29. Januar 2013
In welcher Gesellschaft wollen wir leben?
Arbeitsmarktpolitisches Unternehmergespräch mit Prof. Götz W. Werner
„Wir leben in einer Gesellschaft, die immer stärker fremdbestimmten Zwängen unterliegt. Umso mehr müssen wir versuchen, unseren eigenen Weg zu gehen. Ich freue mich, von Prof. Werner mehr dazu zu erfahren“, begrüßte Dr. Martin Leonhard, Sprecher der Sektion Rottweil/Tuttlingen, die Teilnehmer des arbeitsmarktpolitischen Unternehmergespräches.
Prof. Götz W. Werner (Foto: Wirtschaftsrat)

Erika Faust, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Rottweil/Villingen-Schwenningen, führte zu Beginn der Veranstaltung aus, dass die Region nach der Krise besser aufgestellt sei als zu deren Beginn im Jahr 2008. Von den rund 500.000 Bewohnern seien rund 185.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigt. „Ein absoluter Höchststand“, hob Faust hervor. Zuversichtlich stimme sie auch das für 2013 prognostizierte Wirtschaftswachstum. Wohingegen der bereits vorhandene und sich wohl noch verstärkende Fachkräftemangel sehr ernst genommen werde.

 

Prof. Götz Werner realisierte in der Wirtschaft die Werte, für die er steht. Selbstbestimmung war ihm bereits bei der Eröffnung des ersten dm-Markts in Karlsruhe sehr wichtig. Heute ist dm ein Unternehmen mit rund 44.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von mehr als sechs Milliarden Euro. „Wir verfolgen ein besonderes und ein unautoritäres Führungskonzept. Die dm-Filialen bestimmen vor Ort teilweise selbst über ihr Sortiment, ihre Dienstpläne, teils die Vorgesetzten und sogar die Gehälter.

 

„Jeder Mensch ist der Unternehmer seiner eigenen Biografie“, sagt Prof. Werner. Das 2007 veröffentlichte Buch „Einkommen für alle“ setzte eine breite Diskussion in Gang: Soll jeder Bürger ein vom Staat garantiertes Einkommen erhalten, ohne daran geknüpfte Bedingungen? „Die Idee ist nicht neu, aber ihre Zeit ist gekommen.“ Für die innovative Unternehmensführung sowie die Schaffung zahlreicher Arbeits- und Ausbildungsplätze erhielt Götz Werner unter anderem den Verdienstorden 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland.

 

„Ich will gerne ein Utopist sein“, bekannte Prof. Dr. Götz Werner. Seine Utopie: das bedingungslose Grundeinkommen, das jede und jeder von der Geburt bis zum Tod in Höhe von 850 Euro erhalten soll. Dass er damit die gesamte Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik umkrempeln würde, konnte dabei nicht verborgen bleiben. Er will mit seiner Idee den Freiraum schaffen, dass der Mensch tätig sein kann.

Handschlag zwischen arbeitsmarktpolitischen Akteueren und der Wirtschaft: Erika Faust und Dr. Martin Leonhard (Foto: Wirtschaftsrat)

Fakten und Daten, die dem Schramberger Ehrenbürger, Unternehmer und früheren Politiker Dr. Hans-Jochem Steim wohl näher liegen, als die Vorstellungen des sich selbst als „Realträumer“ bezeichnenden Götz Werner. So konnte Sektionssprecher Dr. Martin Leonhard, seinem Vorvorgänger für seine 30-jährige aktive Mitgliedschaft und Mitarbeit im Wirtschaftsrat danken und für das herausragende Wirken im Wirtschaftsrat würdigen: Der sich als glaubwürdiger Vertreter und Verfechter der Sozialen Marktwirtschaft und mit seiner Menschlichkeit, die nahe bei dem Namensgeber des Veranstaltungsraumes, Adolph Kolping, ist, in sozialer Verantwortung auch in den nächsten Jahren für Arbeit, Wachstum und Wohlstand einsetzen wird.

 

„Eigeninitiatives Handeln in einem Unternehmen bringt Risiken mit sich, kann aber auch eine Chance für beide Seiten sein, wie man bei Prof. Werner gesehen hat. Ich bedanke mich für den  interessanten Vortrag. Wir konnten viel lernen und mitnehmen“, schloss Dr. Martin Leonhard.

Dr. Martin Leonhard (links) würdigt Dr. Hans-Jochem Steim für seine 30-jährige Mitgliedschaft (Foto: Wirtschaftsrat)