04. März 2016
In Deutschland wäre das undenkbar
Wirtschaftsrat diskutierte mit dem prominenten Gründer Catalin Voss
Politiker und Unternehmer sieht der Wirtschaftsrat Baden-Württemberg gleichermaßen gefordert, um die Innovationskraft zu stärken. Landesvorsitzender Joachim Rudolf: „Wir müssen zurück in die erste Startup-Liga.“

Der größte Unternehmerverband des Landes regt u.a. einen Schulterschluss von Gründern und Traditionsunternehmen an. Mit mehr als hundert Vertretern aus Wirtschaft und Politik diskutierte der Verband in Stuttgart über Trends, Chancen und Risiken.

 

Mehrfach-Gründer Adrian Thoma: „Wir brauchen einen Mentalitätswechsel, Startups sind keine Exoten.“ Er warnt davor, Startups als Klein-Versionen oder Ausgründungen großer Unternehmer zu sehen. Sie bräuchten neben den richtigen Rahmenbedingungen auch den Rückhalt gesetzter Unternehmer. Im Zusammenspiel zwischen Startups, Mittelstand und Industrie sieht er ein enormes Potential, das noch nicht erschlossen sei. „In Deutschland geht es immer um Planbarkeit und Ziele.“ Innovation entstehe aber dort, wo man sich auf einen unbekannten Weg traue. „Plantreue bedeutet den Tod für jede Art von Innovation“.

 

Ähnlich äußert sich auch Catalin Voss, der live aus dem Silicon Valley zugeschaltet wurde. Mit 15 Jahren kam der Heidelberger ins Valley, mit 16 Jahren übernahm er dort Personal-Verantwortung. Voss: „In Deutschland wäre mein Berufsweg undenkbar.“ Das Valley biete mehr Flexibilität, weniger Bürokratie und leichteren Zugang zu Kapital. „Wichtig für den unternehmerischen Erfolg sind Netzwerk und Mentoren. Du wirst hier ernst genommen, du darfst scheitern und es danach noch einmal versuchen.“ Anders sei zudem die Herangehensweise: „Ich fokussiere mich nicht auf das Unternehmen und den Kontext. Ich fokussiere mich auf das Problem und seine Lösung.“

 

CDU-Fraktionsvorsitzender Guido Wolf begrüßt die Forderung des Wirtschaftsrates, Baden-Württemberg wieder in der ersten Startup-Liga zu positionieren. Er versprach, in einer von ihm geführten Landesregierung den Rahmen dafür zu schaffen: schnelle Internetverbindungen und insgesamt bessere Bedingungen für Gründer. „Es geht um intelligenten Fortschritt, der den Menschen in den Mittelpunkt stellt“.

 

Alexander Bonde, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, wandte sich per Podcast an die Unternehmer. Beim Breitbandausbau sieht Bonde die Kommunen in der Pflicht. Das Land habe die Förder-Pauschalen erweitert und die zur Verfügung stehenden Mittel erhöht. Damit würde es gelingen, den Breitbandausbau in der Fläche zu beschleunigen und die Kommunen finanziell zu entlasten.

 

Der Faktor Mensch ist auch für Dominik Grau, Chief Innovation Officer beim Ebner Verlag in Ulm, zentral. Der Verlag setzt auf digitales Content Marketing. Grau: „Es geht darum dem Consumer Geschichten zu erzählen. Marketing heute ist Story Telling auf hohem Niveau.“


Joachim Rudolf, Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates fordert neben dem Austausch zwischen Gründern und etablierten Unternehmern auch eine wettbewerbsfähigere Ausgestaltung. Die steuerlichen Rahmenbedingungen müssten sich insbesondere für junge Unternehmen verbessern. Rudolf: „Wagniskapitalgesellschaften müssen als vermögensverwaltend und nicht als gewerbetreibend definiert werden.“ Viele Unternehmer böten Antworten auf die Herausforderungen ihrer Zeit. Rudolf: „Wir müssen sie zu Wort kommen lassen und ihnen zuhören.“