13. Juni 2019
Junger Wirtschaftsrat
Im Herzen der Hafer-Welt
JWR Business Lounge @PeterKölln
Seit fast 200 Jahren ist das Familienunternehmen Peter Kölln aus Elmshorn in der Lebensmittelproduktion aktiv. Anfang des 20. Jahrhunderts widmete sich der Betrieb zunehmend der Haferverarbeitung und brachte 1938 erstmals die berühmten „Blütenzarten Köllnflocken“ in der charakteristischen, hell- und dunkelblauen Packung auf den Markt. Heute ist Kölln 92 Prozent der Deutschen ein Begriff und auch im europäischen Ausland präsent.
Dr. Christian von Boetticher, Geschäftsführer Peter Kölln GmbH & Co. KGaA (Foto: Wirtschaftsrat/Christian Ströder)

Im Rahmen seiner „JWR Business Lounge“ hatte der Junge Wirtschaftsrat die exklusive Gelegenheit, Einblick in die Produktion von Kölln zu bekommen, in der jährlich rund 60.000 Tonnen Hafer verarbeitet werden. Begrüßt wurden die Besucher durch den Geschäftsführer Dr. Christian von Boetticher, der den Wirtschaftsrat als Landesvorsitzender in Schleswig-Holstein selbst bestens kennt.

 

In einer kurzen Einführung wandte sich von Boetticher der Unternehmensstrategie zu, die sich seit 1820 durch Qualität und Tradition auszeichne. Das von Hans Hinrich Kölln gegründete Unternehmen habe eine Sonderstellung am Markt, da es seine Produkte „vom Feld bis zum Frühstückstisch“ – also von der Rohstoffverarbeitung bis zur Produktauslieferung – komplett selbst verarbeite. Während früher vor allem die klassischen Köllnflocken die Verkaufsregale füllten, produziere das Unternehmen heute ergänzend zu den Haferflocken diverse Müslisorten, Cerealien, Müsliriegel und gar Haferdrinks für ganz Deutschland sowie das europäische Ausland. Auch in Indien und China strebe man Marktpräsenz an. 

Wo Lebensmittel im Spiel sind, hat Hygiene höchste Priorität. Weißer Kittel und Haarnetze waren Pflicht für die Besucher (Foto: Wirtschaftsrat/Christian Ströder)

In die Zukunft blickend stellte der Geschäftsführer klar, dass selbst ein Traditionsunternehmen wie Kölln sich in einer konstant wandelnden Marktlandschaft durch neue Innovationen stetig weiterentwickeln müsse. Der Betrieb brauche Zukunftsvisionen und müsse die „Vergangenheit in die Gegenwart holen, aber dann nicht stehenbleiben“, so von Boetticher. Internationaler Austausch sowie Kooperationen mit jungen Unternehmen eröffneten dabei wertvolle Perspektiven in zukünftige Food-Trends und neueste technische Entwicklungen. So habe sich die Elmshorner Produktion jüngst etwa durch die Herstellung glutenfreier Haferprodukte oder die Kreation exotischer Müslisorten erweitert.

 

Aufgrund seiner langen Geschichte und daraus resultierenden Markenbekanntheit verfolge Kölln, anders als mancher Konkurrent, eine eher passive Marketingstrategie. So verzichte man in Elmshorn bewusst auf omnipräsente Publicity und bevorzuge gezielte Werbemaßnahmen. Um die junge Generation durch Soziale Medien zu erreichen, setze man zudem auf authentisches Feedback statt auf Promotions durch „gekaufte“ Influencer. So organisiere Kölln zum Beispiel Workshops zu den vielfältigen Gebrauchsmöglichkeiten des Hafers. Zu diesen Events würden auch Foodblogger eingeladen, die im Anschluss selbst entscheiden könnten, ob und wie sie ihre Produkterfahrungen mit den eigenen Followern teilen. 

Blick auf das Produktionsgelände von Peter Kölln (Foto: Wirtschaftsrat/Christian Ströder)

Nach der Präsentation ging es für den Jungen Wirtschaftsrat, ausgestattet mit weißen Kitteln und roten Haarnetzen, zur Werksführung durch die vollautomatisierte Haferverarbeitung. Vorbei an den riesigen Silos, in denen 12.000 bis 14.000 Tonnen Hafer zur Lagerung Platz finden, führte Dirk Kahlke zunächst in die Produktionshalle für Müsli und Cerealien: Hier wird der Hafer mit Hafervollkornmehl, flüssigem Malz, Wasser und Wasserdampf vermengt und zu einer Masse verarbeitet, welche später wiederum in knusprige Flakes zerbrochen wird. Es folgt die Vermischung mit verschiedensten Zutaten, wie Nüssen, Früchten oder Schokolade, um die Müsli fertigzustellen – dem herrlich süßen Geruch in der Halle war nicht nur für Naschkatzen schwer zu widerstehen!

 

Die Produktion ist wöchentlich getaktet und kann bei Spezialisierung und Einsatz aller Maschinen bis zu 400 Tonnen eines Müslis pro Woche herstellen. Auch die zahlreichen fertigen Packungen, von denen 140 Stück in der Minute übers Band flitzen, beeindruckten die Besucher. Den abschließenden Höhepunkt der Führung stellte jedoch der Blick ins Hochregallager dar. Vollständig automatisiert stapeln hier schienengeführte Fahrzeuge über 5.500 Paletten mit Haferprodukten in bis zu 32 Metern Höhe.

 

Zum Abschluss konnten die Mitglieder des Jungen Wirtschaftsrates letzte Fragen mit Dirk Kahlke klären, während sich alle mit Riegeln und Keksen – natürlich aus bestem Hafer – für den Heimweg nach Hamburg stärkten.