29. September 2015
Hapag-Lloyd - auf gutem Kurs in Richtung Zukunft
Rolf Habben Jansen, Vorstandsvorsitzender der Hapag-Lloyd AG, berichtete beim Wirtschaftsrat über die Neuaufstellung des Hamburger Traditionsunternehmens
Im Juli 2014 übernahm der Niederländer Rolf Habben Jansen das Ruder bei Hapag-Lloyd, der viertgrößten Linienreederei der Welt. Einmal klar Schiff machen, lautete seine Mission. Und das hat er auch: Der Verlust von € 173 Millionen im zweiten Quartal 2014 hat sich ein Jahr später in einen Gewinn von € 157 Millionen verwandelt. Fast schon ungläubig berichten die Medien vom neuen frischen Wind, der durch das Unternehmen am Ballindamm weht – von Nachmittagen ohne Krawatte und von E-Mails, die mit „Rolf“ unterschrieben sind, ist die Rede.
Rolf Habben Jansen, Vorsitzender des Vorstandes der Hapag-Lloyd AG, spricht beim Wirtschaftsrat Hamburg über den Zukunftskurs seines Unternehmens (Foto: Wirtschaftsrat)

Der Erfolg gibt Habben Jansen Recht. Auf welchem guten Weg sein Unternehmen ist, zeigte sich nicht zuletzt am 29. September 2015. An diesem Tag titelte das Hamburger Abendblatt „Kurs auf die Börse“ und der Vorstandsvorsitzende erklärte im Zeitungsinterview: „Das ist ein bedeutender Meilenstein in der Geschichte von Hapag-Lloyd.“ Dass der Niederländer ausgerechnet an diesem Tag auch beim Wirtschaftsrat Hamburg der Vortragende sein sollte, freute die rund 150 Mitglieder und Gäste im Ehemaligen Hauptzollamt Hafen Hamburg umso mehr. „Das war natürlich alles so geplant“, sagte Gunther Bonz, Vorstandsmitglied des Wirtschaftsrates, augenzwinkernd bei der Begrüßung.

 

„Bei den Gesprächen zum Zusammenschluss mit CSAV gab es ein Thema, über das wir mit allen Partnern nie verhandelt haben – und das war unser Hauptsitz Hamburg. Es ist der wichtigste Hafen für unsere Reederei, dafür stehen wir. Und wir sind stolz darauf, ein deutsches und ein Hamburger Unternehmen zu sein“, betonte Habben Jansen. Der Logistikexperte ging in seinem Vortrag auf die Branche der Containerschifffahrt allgemein ein, berichtete von der Neuaufstellung und -strukturierung seines Unternehmens und erläuterte die Erfolgsfaktoren der Zukunft.

 

Als reine Container-Reederei befinde sich Hapag-Lloyd, gemessen an der Kapazität, weltweit unter den Top 4 Unternehmen. Das Unternehmen unterhalte knapp 190 Containerschiffe mit rund einer Million TEU (Twenty-foot Equivalent Unit, zu Deutsch Standardcontainer) Stellplätzen. Weltweit beschäftige Hapag-Lloyd rund 10.000 Mitarbeiter und betreibe neben dem Sitz in Hamburg 350 weitere Standorte.

 

Mittelfristig gesehen, sei die Containerschifffahrt eine „attraktive Branche“. Auch, wenn man in der Presse der letzten Jahre eher negative Schlagzeilen gefunden habe, so Habben Jansen. Die Containerschifffahrt habe in den letzten 15 Jahren jährlich ein durchschnittliches Wachstum von vier bis fünf Prozent erzielt, was immerhin mehr als das weltweite Wirtschaftswachstum gewesen sei. Nur 2009 in der Weltwirtschaftskrise sei das Transportvolumen gesunken.Die Zukunftsprognose liege in einer ähnlichen Größenordnung. Das Bruttoinlandsprodukt und die Fundamentaldaten zum Nachfragewachstum blieben größtenteils beständig, weshalb drei bis fünf Prozent Wachstum durchaus realistisch seien. Seinen Optimismus zieht der Hapag-Lloyd Chef vor allem aus drei Entwicklungen:

