Wirtschaftsrat)

Die Landesfachkommission Junges Hamburg beschäftigt sich derzeit u.a. mit der Frage, wie der Gründungsprozess (vor dem Hintergrund der Digitalisierung) vereinfacht und beschleunigt werden kann. In Hamburg gibt es dafür kaum eine bessere Anlaufstelle als den Gründerservice der Handelskammer. So hatte die Kommission zu ihrer August-Sitzung Johanna Pieper eingeladen, die der sogenannte „Einheitliche Ansprechpartner“ für Hamburg ist.

 

Hinter dem zugegebenermaßen etwas holprigen Begriff steckt die Umsetzung der europäischen Dienstleistungsrichtlinie, nach der Europa zum wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt werden soll. Die Richtlinie besagt: „Um einen echten Binnenmarkt für Dienstleistungen zu schaffen, soll die ‘Dienstleistungsrichtlinie‘ den Dienstleistern die Wahrnehmung ihrer Niederlassungsfreiheit erleichtern und den freien Dienstleistungsverkehr zwischen den Mitgliedstaaten einfacher machen […]“. Weiter ist zu lesen: „Die Richtlinie sieht u. a.

  • die Einrichtung sog. Einheitlicher Ansprechpartner vor,
  • über die alle Verfahren und Formalitäten, die für die Aufnahme und Ausübung einer Dienstleistungstätigkeit erforderlich sind,
  • abgewickelt werden können.“

 

Heißt zusammengefasst: Länderübergreifend sollen in Europa Unternehmensgründungen erleichtert werden. Die EA, die europaweit und in den einzelnen Bundesländern installiert sind, dienen Existenzgründern  und Unternehmen aus dem In- und Ausland als Anlaufstellen. Diese Funktion wird bundesweit von verschiedenen Institutionen – in Hamburg befindet sich die Geschäftsstelle in der Handelskammer – übernommen. Wie Johanna Pieper der Kommission erläuterte, begleitet sie als EA den gesamten Gründungsprozess. Zu den Leistungen gehören:

  • Gewerbeanmeldung
  • Gewerberechtliche Fragen klären, z.B. zu §34c GewO, zu Rechtsformen, zum Alkoholausschank oder zu Veranstaltungen auf öffentlichen Wegen etc.
  • Existenzgründungsberatung für Gründer aus Hamburg, der EU und aus Drittstaaten
  • Informationen zu Registern, Behörden und Verbänden erteilen
  • Anfragen an Fachexperten weiterleiten
  • Zwischen Kunde und Behörden vermitteln
  • Aktuelle Verfahrensabläufe und den Verfahrensstand beobachten

 

In der Praxis heißt das für die Kunden bzw. Gründer, dass sich der bürokratische Aufwand im Idealfall auf ein Minimum reduzieren lässt. Laut Johanna Pieper wird der EA grundsätzlich gut angenommen, allerdings gebe es noch sehr großen Nachholbedarf. Vielen Gründern sei der EA – nicht nur in Hamburg – immer noch weitgehend unbekannt. Unter den Kommissionsmitgliedern, einige davon sind selbst im Gründungsprozess, bestätigte sich dieser Eindruck. Dennoch: Zwischen 2010 und 2015 sind die Anfragen von Existenzgründern und Unternehmen um rund 30 Prozent angestiegen (723 -> 1.038). Im ersten Halbjahr 2016 gab es 538 Anfragen.

 

Hamburg ist ein attraktiver Gründungsort und verfügt schon jetzt über ein gutes Gründernetzwerk. Der EA scheint ein adäquates Instrument zu sein, um die hiesige Gründerlandschaft auch unter internationalen Gesichtspunkten zu erweitern.

Kontakt
Christian Ströder
Referent für Wirtschaftspolitik
Wirtschaftsrat der CDU e.V. Landesverband Hamburg
Telefon: 040/ 30381049
Telefax: 040/ 30381059