22. April 2020
Aus den Ländern (Baden-Württemberg): Helden aus dem Ländle - Ein Gespräch mit Friedrich von Bohlen und Halbach
In der neuen Veranstaltungsreihe des Jungen Wirtschaftsrates sprach Friedrich von Bohlen und Halbach mit Markus Barner über einen möglichen Impfstoff, Investitionen in Biotech und Fussball-Geisterspiele.
Dr. Friedrich von Bohlen und Halbach war als erster Gast in der Reihe "Helden aus dem Ländle" (Foto: Molecular Health)

Am Abend des 22. April 2020 lud der Junge Wirtschaftsrat zu der ersten Veranstaltung seiner digitalen Veranstaltungsreihe „Helden aus dem Ländle“. Zu Gast war Dr. Friedrich von Bohlen und Halbach, seines Zeichens Geschäftsführer und Mitbegründer der Molecular Health GmbH. Darüber hinaus fungiert er derzeit als Aufsichtsratsmitglied der CureVac AG, welche intensiv nach einem Impfstoff für das neuartige Corona-Virus forscht. Im Gespräch mit Markus Barner, Vorsitzender des Jungen Wirtschaftsrats, sprach Dr. von Bohlen über die aktuelle Forschung, die Rolle der Biotechnologie in der deutschen Wirtschaft und seine eigene Vita.

 

 

Nachdem Dr. von Bohlen sich im Zuge seines Studiums der Biochemie an der Universität Zürich bereits auf akademischer Ebene mit Biotechnologie auseiangersetzt hatte, verlegte er seinen Schwerpunkt im Laufe der Zeit von der Wissenschaft zum Unternehmertum. 2005 gründete gemeinsam mit Christof Hettich und Dietmar Hopp  die dievini Hopp BioTech holding GmbH & Co. KG, welche derzeit ein Portfolio von elf Unternehmen führt. Die CureVac AG, deren Aufsichtsrat Herr von Bohlen angehört, ist in Deutschland einer der Vorreiter in der Entwicklung eines möglichen Covid-19-Impfstoffs. In einem Best-Case-Szenario hält es von Bohlen für möglich, „dass in diesem Jahr ein Impfstoff auf den Markt kommt“. Bereits vorhandenes Rohmaterial müsse jedoch anhand der Kriterien Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit evaluiert werde,  bevor eine Markteinführung möglich sei. Wenn die klinischen Testphasen vielsprechende Ergebnisse brächten, insbesondere hinsichtlich der genannten Faktoren, „könnten die Behörden eine konditionale Zulassung erteilen“.

 Neben Curevac befassen sich insbesondere die  Unternehmen Biontech und Moderna mit der Entwicklung eines Impfstoffes. „Wir werden nicht die ersten sein, aber wir könnten einen der besten Impfstoffe haben“, erklärt von Bohlen. Trotz einer gewissen wirtschaftlichen Konkurrenz mit den Wettbewerbern sei es für ihn nicht entscheidend, wer letztlich als Erster einen Impfstoff entwickelt. Vielmehr erhöhe die parallele Forschung der drei Unternehmen mit jeweils verschiedenartigem Rohmaterial die Chance, schnell einen sicheren und wirksamen Impfstoff zu erhalten.

 

Da die Erforschung und Entwicklung eines Impfstoffes jedoch mit hohen Kosten verbunden ist, sei auch die Bundesregierung gefordert, forschende und hochinnovative Unternehmen aktiv zu unterstützen. Insbesondere Investitionen in die Infrastruktur seien hierbei ein wichtiger Faktor, um hochinnovative Unternehmen im Land halten zu können. Obgleich Deutschland im Bereich der akademischen Ausbildung und Grundlagenforschung im Biotechnologiesektor hervorragend aufgestellt sei, hapere es an der Transmission dieser Fähigkeit in die unternehmerische Umsetzung. Dies führt Dr. von Bohlen insbesondere auf zwei Faktoren zurück: Zum Einen müsse die Bundesrepublik deutlich mehr Anreize für Eigenkapitalfinanzierungen setzen, da Innovationen schlicht nicht mit Fremdkapital finanzierbar seien. Hier sei insbesondere die USA Deutschland noch um einiges voraus. Zum Anderen bemängelt er eine fehlende Toleranz hinsichtlich etwaiger unternehmerischer Misserfolge. „Es fehlt die Bereitschaft, das Risiko des unternehmerischen Scheiterns zu akzeptieren“. 

Der Schlüssel zur Corona-Bekämpfung könnte im messenger-RNA-Verfahren liegen (Bild: Reuters/Andreas Gebert)

Scheitern sei jedoch im innovativen Sektoren, insbesondere in der Biotechnologie, ein steter Begleiter der täglichen Arbeit.Dies treffe auch für CureVac zu. Jedoch habe das Unternehmen  durch die mediale Aufmerksamkeit, verbunden mit einem rapiden Bekanntheitsanstieg, „vier unglaubliche Wochen“ hinter sich. Auch nach der Entwicklung eines Impfstoffes müsse deswegen das ausgegebene Ziel sein, sich im Bereich der „Big-Player“ der Biotechnologie zu etablieren.  Auf die abschließende Frage, was die Bundesrepublik tun müsse, um in Zukunft auf vergleichbare Situationen besser vorbereitet zu sein, hat von Bohlen eine klare Antwort: „Wir sollten viel mutiger sein, innovative Unternehmen bei uns zu etablieren“.  Innovationen seien essentiell, um Wohlstand erhalten und ausbauen zu können, weshalb die Bundesrepublik alle notwendigen Anstrengungen unternehmen sollte, um diese im eigenen Land zu fördern und die Rahmenbedingungen zu optimieren. 

 

Die Presseechos zur Veranstaltung können Sie hier nachlesen.

 

Die Aufzeichnung des Gesprächs können Sie hier ansehen.