29. April 2015
Herausforderungen der Niedrigzinspolitik
Wirtschaftsrat Olpe diskutiert Wirkungen und Nebenwirkungen
v.l.n.r. Martin Häner, Hans-Jürgen Segbers, Werner Schmidt, Dr. Christopher W. Grünewald (Foto: Wirtschaftsrat)

Wie wirkt sich die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) auf unser Wirtschaftssystem aus? Diese Frage stellte die Sektion Olpe des Wirtschaftsrates der CDU e.V. Hans-Jürgen Segbers, geschäftsführender Gesellschafter der Segbers Portfolio Management Consulting GmbH.


„Die Entscheidung der EZB, auf die europäische Wirtschaftskrise mit einer Niedrigzinspolitik zu reagieren, um die Konjunktur anzukurbeln, hat weitreichende Folgen“, gab Segbers zu bedenken. Es handle sich um den stärksten Eingriff in den Kapitalmarkt seit 100 Jahren. Für die Geldwertstabilität und die ökonomische Funktion des Zinses als Allokationsinstrument seien die Nebenwirkungen stärker als bisher angenommen. „Ein Ende der Niedrigzinspolitik ist nicht abzusehen.“


Leidtragende dieser Entwicklung seien die privaten Sparer, Banken, Lebensversicherer und Unternehmen. Sparer könnten kaum noch Vermögen aufbauen und müssten geringe Erträge bei Riester-Rente, betrieblicher Altersvorsorge und Lebensversicherungen akzeptieren. „Auch das Bankensystem haben zu kämpfen“, führte Segbers weiter aus. Die Niedrig-Zinspolitik verringere die Rentabilität und führe zur Destabilisierung der Banken. Weitere negative Auswirkungen beträfen die Pensionsrückstellungen von Unternehmen. „Diese müssen aufgrund des geringen Rechnungszinses erhöht werden.“


Des Weiteren habe die Null-Zins-Politik der EZB eine weitere Schattenseite hervorgebracht. Derzeitig sei zu viel Geld in den Kapitalmärkten im Umlauf, wodurch das Risiko von kreditgetriebenen Vermögenspreisblasen bei Immobilien und Aktien steige, warnte der Kapitalmarktexperte. Abschließend schlussfolgerte Segbers: „Die Null-Zinspolitik betrifft nicht nur die Sparer. Sie stellt eine erhebliche Gefahr für die gesamte Wirtschaft dar.“