 

  • Erstens hätten sich die Bestellungen von Neubauten auf einem sehr nachhaltigen Niveau stabilisiert, nachdem sie vor fünf bis sieben Jahren außergewöhnlich hoch gewesen seien.
  • Zweitens werde der Vorteil von immer größeren gegenüber kleinen Schiffen geringer.
  • Drittens profitiere das Unternehmen von der Verbreiterung des Panamakanals, der ab dem nächsten Jahr für größere Schiffe nutzbar sei.
Voller Saal und viel Atmosphäre im Ehemaligen Hauptzollamt Hafen Hamburg (Foto: Wirtschaftsrat)

Zu den Stärken des Hamburger Traditionsunternehmens zählt Habben Jansen, dass es die viertgrößte Reederei der Welt und Teil der zweitgrößten Allianz, der „G6 Alliance“, ist. Mitglied einer Allianz zu sein, „ist die einzige Möglichkeit, Transportkosten auf einem wettbewerbsfähigen Niveau zu haben“, erklärte Habben Jansen. „Fast alle Reedereien sind zu klein, um allein diese ganz großen Schiffe zu betreiben.“ Hapag-Lloyd profitiere außerdem von einem sehr guten Netzwerk und sei eine führende, weltweit tätige Reederei mit ausgewogener Streckenzusammensetzung. Das ist wichtig, denn „in der Containerschifffahrt ist es eines der großen Probleme, dass nicht jedes Fahrtgebiet jedes Jahr sehr profitabel ist“, so der Niederländer. Außerdem könne ein Fahrtgebiet, das heute sehr profitabel sei, morgen vielleicht von den Frachtraten eine Katastrophe sein. 

 

Deutschlands größte Reederei hänge nicht von einem Fahrtgebiet ab, sondern zeige überall Präsenz, was für ein stabiles Wachstum unerlässlich sei. Die Schiffe der Flotte hätten ein Durchschnittsalter von etwa sieben Jahren, was im Vergleich mit den Branchenführern sehr jung und modern sei. Das wirke sich auch auf den Treibstoffverbrauch positiv aus. „Es ist eine gute Flotte, die Größe der Schiffe liegt über dem Durchschnitt. Von daher sollten wir schon wettbewerbsfähig sein“, betonte Habben Jansen. „Wie andere in unserer Branche auch, besitzen wir viele der großen Schiffe und chartern eher die kleineren Schiffe zusätzlich in die Flotte ein.“ Allerdings betrage die Eigentumsquote bei den Containern nach dem Zusammenschluss mit der CSAV Werte, die für Hapag-Lloyd ungewöhnlich niedrig seien. Hier sieht der Vorstandsvorsitzende Verbesserungspotenzial.

 

Für die Zukunft hat Hapag-Lloyd fünf Schlüssel-Initiativen gestartet, die das Unternehmenswachstum sichern und stärken sollen. Das Projekt CUATRO, die Fusion mit der chilenischen CSAV, wurde im Sommer abgeschlossen. Der Integrationsprozess wurde laut Habben Jansen schneller abgeschlossen als geplant, was er an drei Punkten festmachte:

 

  • Gute Vorbereitung und Planung: 50 bis 100 Mitarbeiter waren ausschließlich mit der Vorbereitung der Fusion befasst.
  • Training von mehreren tausend Mitarbeitern des chilenischen Unternehmens auf den Hapag-Lloyd-IT-Systemen durch rund 200 Mitarbeiter von Hapag-Lloyd.
  • Frühe und genau überwachte Entscheidungen.

 

Deswegen habe Hapag-Lloyd die Erwartungen an die Synergieeffekte von $ 300 Millionen auf $ 400 Millionen jährlich angehoben.

