07. Juni 2016
"Industrie 4.0 ist ein Prozess, kein Konzept!"
1. GBS Mittelstandsforum diskutiert Unternehmensstrategien
In Kooperation mit der Goethe Business School (GBS) begrüßten die Landesfachkommissionen Internationaler Kreis sowie Familienunternehmen & Mittelstand des Wirtschaftsrates Hessen zahlreiche Gäste zum Auftakt einer neuen Veranstaltungsreihe im House of Finance. Beim 1. GBS Mittelstandsforum wurden „Strategische Optionen im 21. Jahrhundert“ diskutiert.
v.l.n.r.: Dr. Fabian Urban, Holger Trautmann, Prof. Dr. Torsten Wulf, Dipl.-Ing. Johann Hofmann (Foto: Wirtschaftsrat)

„Als Begrifflichkeit geistert das Wort „Strategie“ wild in der Wirtschaft herum“, leitete Dr. Fabian Urban, Director Executive Education der Goethe Business School und Moderator der Veranstaltung, ein. „Heute soll der Begriff jedoch wissenschaftlich fundiert und praktisch zugänglich gemacht werden.“

 

Holger Trautmann, Gründer und Managing Partner der Blue Ocean Strategy Partners GmbH, präsentierte sogleich das Konzept „Blauer Ozean“. Am Beispiel des kanadischen Künstlers und Self-Made-Milliardärs Guy Laliberté veranschaulichte er, wie die „Blue Ocean“-Strategie eine systematische Generierung neuer Einnahmequellen hervorrufen kann. Neben branchenübergreifendem Denken und dem bewussten Eliminieren von Kosten könne ein geringeres, selektiertes Produktangebot zum Erfolg führen. „Ein guter Unternehmer startet sofort, denn zum Innovieren gibt es nicht den einen bestmöglichen Zeitpunkt“, motivierte Trautmann die zuhörenden Vertreter der Wirtschaft.

 

Zum Perspektivenwechsel animierte Prof. Dr. Torsten Wulf, Inhaber des Lehrstuhls für strategisches und internationales Management an der Philipps-Universität Marburg: „Im Rahmen der von oben vorgegebenen Konzernstrategie kann jede Führungskraft im Unternehmen zusätzlich eigene Strategien entwickeln.“ Wenn Handlungsspielräume effektiv genutzt würden, könnten wenig aufwendige Veränderungen bestehenden Prozessen bereits eine neue Richtung geben.

 

Johann Hofmann, Leiter „Value Facturing“ der Maschinenfabrik Reinhausen GmbH, beschrieb den handlungsorientierten Weg in die digitale Fertigung der Industrie 4.0 und focht damit stellenweise die Argumentation seiner Vorredner an. „4.0 ist ein Prozess, kein Konzept“, sagte Hofmann. Die Digitalisierung mache den Produktionsprozess zwar papierfrei, doch der Prozess verändere sich nicht. Treffender wäre die Rede von einer „digitalen Transformation“. Mit Beispielen aus der Praxis illustrierte Hofmann den Übergang zur Industrie 4.0. „Auf dem Weg zur digitalen Fabrik durch Schnittstellenverknüpfung wird vor allem die Komplexität immer größer“, so Hofmann. „Im Gegensatz zur Methode des Lean-Managements lässt 4.0 diese Komplexität zu.“ Hierzu müsse der Unternehmer auf Value-Facturing statt Manufacturing setzen.

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Landesgeschäftsführer
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