25. Januar 2016
"Hamburg und Schleswig-Holstein - strategische Zielsetzung für den Sprung in die Champions-League"
Der Wirtschaftsrat der CDU zu Gast in Kaltenkirchen bei der Jungheinrich AG
v.l. Dr. Klaus-Dieter Rosenbach, Christian Sowada, Norbert Basler, Dr. Glenny Holdhof, Olaf Scholz und Torsten Albig (nicht im Bild: Gunther Bonz) / Foto: Wirtschaftsrat

Der Kaltenkirchener Bürgermeister Hanno Krause konnte es kaum fassen: Sowohl Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz als auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig hatten auf Krauses Nachfrage, ob es eine Entwicklungsmöglichkeit für die seit Jahrzehnten brachliegenden Reserveflächen für den in 1960er Jahren nahe Kaltenkirchen geplanten Hamburger Großflughafen geben könne, keine Einwände. „Machen Sie einen Vorschlag“, so Scholz, es sei sicher, daß in Kaltenkirchen niemals das Flughafenprojekt wieder aufleben werde. Albig stimmte dem zu. „Dann machen wir uns mal an die Arbeit“, so Krause.

 

Der Kaltenkirchener Bürgermeister hatte in seiner Stadt die beiden Länderchefs auf Einladung des schleswig-holsteinischen Wirtschaftsrates der CDU zu Gast. Thema der Veranstaltung: Sprung in die Champions League – wie gut ist die Metropolregion gerüstet? Gemeinsam mit Gunther Bonz, Staatsrat a. D., und Norbert Basler, Vorsitzender des Aufsichtsrates der BASLER AG, beide jeweils Mitglieder im Landesvorstand der Wirtschaftsräte der CDU e.V. für Hamburg bzw. Schleswig-Holstein, saßen Albig und Scholz in der von Christian Sowada, Sprecher der Sektion Segeberg des Wirtschaftsrates moderierten Diskussionsveranstaltung, die im Logistik- & Ersatzteilzentrum der Jungheinrich AG an deren neuem Standort in der Maybachstraße 1 in Kaltenkirchen stattfand.

 

 

Die Teilnehmer und Gäste der Veranstaltung machten von der Einladung Gebrauch, sich vorab einen Einblick in das im Jahr 2013 in Betrieb genommene modernste europäische Logistik-zentrum zu verschaffen. Vorstandsmitglied Dr. Klaus-Dieter Rosenbach berichtete: 250 Mitarbeiter am Standort, 70.000 Ersatzteile, 22.000 Quadratmeter bebaute Fläche mit vollautomatischem Hochregallager und einer Quote von 98 Prozent Auslieferungen innerhalb eines Tages an die Kunden. „Wir sehen uns als Hamburger Unternehmen“, so Dr. Rosenbach, der sogleich im Thema Metropolregion Hamburg angekommen war. Insgesamt erziele die Jungheinrich AG 2,7 Milliarden Euro Umsatz und beschäftige weltweit 13.000 Mitarbeiter, allein in der Metropolregion 2.700 Arbeitnehmer. „Wir sehen Hamburg als extrem wichtige Region, gute Rahmenbedingungen sind also erforderlich“, so Dr. Rosenbach.

 

Das unterstrich auch Dr. Glenny Holdhof, geschäftsführende Gesellschafterin eines Kieler Pumpenherstellers und schwedische Honorarkonsulin, an diesem Abend stellvertretend für den Botschafter des Königreichs Schweden unterwegs, um die skandinavische Sicht auf die strategischen Herausforderungen der Metropolregion Hamburg in die Diskussion mit den beiden Regierungschefs einzubringen. Deutschland sei Schwedens wichtigster Handelspartner und Hamburg die deutsche Stadt mit den meisten schwedischen Unternehmen. Die feste Fehmarn-Belt-Querung werde die Wachstumspotentiale auf beiden Seiten weiter vergrößern und habe aus schwedischer Sicht enorme Bedeutung.

 

Anknüpfend an diese Sicht aus der Vogelperspektive lenkte Sowada den Blick sofort auf das Stocken der großen norddeutschen Verkehrsinfrastrukturprojekte, nämlich auf die Elbver-tiefung, den Weiterbau und die Planung der A 20 samt westlicher Elbquerung und die Folgen der Mindertiefen im Hamburger Hafen. Bonz berichtet zur Situation des Hamburger Hafens, daß die Ausbaggermaßnahmen ausgesetzt worden seien, obgleich Massengutfrachter bereits ihre Zielorte in Hamburg nicht mehr anlaufen können. Scholz und Albig dazu: „Wir arbeiten gemeinsam an einer dauerhaften Lösung für die Schlickentsorgung“. Bonz stellt das allerdings nicht zufrieden: „Wir brauchen zuerst eine kurzfristige Lösung, bevor man in Ruhe nach einer langfristigen sucht.“

 

Zur Elbvertiefung verweist Scholz auf die Planfeststellung und das anhängige Gerichtsverfahren. Albig ergänzt bezogen auf die Vielzahl der Klagen und Hürden beim Weiterbau der A 20: „Die Klagen gegen die Projekte kommen von unseren Bürgern, die tagsüber für einen Ausbau im Sinne der Logistik stimmen und abends gegen geplante Baumaßnahmen an ihrem Wohnort klagen.“ Das hohe Klagerisiko erfordere eine sorgfältige und gründliche Vorbereitung. Sonst drohten wie im Falle des gerichtlich gestoppten Ausbaus der A 20 bei Bad Segeberg, bekannt geworden durch das Fledermausurteils, Fehler, die das gesamte Verfahren um Jahre zurück-werfen.

 

„Niemand will chinesische Verhältnisse“, entgegnete Norbert Basler, aber sehr wohl ein Gleichgewicht von Gemein- und Einzelwohl. Wenn das Einzelwohl Fortschritte beim Gemeinwohl zunehmend blockiere, sei es zuvorderst die Aufgabe der Regierungschefs, die Notwendigkeit für die strategischen Fortschrittsprojekte nach außen wie nach innen wirksam zu verdeutlichen. „Familienunternehmen denken erfolgreich in Jahrzehnten, das sollte die Politik auch tun“, so Basler.

 

Albig und Scholz zeigten sich auf der Bühne stets im besten Einvernehmen, bleiben aber im Allgemeinen, als Dr. Christan von Boetticher nach konkreten Projekten für die arbeitsteilige Spezialisierung der beiden Landesverwaltungen mit Blick auf die Landesplanung fragt. Zu kurz, allerdings aus Zeitgründen, kamen ebenso die Komplexe der Hochschul-, Forschungs- und Innovationspolitiken wie auch die des Digitalen Umbruchs, die nach der Auffassung des Wirtschaftsrates der CDU e.V. zusammen mit den skandinavischen Partnern strategisch entwickelt werden sollten. Sowada plädiert deshalb für eine Fortsetzung der Debatte und endet mit dem Wunsch nach einer abgestimmten Strategie im Jahr nach dem Scheitern der Olympiabewerbung: „Unsere strategischen Ziele haben sich überhaupt nicht verändert, wir sollten sie deshalb gemeinsam fest im Blick behalten, sonst droht anstelle eines Aufstiegs in die Champions League der Abstieg.“ kp/BZ

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