Die Vorstandsmitglieder Ulf Gehrckens und Astrid Lurati (links) sowie Christina Block und Gunther Bonz (rechts) mit Rolf Habben Jansen (Foto: Wirtschaftsrat)

Ein zweites Projekt trägt die Bezeichnung OCTAVE. „Das ist vor allem ein kostensenkendes Programm, weil es schon sehr deutlich ist, dass wir bei Hapag-Lloyd eine Kostenlücke im Vergleich zu einigen Wettbewerbern haben“, räumte Habben Jansen ein. Dieses Projekt sehe Maßnahmen zur Verbesserung von allen betrieblichen Bereichen vor und beruhe auf der Definition von acht Arbeitsgruppen. Es seien bereits Veränderungen in der Struktur und bei den Zuständigkeiten umgesetzt worden.

 

Es handele sich bei der Containerschifffahrt um eine „kapitalintensive Industrie, und das bedeutet, dass man investieren muss“, sagte der Logistikexperte. In gerade für Lateinamerika geeignete, neue Schiffe sei bereits investiert worden, um die dortige Marktführerschaft zu konsolidieren. Außerdem liefen Gespräche mit den Partnern der G6-Alliance, wie die Wettbewerbsfähigkeit auf den Ost-West-Routen durch weitere Investitionen gesteigert werden könne. Auch werde es einen neuen Sales-Ansatz geben, der die Umsatzqualität um mindestens zwei Prozent erhöhen soll. Hierfür existierten bereits Pilotprojekte, deren Ergebnisse ab 2016 eingegliedert und umgesetzt werden sollen. Davon erwarte man ein signifikantes Wachstum und eine erhebliche Steigerung der Ertragskraft.

 

Zur Erfolgsgeschichte von Hapag-Lloyd zählt Habben Jansen u.a. die Verringerung der Kosten, die deutlich stärker sichtbar sei als bei vergleichbaren Reedereien. CUATRO, OCTAVE und die strukturellen Veränderungen hätten bereits eine erhebliche Verbesserung der Kostenstruktur mit sich gebracht. „233 US-Dollar/TEU Kosteneinsparung gegenüber 2014 ist schon eine beeindruckende Zahl, aber noch wichtiger ist, dass, wenn man den Vergleich zieht mit Kollegen aus unserer Branche, wir uns viel mehr verbessert haben. Das ist am Ende, was zählt, denn das macht uns wettbewerbsfähig“, erklärte Habben Jansen.

 

Im ersten Halbjahr 2015 habe Hapag-Lloyd ein äußerst gutes Ergebnis in einem herausfordernden Umfeld erzielt. Tatsächlich seien die Bedingungen am Markt ähnlich wie 2009, dem Krisenjahr der Schifffahrt, gewesen. Das Unternehmen habe jedoch im ersten Halbjahr 2015 ein viel besseres Ergebnis zustande gebracht als vor sechs Jahren. Das zeige, „dass das Unternehmen viel erreicht hat in den letzten fünf bis sechs Jahren“, befand Habben Jansen. Des Weiteren habe sich die Rentabilität der Traditionsfirma im Inner-Branchen-Vergleich von Position 12 in 2014 auf Platz 3 im Jahre 2015 sprunghaft verbessert. „Das bedeutet nicht, dass wir fertig sind. Und das bedeutet nicht, dass wir keine Sachen mehr vor uns haben. Aber das bedeutet schon, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, resümierte Rolf Habben Jansen. Diese Entwicklung sei ein Indiz dafür, dass Hapag-Lloyd gute Zukunftsaussichten habe.

 

Dem Vortrag schloss sich eine rege Fragerunde an, bei der es u.a. um die Bedeutung des Standorts Hamburg für Hapag-Lloyd und die Neustrukturierung des Managements ging. Vertieft wurden die Gespräche beim anschließenden Get-together.

 

Kontakt
Christian Ströder
Referent für Wirtschaftspolitik
Wirtschaftsrat der CDU e.V. Landesverband Hamburg
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