11. Juni 2012
Landesvorsitzender Dr. Ulrich Zeitel:
„In Europa ist die Geberseite gefragt“
Wirtschaft und Politik diskutieren auf Einladung des Landesverbandes Baden-Württemberg in der Alten Kommandantur in Berlin
Wieder ist es dem Wirtschaftsrat Baden-Württemberg des Wirtschaftsrates gelungen, auf seiner traditionellen Vorabendveranstaltung zum Wirtschaftstag in Berlin hochrangige Vertreter aus Wirtschaft und Politik zusammenzubringen. Den feierlichen Rahmen bot die "Alte Kommandantur". „Eine Stätte des offenen Dialogs zwischen Politik, Wirtschaft und Kultur“ wie Rolf Buch die Funktion der Bertelsmann-Repräsentanz umschrieb.
Foto: Jens Schicke

180 Teilnehmer hatten den Weg in die prestigereiche Adresse "Unter den Linden 1" gefunden. „Das zeigt, das wir ein geschlossener Landesverband mit großer Solidität sind“, freute sich Landesvorsitzender Dr. Ulrich Zeitel. In der Kurzvorstellung des Gastgeber-Unternehmens, der arvato AG, entführte Vorstandsvorsitzender Rolf Buch die Unternehmer in die spannende Welt des Outsourcing-Dienstleisters. Sogar die chinesische Post greife auf das Know-How von arvato im chinesischen Markt zurück. In England und Spanien hat der Dienstleister das Management einzelner Landkreise übernommen. Beeindruckt zeigte sich hiervon nicht nur Zeitel und resümierte: „Sie müssen Spaß an Ihrer Arbeit haben und den haben Sie nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Dafür tritt der Wirtschaftsrat ein.“

 

Matthias Wissmann, Hauptredner des Abends, zeichnete ein positives Bild der deutschen Wirtschaft. Grundlage sei der hohe Anteil industrieller Wertschöpfung am Bruttoinlandsprodukt. Dieser liege in Deutschland bei 35 Prozent, in Italien und Spanien nur bei knapp 19 Prozent und in Frankreich sogar nur noch bei etwa 13 Prozent. Tendenz fallend. „Durch gesunkende  Lohnstückkosten haben wir uns in Deutschland einen komparativen Vorteil von zehn bis 15 Prozent erarbeitet“, erläuterte Wissmann. Europäische Sanktionen bei übermäßigem Export, wie sie in Europa angedacht werden, hält er für den falschen Weg. „Unser Ziel ist der Weltmarkt. Nur weil wir dort so erfolgreich sind, sind wir auch zu Hause so stark.“ Von der Politik forderte er: „Die Energiekosten sind ein entscheidender Faktor. Den Grundsatz, dass man in gewisser Weise generell mit steigenden Energiekosten zu rechnen hätte, sollten wir uns nicht zu eigen machen!“

 

Dank und großes Lob für die Arbeit des Wirtschaftsrates kam von Seiten der Politik. Für Thomas Strobl MdB ist der Wirtschaftsrat „das ordnungspolitische Gewissen in Deutschland und in Baden-Württemberg“. Der Parlamentarier betonte das „gute Miteinander“ und trat für eine starke marktwirtschaftliche Ordnung ein: „Der Markt und der Wettbewerb sind dem menschlichen Plan überlegen.“ Vehement verwehrte Strobl sich gegen eine „Vergemeinschaftung der Schulden“: „ESM und Fiskalpakt müssen gleichzeitig verabschiedet werden. Keine Solidarität ohne Solidität.“

 

Dr. Joachim Pfeiffer MdB erinnerte die Unternehmer daran, dass in Deutschland mit 41,5 Millionen Beschäftigten der höchste Beschäftigungsgrad seit dem Zweiten Weltkrieg erreicht sei, während die europäischen Nachbarn mit dem niedrigstem Stand kämpfen und gerade Jugendliche von hoher Arbeitslosigkeit betroffen sind. Gleichzeitig mahnte er: „Wer nicht besser wird, hört auf, gut zu sein.“ Folgende vier Aufgaben sieht er hierzu in Deutschland: Den Industriestandort zu sichern, die Forschungsförderung auszubauen, Fachkräfte zu erreichen und die Technologiefreundlichkeit zu befördern.

 

„Wir wollen Energie wirtschaftlich bezahlbar, versorgungssicher und klimafreundlich anbieten“, umschrieb Thomas Bareiß MdB die Zielsetzung der Energiewende und trat für eine Schonung der über Jahrhunderte aufgebauten Ressourcen ein. Die Energiewende bezeichnete der Politiker als Marathon, den wir gerade erst begonnen hätten und mahnte zu Ehrlichkeit im Prozess: Neue Brückentechnologie für die nächsten 20 bis 30 Jahre seien die fossilen Brennstoffe, die Energiewende werde Geld kosten, weitere Netze sowie die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger für lokale Projekte seien nötig. Einig waren sich die drei CDU-Abgeordneten was den Auslöser der Krise 2008/2009 angeht: „Wirtschaften und Wohlstand auf Pump“, wie Bareiß formulierte.

 

Während die derzeitige Lage in Deutschland insgesamt positiv bewertet wurde, galt dies für die europäischen Nachbarn nicht.  Zeitel forderte daher „einen klaren wirtschaftlichen Rahmen und klare Spielregeln in Europa. Hier ist die Geberseite stark gefragt.“ Über die aktuellen Herausforderungen wurde am exzellenten Buffet noch lange diskutiert, bevor ein erfolgreicher Abend zu Ende ging.

Impressionen vom Empfang des Landesverbandes am Vorabend des Wirtschaftstages 2012 in Berlin

Fotos: Jens Schicke